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Unternehmen mit Netzwerk-Effekten

Die besten Unternehmen haben versteckte Netzwerke

Als Value Investor sollte man sich immer die Frage stellen: Was macht ein gutes Unternehmen aus? Die Antwort ist relativ einfach: Unternehmen mit einem Wettbewerbsvorteil – von Warren Buffett als Burggraben bezeichnet. Dieser Burggraben kann von sehr klein bis gigantisch reichen und in seiner Art und Weise stark variieren.

So können Burggräben natürlich sein, wie zum Beispiel bei Versorgungsunternehmen. Sie können technische sein, wie zum Beispiel durch Erfindungen und Patente. Sie können regulatorisch sein, wie zum Beispiel durch Gesetzgebung oder Normen. Sie können durch Marken entstehen oder durch Netzwerk-Effekte.

Netzwerk-Effekte bilden starke Wettbewerbsvorteile

Als Netzwerk-Effekt bei Unternehmen wird ein veränderter Nutzen für den Kunden beschrieben, wenn sich die Anzahl der Kunden verändert. Sie können sowohl positiv als auch negativ sein. Für den Wettbewerbsvorteil konzentriert man sich auf den positiven Netzwerk-Effekt: Mehr Kunden = mehr Nutzen. Der Einfachheit halber vermische ich hier die Begriffe positiver Netzwerk-Effekt und positiver Feedback-Effekt. Der positive Feedback-Effekt besagt, dass durch eine höhere Anzahl Nutzer der Wert eines Netzwerkes steigt. Dieser Anstieg führt dazu, dass neue Nutzer dem Netzwerk beitreten.

Unternehmen mit diesen Effekten haben ein sich selbstverstärkendes Geschäftsmodell, lassen sich oft als Kreislauf darstellen und tendieren zu Monopolen. Dies macht sie aus gesellschaftlicher Sicht oft negativ, als Investor aber sehr attraktiv. Zu den Unternehmen mit einem selbstverstärkenden Geschäftsmodell gehören viele Unternehmen der New-Economy.

Beispiele für Unternehmen mit Netzwerk-Effekt

Neben klaren Netzwerkmodellen wie Alphabets Suchmaschine Google und das soziale Netzwerk Facebook, haben auch Unternehmen wie Microsoft, Amazon oder Netflix starke Netzwerk-Effekte.

Microsoft

Microsoft Office hat unter den Bürodatenverarbeitungs-Programmen mit Word, Excel und Power Point die meisten Nutzer. Deshalb bilden Schulen und Universitäten in Kursen zur Informationsverarbeitung auf diesen Programmen aus und Unternehmen setzten diese Kenntnisse voraus. Das erhöht wiederum die Nutzeranzahl und führt dazu, dass weiter auf diesen Programmen ausgebildet wird. Selbst wenn andere Programme gratis auf den Markt kommen, ist der Wechsel für den Nutzer mit hohen Kosten verbunden und senkt die Kompatibilität mit außenstehenden Nutzern. Dieser Netzwerkeffekt ist sicherlich mit einer der Gründe, warum Microsoft und viele andere Softwareunternehmen viele ihrer Programme Schulen und Universitäten gratis zur Verfügung stellen.

Amazon

Ein Kreislauf ist auch bei Amazon, dem größten Marktplatz der Welt, zu finden. Die Größe der Plattform erhöht die Attraktivität für Verkäufer, da sie dadurch die meisten Kunden finden, was das Angebot erhöht und damit die Attraktivität für Kunden erhöht, was wiederum die Attraktivität der Plattform für Verkäufer erhöht – ein selbstverstärkender Effekt. Ähnlich verhält es sich auch bei eBay und anderen Handelsplattformen, die eine Nische dominant besetzen.

Netflix

Ein nicht ganz so offensichtlicher Kreislauf lässt sich auch bei Netflix feststellen. Netflix ist der größte Streaming-Anbieter der Welt. Damit hat man das größte Budget, um viele Inhalte einzukaufen oder gar selbst zu produzieren, was wiederum die Attraktivität für Zuschauer erhöht, ihre Anzahl und Zahlungsbereitschaft und damit das Budget, um Inhalte einzukaufen. Allerdings wird Netflix in den nächsten Jahren von einem noch größeren Inhaltsanbieter mit noch größerem Budget herausgefordert. Der Disney-Konzern hat angekündigt, mit dem auslaufenden Netflix-Vertrag 2019 einen eigenen Streamingdienst mit exklusiven Disney-Inhalten zu starten oder seine Inhalte über andere Dienste als Netflix direkt zu vermarkten.

Offensichtliche Netzwerke vs. weniger offensichtliche Netzwerke

Wichtig ist es, nicht nur nach offensichtlichen Netzwerken, bei denen das Geschäft durch einen Beitrag vom Nutzer entsteht, zu suchen. Netzwerke, wie Facebook, Twitter, Instagram und Co, bei denen der Nutzer direkt für den Inhalt verantwortlich ist, sind offensichtlich. Der Angriff eines Konkurrenten geht immer direkt gegen das Netzwerk. Nicht grundlos hat sich Facebook Instagram einverleibt. Netzwerke, wie Microsoft Office oder Netflix, sind dagegen weniger offensichtlich. Angriffe der Konkurrenz kommen eher über den Preis oder die Qualität ihres Produktes, wie OpenOffice oder Hulu, und sind eher zum Scheitern verurteilt.

Was ist eure Meinung zu Wettbewerbsvorteilen bei Unternehmen und von Netzwerk-Effekten?
Fragen an einen Manager

Fragen an einen Manager

Es ist nicht notwendig mit einem Unternehmen zu sprechen und kann in einzelnen Fällen sogar gefährlich sein, wenn man auf einen besonders charismatischen, aber nicht integren Manager trifft. Trotzdem habe ich es meistens als hilfreich empfunden, mit Vertretern eines Unternehmens zu sprechen. Das können einfach Mitarbeiter, Kunden, Lieferanten oder das Management sein.

Bevor man in ein solches Gespräch geht, sollte man aber seine Hausaufgaben gemacht haben. Wenn man wirklich die Chance hat mit einem Unternehmensvertreter zu sprechen, sollte nicht unbedingt die wichtigste Frage sein: „Wie wird sich ihr Umsatz im nächsten Jahr entwickeln?“

Hier sind ein paar meine Lieblingsfragen:

Was ist besonders an Ihrer Unternehmenskultur?

Gute Frage für den Einstieg, weil sie sehr offen ist und man sie normalerweise nur schwer aus dem Unternehmensberichten lesen kann.

Wenn Sie 10 Jahre Ihre Ersparnisse in einen Ihrer Konkurrenten anlegen müssten, welcher wäre dies? Alternativ: In welchen Lieferanten oder Kunden würden Sie investieren?

Die Frage ist gut, da man allgemein etwas über den Markt erfährt. Sie zeigt außerdem die Stärken der Konkurrenten und wie der Manager damit umgeht.

Wenn Sie einen Ihrer Konkurrenten leerverkaufen müssten, welcher wäre dies?

Umgedreht zur vorherigen Fragen. Zeigt die Schwächen oder Überbewertungen im Markt.

Was hat das Unternehmen in den letzten Jahren getan, um seinen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil auszubauen?

Die Frage zeigt, ob das Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil hat und ihn weiterentwickelt.

Wenn Sie einen Übernahme tätigen, wie gehen Sie dabei vor? Was ist Ihr Prozess?

Hier möchte man wissen, ob das Unternehmen und der Manager opportunistisch handelt, ob er Übernahmen versteht und ob sich die verantwortlichen Personen unter Umständen ein Denkmal durch Übernahmen setzen möchten.

Was ist die größte Veränderung in den letzten 5 Jahren in Ihrer Industrie?

Unternehmen stehen im kontinuierlichen Wandel. Heute im Zeitalter des Internets und der Digitalisierung schneller als zuvor. Ist dies im Unternehmen bekannt. Die Frage soll zeigen, wie man auf den Wandel reagiert.

Was machen Sie, was Ihre Konkurrenz jetzt noch nicht macht?

Die Frage kommt von Phil Fisher. Betonung liegt auf „jetzt“, da jeder Vorteil irgendwann von der Konkurrenz kopiert wird.

In welcher Form ist Technologie eine Chance und in welcher Form ein Risiko für Sie?

Bezieht sich auf die zwei Fragen zuvor. Technologischer Wandel ist heute wichtiger als jemals zuvor. Das Bewusstsein für diesen Wandel im Unternehmen sollte durch diese Fragen deutlich werden.

Wenn ich ausreichend Kapital zur Verfügung hätte, was würde mich davon abhalten in einem Jahr Kopf-an-Kopf mit Ihnen im Wettbewerb zu stehen?

Die Frage soll klären, ob es Wettbewerbsvorteil über das notwendige Kapital hinaus gibt.

Wenn Ihr Unternehmen morgen nicht mehr existieren würde, was würden Ihre Kunden vermissen?

Geht auch in die Richtung herauszufinden, was der Wettbewerbsvorteil eines Unternehmens ist.

 Was unterschätzen Investoren an Ihrem Geschäft?

Auch eine schöne Frage für den Schluss, da der Manager hier noch einmal glänzen kann.

Was ist Ihre Meinung zu Aktienrückkäufen und Dividenden?

Zeigt das Verständnis im Unternehmen über Kapitalallokation.

Welcher Analyst schätzt Sie Ihrer Meinung nach gut ein?

Zeigt etwas über den Charakter des Antwortgebers, wenn der empfohlende Analyst sehr positiv auf das Unternehmen zu sprechen ist oder nicht. Und zweitens gibt es einem einen Hinweis, mit wem man noch sprechen könnte.

Wo drüber beschweren sich Ihre Kunden am meisten? Und wie behandeln Sie das Thema?

Kein Unternehmen ist perfekt. Wo liegen die Schwächen des Unternehmens und wie werden sie behandelt.

Haben Sie eine gute Buch-Empfehlung?

Zeigt etwas über den Charakter der Person mit der man spricht. Ist die Antwort „Ich habe keine Zeit zu lesen.“ möchte man vielleicht zeigen, wie hart man arbeitet. Die Antwort ist aber eher ein negatives Zeichen, weil man überarbeitet oder unorganisiert ist. Gibt es eine Empfehlung, zeigt dies, dass man sich weiterbilden möchte und intellektuell Neugierig ist. Ich hoffe ihr findet die Fragen hilfreich. Ich würde mich über Fragen von euch in den Kommentaren freuen.


Willst du mehr zum Thema erfahren?

Willst du mehr zum Thema erfahren?Wenn du offline weiterlesen möchtest, kann ich dir Einfach Investieren – Grundlagen des Value Investing von Till Schwalm empfehlen.

Das Buch zeigt, wie jeder Privatanleger von den erfolgreichen Strategien von Warren Buffett & Co. profitieren kann. Er erläutert die Grundlagen des Investierens, gibt konkrete Tipps und hilft bei den ersten Schritten an der Börse. Die Grundlagen des Value Investing kompakt für Einsteiger aufbereitet.

Farbenhersteller Sto

Unternehmensanalyse: Sto AG

Der „Farben, Putze und Fassadensystem“-Hersteller Sto AG profitiert von den anspruchsvollen Klimaschutzzielen in Deutschland. Die staatlich geförderten Programme zu energetischen Sanierungsmassnahmen haben seit 2006 den Umsatz und die Gewinne stark gesteigert. Die Abhängigkeit von der Gesetzgebung birgt aber auch grosse Risiken, weshalb ich die Sto AG zum derzeitigen Aktienkurs für zu teuer halte.

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Maschinenbauer Bertholt Hermle

Unternehmensanalyse: Maschinenfabrik Berthold Hermle AG Vz

Die Maschinenfabrik Berthold Hermle AG Vz ist einer der viel gelobten deutschen Mittelständler aus der Maschinenbaubranche. Das Unternehmen steht sehr gut da. Die Bewertung ist sportlich und damit für Value Investoren zurzeit unattraktiv.

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Titan Cement

Unternehmensanalyse: Titan Cement Company

Die Titan Cement Company ist in den falschen Regionen tätig. Der Zementmarkt ist regional begrenzt. Mit Griechenland, Ägypten und den USA (Virginia und Florida) als Kerngebiete ist das Unternehmen derzeit zu teuer. Nur die Türkei bereitet ein wenig Freude. Weiterlesen

Einhell

Unternehmensanalyse: Einhell Germany AG

Einhell ist ein deutscher Werkzeuganbieter, der versucht sich in den Köpfen der Verbraucher zu etablieren. Neben einer Internationalisierungsstrategie spielen vor allem die Entwicklung und der Vertrieb von Eigenmarken eine grosse Rolle in dem Unternehmen.

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Unternehmensanalyse Hammond Manufacturing

Unternehmensanalyse: Hammond Manufacturing

Hammond Mfg. hat eine Marktkapitalisierung von ca. 15 Mio. CAD, keinen sichtbaren langfristigen Wettbewerbsvorteil, einen Ankerinvestor, der nicht shareholder-value-orientiert ist, und verdient nur wenig Geld. Ein Kurs/NCAV von 1 und ein KBV von 0,5 haben mich dazu veranlasst, mich trotzdem mit dem Unternehmen zu beschäftigen. Weiterlesen

Bild zur Unternehmensanalyse KSB

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Die KSB AG – ein interessantes Unternehmen mit einer soliden Bilanz und einer niedrigen Bewertung im derzeitigen Marktumfeld. Auf dieser Grundlage könnte sich das Geschäft in den nächsten Jahren nach oben pumpen. Weiterlesen

Unternehmensanalyse Celesio AG

Update: Celesio AG und die Bedrohung durch AEP direkt und Haniel

Vor über einem Jahr habe ich an dieser Stelle über den Pharmahändler Celesio geschrieben. Mit ca. 26 % Gewinn hat sich die Aktie gut entwickelt. Aufgrund einiger auf den ersten Blick beunruhigenden Medienberichte, gibt es deshalb heute eine erneute Überprüfung des Investments. Weiterlesen

K+S AG und ihre Produktionskosten

Update Analyse: K+S AG und die Produktionskosten

Aussagen über die Zukunft sind schwierig. Der Chef von Uralkali behauptet der Preis für Kali fällt unter 300 USD/t, während der Potash Chef laut Handelsblatt die Spekulation über einen Preiseinbruch für übertrieben hält. Wer Recht hat, wird die Zeit zeigen. Trotz dieser Unsicherheit sehe ich eine Chance meinen Einkaufskurs zu senken. Ist ein Kauf gerechtfertigt? Weiterlesen