Unternehmensanalyse Hammond Manufacturing

Unternehmensanalyse: Hammond Manufacturing

Hammond Mfg. hat eine Marktkapitalisierung von ca. 15 Mio. CAD, keinen sichtbaren langfristigen Wettbewerbsvorteil, einen Ankerinvestor, der nicht shareholder-value-orientiert ist, und verdient nur wenig Geld. Ein Kurs/NCAV von 1 und ein KBV von 0,5 haben mich dazu veranlasst, mich trotzdem mit dem Unternehmen zu beschäftigen.

Nach dem Artikel „Small vs. Large Caps“ habe ich mir vorgenommen, mich mehr mit kleineren Unternehmen zu beschäftigen. Heute möchte ich euch einmal ein solches Unternehmen vorstellen, auf welches ich über meine englischsprachige Lieblingsseite (Oddball Stocks) gestossen bin. „Oddball“ bedeutet schrullig, komisch bzw. anderes als die Norm. Dies gilt auch für Hammond Mfg., welches mit einer Marktkapitalisierung von 15 Mio. CAD wohl eher zu den Micro Caps bzw. wie ich gerade auf Wikipedia gelernt habe zu den Nano Caps gehört als zu den Small Caps.

Günstig Anlagen, schlechte Rentabilität

Hammond Mfg. hat ihren Firmensitz in der Nähe von Toronto, Ontario, in einem kleinen Vorort. Sie stellen Elektronikgehäuse, Mehrfachstecker und Transformatoren her – ein Geschäft, welches definitiv keinen unüberwindbaren Burggraben (Moat) besitzt. Für jede dieser Produktkategorien gibt es sicher ein halbes Dutzend asiatischer Hersteller, die günstiger sind. Trotzdem verdient Hammond Mfg. eine Umsatzmarge von ca. 2 %. Was die Firma für eine Value Investor interessant macht, ist die günstige Bewertung. Hier sprechen wir eher von einem Value Investing Stil à la Graham als Buffett.

Kennzahlen mit Werten aus der 2012 Bilanz:

Kurs/NCAV = 1.02

KBV = 0.48

KGV = 8.87

Was mich besonders reizt, ist die günstige Anlagenbewertung in Kombination mit der relativ hohen Sicherheit. Ein Kurs/Nettoumlaufvermögen von 1 besagt, dass das kurzfristige Vermögen (Cash, Forderungen, Lagerbestände) dazu ausreicht, sowohl die Verbindlichkeiten als auch die derzeitige Marktbewertung zu decken. Langfristige Vermögen in Höhe von 16 Mio. CAD bekommt man als gratis Zugabe. Wie viel diese tatsächlich Wert sind, vermag ich nicht zu sagen. Da sie aber auch Gebäude zum Anschaffungswert von 8,5 Mio. CAD (Bilanz: 3,7 Mio. CAD) enthalten, denke ich, dass sie nicht wertlos sind. Aufgrund der niedrigen Rendite bekommt man hier Waren, Cash und Anlagen zum halben Preis. Allerdings lohnt sich das Investment nicht auf Basis der Rentabilität.

Umsatz- und Eigenkapitalrendite (in Mio. CAD)
Jahr Gewinn Umsatz Umsatzrendite Eigenkapital EK-Rendite
2012 1.7 92.4 1.8 % 30.8 5 %
2011 1.8 85.5 2.1 % 29.5 6 %
2010 2.3 78.6 2.9 % 27.7 8 %
2009 0.0 69.4 -0.1 % 26.7 0 %
2008* 4.9 78.2 6.3 % 26.7 18 %
2007 0.2 73.1 0.2 % 21.9 1 %
2006 1.2 71.0 1.7 % 21.6 5 %
2005 -0.4 67.2 -0.6 % 20.4 -2 %
2004 0.2 59.5 0.3 % 20.8 1 %
2003 0.0 56.6 -0.1 % 20.6 0 %
2002 1.1 59.4 1.8 % 20.9 5 %
Durchschnitt 2 % 4 %
 *Verkauf Moloney Electric

Die Ausschüttung sollte 100 % betragen – tut sie aber nicht!

Auch die Ausschüttung, die bei dieser Bewertung und Rendite eigentlich 100 % betragen müsste, ist leider nicht der Rede wert. Mit jährlichen 0,02 Cent in den letzten drei Jahren beträgt sie nicht einmal 15 % des Gewinnes. Der Hauptgrund liegt in der Besitzstruktur. Robert Frederick Hammond hat über die B-Class Shares und der Eramosa Group Limited ca. 64 % aller stimmberechtigten Aktien und vertritt einen sehr stakeholderorientierten Managementstil. D.h. es werden alle Anspruchsgruppen im Unternehmen berücksichtigt: Kunden, Aktionäre, Mitarbeiter und Lieferanten. Dies ist, wie ich finde, eine sehr gute Unternehmensführung. Allerdings geht sie auf Kosten der Rendite für Aktionäre.

Ausschüttungsquote (in CAD)
Jahr    Gewinn pro Aktie    Dividende    Ausschüttungsquote
2012 0.15 0.02 14 %
2011 0.16 0.02 13 %
2010 0.20 0.02 10 %
2009 0.00 0 %
2008 0.43 0 %
2007 0.02 0 %
2006 0.10 0 %
2005 -0.04 0 %
2004 0.02 0 %
2003 0.00 0 %
2002 0.10 0 %
Durchschnitt (drei Jahre) 12 %

Fazit

Guckt man auf meine Easy Buffett-Kalkulation erkennt man recht schnell, dass hier wenig zu holen ist. Selbst wenn man davon ausgeht, dass die Bewertung von einem derzeitigen KGV von neun auf zehn steigt, übertrifft die Rendite kaum diejenige einer guten langfristigen Unternehmensanleihe.

Easy Buffett (in CAD):
aktueller Kurs 1.30
Buchwert 2.71
aktueller Gewinn 0.11
Einstandsrendite 8.4%
ØEigenkapitalrendite 4%
Ausschüttungsquote 15%
EK-Wachstum 3%
Jahre n 10
Buchwert in n Jahren 3.79
Gewinn in n Jahren 0.15
KGV 10
Kurs in n Jahren 1.52
∑Dividenden in n Jahren 0.21
Rendite 2.90%

Erklärung des Easy Buffett.

Interessant ist dieses Unternehmen für mich im Moment tatsächlich nur unter Inflationsgesichtspunkten. Ich nenne es mal ketzerisch das bessere Gold oder die bessere deutsche Immobilie. Wenn man davon ausgeht, dass die Inflation (insbesondere im Euroraum) in den nächsten Jahren ansteigt, könnte man mit so einem Unternehmen sein Risiko ähnlich streuen wie mit Gold oder deutschen Immobilien. Die Anlagen von Hammond Mfg. sind im Vergleich zu Gold sowie deutsche Immobilie sehr günstig. Sie werden zur Hälfte des Buchwertes verkauft. Ausserdem sind sie im Gegensatz zu Gold rentabel und stehen im Gegensatz zu deutschen Immobilien hauptsächlich in Kanada. In einem Euro-Inflationsszenario, setzt man also mit günstigen Anlagen auf eine starke Währung.

Gekauft habe ich Hammond Mfg. trotzdem nicht. Grundsätzlich finde ich die Idee von Benjamin Graham in Unternehmen mit einem grösseren NCAV als Marktkapitalisierung zu investieren zwar gut, bin aber eher ein Anhänger von Warren Buffett, der in Unternehmen mit aussergewöhnlicher Eigenkapitalrendite investiert und dafür auch bereit ist, mehr als den Buchwert auszugeben. Ein weiteres Problem ergibt sich für mich in dem Kauf eines kanadischen Nano-Caps, der mich Handelsgebühren von ca. 50 Euro pro Trade kostet. Da der Kurs von Hammond Mfg. im letzten Jahr zwischen 0,92 und 1,40 CAD gependelt ist und derzeit bei 1,30 CAD steht, ist mir die Aktie zudem nicht günstig genug. Wenn der Kurs noch einmal unter 1,00 CAD (0,75 Kurs/NCAV) fallen sollte, würde ich mir einen Einstieg als Graham-Spekulation aber ernsthaft überlegen.

Was ist eure Meinung zu dem Unternehmen bzw. meiner Schlussfolgerung?

3 Kommentare
  1. FraSee Investors sagte:

    Also mir wäre wirklich die Dividende zu niedrig aber es spiegelt wohl den Zustand der geringen Umsatzrendite wieder. Man kämpft da ja regelrecht mit dem Break-Even. Zudem hätte ich ein CAD Currency Risk… Aber trotzdem super Bewertung…

  2. Roger sagte:

    Was ist eure Meinung zu dem Unternehmen bzw. meiner Schlussfolgerung? Zu klein und unbekannt und zu weit weg. Im Ausland würde ich unter 50-100 Mio€ MK kaum/nicht anfangen. Außer du hast eine persönliche Bindung zu dem Land und/oder Unternehmen. Kein erkennbarer Wettbewerbsvorteil, schwankende Gewinne (Ursachen? –> Zukunftsperspektive?) und eine ziemlich geringe EK-Quote machen es endgültig zu einem NoGo, da gibt es viele bessere Unternehmen. Ich persönlich begeistere mich immer stärker für Hidden Champions aus Frankreich im Small-/Midcap-Bereich. Gibt es deutlich billiger als die deutschen Pendant, werden so langsam entdeckt, haben oft eine gute Cashrücklage, und da Frankreich noch im Konjunkturtal ist, sieht man jetzt gut, welche Boote sturmfest sind (und von dem nächsten Aufschwung gut profitieren können).

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar