Wacker Neuson AG

Unternehmensanalyse: Wacker Neuson SE

Wer wartet, der gewinnt!

Solide Kapital- und Aktionärsstruktur zu einem zu teuren Preis.

Heute analysiere ich ein Unternehmen meiner Watchlist, mit welchem ich in der Finanzkrise 2008 gutes Geld verdiente – die Wacker Neuson SE. Ich habe zwar schon vorher Aktien gehalten, aber 2008 war das erste Jahr, in dem ich tatsächlich einen grossen Teil meiner freien Finanzmittel in Unternehmen investierte. Damals beruhte meine Analyse auf dem KBV, dem Lesen der aktuellen Bilanz, dem Anschauen der vergangenen Gewinne und meinem Bauchgefühl.

Heutzutage hat sich noch eine Auseinandersetzung mit der Biografie des Managements, der Besitzstruktur und der Easy Buffett hinzugesellt. Nachdem ich meine Analyse durchgeführt habe, vertrau ich aber weiterhin meinem Bauchgefühl. Für dessen Entwicklung lasse ich mir mehr Zeit als damals, was dazu führt, dass ich meistens mehr als einen Unternehmensreport gelesen habe und mein Gesamtbild von vielen Unternehmen fundierter ist.

Bestandteile meiner Unternehmensanalyse:

  • KBV,
  • Lesen der aktuellen Bilanz,
  • Anschauen der vergangenen Gewinne,
  • Biografie des Managements,
  • Besitzstruktur,
  • Easy Buffett,
  • Mein Bauchgefühl

Geschichte und Strategie

Die Wacker Neuson SE existiert in seiner heutige Form erst seit 2007 durch eine Fusion von Wacker Construction Equipment AG und der Neuson Kramer Baumaschinen AG. Die einzelnen Unternehmensteile blicken aber auf eine längere Geschichte zurück. Die Wacker Neuson SE ist nach eigenen Angaben ein weltweit führender Herstelle von hochwertigen Baugeräten und Kompaktmaschinen. Ihr Kernmarkt liegt in Europa und hier insbesondere in der DACH-Region.

Insgesamt ist das Geschäftsmodell von Wacker Neuson einfach zu verstehen. Ich glaube jeder kann sich etwas unter Baumaschinen vorstellen und wer mit offenen Augen durch die Welt geht, sieht auch an vielen Baustellen in Europa die kleinen Bagger oder Verdichter von Wacker Neuson. Auch wenn das Unternehmen gut aufgestellt ist, sehe ich die Gefahr der Kopierbarkeit von ihrem Geschäft. Zwar glaube ich, dass Wacker Neuson einen Entwicklungsvorsprung und ein Markenimage aufgebaut hat. Trotzdem denke ich das Unternehmen wie JohnDeer oder Caterpillar ihr Geschäft problemlos kopieren könnten. Auch könnten noch nicht bekannte chinesische Anbieter auf den Markt kommen, die sich zurzeit ihren Heimatmarkt aufteilen.

Gegen einen plötzlichen Eintritt von Caterpillar spricht jedoch eine strategische Allianz mit Wacker Neuson. Diese berechtigt Wacker Neuson mit Caterpillar zusammen Minibagger bis zu einem Gesamtgewicht von drei Tonnen zu entwicklen und herzustellen. Dies kann man als kleine Barriere gegen potenzielle andere Konkurrenten ansehen. Insgesamt gibt es bei Wacker Neuson aber keinen unüberwindbaren Burggraben, wie ihn Warren Buffett gerne sieht.

Ein weiteres Problem der Wacker Neuson SE sehe ich in ihrer grossen Abhängigkeit von einer Region und einem zyklischen Segment.

71% des Umsatzes wird in Europa erwirtschafte, während man in China noch in den Anfängen der infantilen Entwicklung steckt – laut aktuellen Quartalsbericht plant man den Eintritt im chinesischen Markt mit all seinen Chancen und Risiken.

Gleichzeitig ist man fast vollständig von der Baubranche abhängig, deren Wachstumsaussicht weltweit nach den grossen Baubooms der letzten 20 Jahre in vielen Entwicklungsländern eher moderat angesetzt werden muss und in Europa im besten Fall stagnierend ist. Dieses Problem sieht auch der Wacker Neuson:

„Insbesondere in den südlichen Ländern wirke sich der teilweise restriktive Kurs der Finanzpolitik aufgrund der Finanzierungsprobleme negativ auf die Investitionsneigung und damit mittelbar auch auf die konjunkturelle Entwicklung Gesamteuropas aus.“

Quelle: Wacker Neuson – Zwischenlagebericht Q2/2012; S. 4

Auch wenn die DACH-Region sich bislang behauptet, sehe ich die langfristigen Wachstumschancen für die Wacker Neuson SE inflationsbereinigt eher stagnierend. Dieses wird wohlgemerkt durch die zyklischen Aufs und Abs der Baubranche kaschiert, sodass sich hier für antizyklische Value-Investoren durchaus immer wieder Ein- und Ausstiegsmöglichkeiten bilden können.

Aktionärsstruktur

Die aktuelle Aktionärsstruktur sieht wie folgt aus:

Freefloat 35.8 %

Familie Wacker 33.1% (Wacker)

Familie Neunteufel 30% (Neuson)

Vorstand 1.1%

Insgesamt bewerte ich ein hohes Familienengagement grundsätzlich positiv.

Rendite

Jahr

Gewinn

Eigenkapital

EK-Rendite

2003*

21.4

284.6

8%

2004*

25.7

246.3

10%

2005*

31.3

289.9

11%

2006*

48.5

282.4

17%

* nur Wacker

2007

54.1

910.4

6%

2008

37.4

909.1

4%

2009

-110.1

789.0

-14%

2010

23.9

830.6

3%

2011

85.8

905

9%

Durchschnitt

6%

Ausschüttung

Jahr

Dividende

Gewinn pro Aktie

Ausschüttungsquote

2005*

0.35

0.77

45%

2006*

0.62

1.19

52%

* nur Wacker

2007

0.5

1.1

45%

2008

0.19

0.53

36%

2009

0

-1.57

0%

2010

0.17

0.34

50%

2011

0.5

1.22

41%

Durchschnitt

39%

Kapitalstruktur/Sicherheit

Die EK-Quote liegt seit mehreren Jahren über 60% und ist damit sehr hoch. Zurzeit ist sie sogar bei fast 69%. Zum Vergleich die durchschnittliche EK-Quote mit dem 2011 bilanzierten Eigenkapital der DAX30 Konzerne liegt bei 30%, wobei Beiersdorf mit 57% das Maximum darstellt. Ein Eigenkapital-Sicherheitspuffer ist bei Wacker Neuson für konjunkturelle Abkühlung also gegeben.

Bewertung

Easy Buffett (in EUR)
aktueller   Kurs

11.50

Buchwert

13.00

aktueller   Gewinn

0.65

Einstandsrendite

5.65%

ØEigenkapitalrendite

5%

Ausschüttungsquote

40%

EK-Wachstum

3%

Jahre   n

10

Buchwert   in n Jahren

17.47

Gewinn   in n Jahren

0.87

KGV

10

Kurs   in n   Jahren

8.74

∑Dividenden   in n Jahren

3.05

Rendite

0.24%

 Fazit

Das Fazit für den Anleger ist, dass man mit der Wacker Neuson SE einen soliden Zykliker bekommt. Ich halte das Investment für sehr sicher hinsichtlich der Kapital- und Aktionärsstruktur. Die „leichte“ Kopierbarkeit des Geschäftsmodells macht mir jedoch sorgen. Genauso wie die langfristige Rendite. Wie es für zyklische Unternehmen üblich ist, liegt die derzeitige Eigenkapitalrendite und Bewertung über dem langfristigen Durchschnitt. Damit wird eine Investition in Wacker Neuson zu dem heutigen Kurs über mehrere Jahre gerade eben wie eine deutsche Staatsanleihe verzinst – bei der ich auswandere, bevor ich investiere 😉

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