wertorientiertes Investieren

7 Vor- und Nachteile von Value Investing

Einfach, aber nicht leicht

  1. Value Investing ist einfach zu verstehen. Der Grundsatz des Value Investing ist weniger zu bezahlen, als man bekommt. Wenn man diesen Grundsatz nicht nur auf den Buchwert bezieht, gilt dies übrigens für jede Art der Investition. Zumindest kenne ich niemanden, der sagt, ich investieren in XY, da XY mehr kostet, als es wert ist. Schlichtes Value Investing nach dem obigen Prinzip kann auch einfach als Investieren bezeichnet werden. Nach diesem Verständnis gibt es keinen Widerspruch zwischen Growth Investing und Value Investing. Der Value Investing Chronicle hat dies einmal sehr schön dargelegt. Wenn man einen Gegensatz zum Value Investing sucht, ist es eher das technische Investieren oder Spekulieren, bei dem man den Wert eines Objektes nicht kennt, sondern rein nach Regeln und Verläufen des Wertpapierkurses sein Geld versucht anzulegen.
  2. Value Investing ist nicht leicht, hat aber einen hohen Lerneffekt. Leider ist Value Investing zwar einfach zu verstehen, aber nicht leicht umzusetzen. Um den Wert eines Objektes besser zu verstehen, muss man viel Wissen, Erfahrung und ausreichend Zeit mitbringen. Die meisten Anleger scheitern, weil sie nicht ausreichend Wissen und Erfahrung besitzen und nicht die Geduld mitbringen, die ein guter Investor braucht, um zu lernen.

Immer gegen den Strom schwimmen

  1. Professionelle Investoren haben beim Value Investing keinen oder nur einen marginalen Vorteil gegenüber privaten Investoren. Value Investing ist langfristig ausgerichtet. Die Finanzbranche wir jedoch jährlich, quartalsweise, monatlich, täglich gemessen. Wer als Fondsmanager über einen relativ kurzen Zeitraum nicht performt, verliert Anlegergelder und Ultimo Ratio seinen Job. D.h. professionelle Investoren können nur in seltenen Fällen eine Schwächephase aussitzen und sind viel stärker Situationsgetrieben.
  2. Value Investoren müssen sich oft gegen die Meinung der Mehrheit der Investoren stellen. Um in ein unterbewertetes Unternehmen zu investieren, muss die Mehrheit der Investoren anderer Meinung sein als man selbst. Dies macht Value Investing emotional aufreibender und schwieriger, als zum Beispiel Momentum- Investing.

Aufwand, Missverständnisse und Voreingenommenheit

  1. Value Investing ist mit relativ großem Aufwand verbunden. Zwar sind die direkten Kosten, aufgrund von relativ wenigen Transaktionen und keinen laufenden Gebühren relativ günstig. Im Vergleich zu passiven ETF-Portfolien, beschäftigt man sich aber viele Stunden mit einzelnen Unternehmen, um deren Geschäftsmodell und ihren Wert besser zu verstehen. Man braucht viel Zeit, um die Geschäftsberichte zu lesen, das Unternehmen zu analysieren und sein Portfolio aufzubauen. Insbesondere Privatanleger mit einem Vollzeitjob haben hier einen Nachteil gegenüber professionellen Investoren.
  2. Value Investing wird oft falsch verstanden. Insbesondere, wenn man das erste Mal mit Value Investing in Kontakt kommt, wird es oft als Investieren nach dem Buchwert beschrieben. Dies liegt zum einen an Grahams Beschreibung von Net-Net-Aktien. Aktien, die zu weniger als ihr Umlaufvermögen gehandelt werden. Dies passiert regelmäßig an der Börse. Im Gegensatz zu Grahams Zeiten ist bei den meisten Net-Net Unternehmen heute aber der Wurm drin. Zum anderen wird in der weitverbreiteten Finanzmarkttheorie «Three-Factor-Modell» von Fama und French einer der Faktoren «high (Buch-Marktwert-Verhältnis) minus low» oft als Growth minus Value Faktor bezeichnet, so dass ein niedriger Buchwert mit einem Value Investment gleichgesetzt wird. Dies ist falsch. Philp Fischer, Charlie Munger und Warren Buffett haben das Value Investing weiterentwickelt, wobei die Frage bleibt, ob Value Investing nicht einfach nur Investieren ist.
  3. Value Investing verleitet zu Voreingenommenheit und Fehlverhalten. Value Investoren, bzw. aktive Investoren, sehen sich als besser an als der Durchschnitt. Das kann aber für die Mehrheit der aktiven Investoren nicht sein. Aus diesem Grund müssen sich viele aktive Investoren selbst belügen. Ansonsten wäre die logische Schlussfolgerung und damit das richtige Verhalten in passive ETFs zu investieren.
Suizid des Westens

Gedanken zum Monatsende April 2018: Suizid des Westens

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Weltpolitik und ein Baby in England haben im April 2018 für Schlagzeilen gesorgt. Von wirtschaftlicher Seite war der Nachrichtenfluss eher unspektakulär, obwohl die Berichtssaison gestartet ist. Neben der Veröffentlichung meines Buches und der kompletten Neugestaltung meiner Seite, welche mich im April am meisten beschäftigt haben, macht mir eine Tendenz in der Welt Sorgen. Diese Tendenz wird ganz gut im neuen Titel des Autoren Jonah Goldberg wiedergeben: „Suicide of the West: How the Rebirth of Tribalism, Populism, Nationalism, and Identity Politics is Destroying American Democracy”.

Ich habe das Buch nicht gelesen, aber mir einige Interviews mit dem Autor angesehen. Er gibt mit seinen Aussagen über die völkische Gruppenbildung, Populismus, Nationalismus und die identitäre Bewegung meine Sorgen wieder. Übertragen auf die Wirtschaft heißen diese Begriffe Protektionismus, Zölle und Einfuhrbeschränkung. Das Säbelrasseln von Trump gegenüber China, der EU und anderen Handelspartnern ist eine Ausprägung davon.

Errungenschaften der letzten 300 Jahre

Das Gegenstück zu der obengenannten negativen Entwicklung bilden globaler Kapitalismus, Bürgerrechte, Demonstrationsrechte, Pressefreiheit, Reisefreiheit und dass das Individuum souverän gegenüber dem Staat ist. Dies sind Errungenschaften der letzten 300 Jahre (in Deutschland der letzten 70 Jahre), die wir nicht leichtfertig aufs Spiel setzen sollten. Dass die Regierung für uns arbeitet und wir nicht für die Regierung, ist ein wichtiger Teil davon. Zurzeit scheinen wir diese Errungenschaften zu verlieren, weil wir die linken als auch besonders die rechten Extreme stärker werden lassen. Allen moderaten und liberaldenken Menschen muss dies große Sorge bereiten.

In unserer Natur liegt die Angst vor Fremden

Ein wichtiger Punkt von Jonah Goldberg ist, dass wir uns in unserer Natur in den letzten 10 000 Jahren nicht verändert haben. Was sich geändert hat, sind unsere Werte, unsere kulturellen Normen und unsere Institutionen. Angefangen vor ein paar tausend Jahren durch Religion, die fremden Menschen Würde und Respekt zugesprochen hat. Unser natürlicher programmierter Zustand ist laut Goldberg jedoch: Habe Angst vor Fremden! Fremde sind gleichzusetzen mit Feinden.

Die Lösung sind Diskussionen, Argumenten, Fakten

Die Idee der Aufklärung ist es, andere Leute überzeugen zu können. Trumps „Fake News“ Kampagne ist das Gegenteil davon. Wenn er mit Argumenten, die nicht in sein Weltbild passen, konfrontiert wird, verleugnet er sie. Er nennt sie dann gefälschte Tatsachen.

Sich immer wieder zu hinterfragen, sein eigenes Weltbild in Frage zu stellen, ist anstrengend. Insbesondere als Investor sollte man diese Fähigkeit aber mit sich bringen und auch trainieren. Beim Investieren geht es auch darum, sein eigenes Bild eines Investments immer wieder zu hinterfragen. Es herauszufordern und, wenn besseren Daten, Fakten und Argumenten vorliegen, zu verändern.

Hier ein sehr inspirierendes Interview geführt von Trevor Noah mit Jonah Goldberg:

Grundlagen des Value Investing

Ich verrate allen meine Anlagegeheimnisse…

Es mag überraschen, dass einer der am häufigsten gelesenen Artikel dieses Blogs im April 2012 entstanden ist: Erklärung des „Easy Buffett“ mit Unternehmensanalyse: Coca Cola Company. Es ist eine detaillierte Beschreibung meines damaligen Bewertungsmodells. Fast genau 5 Jahre später wird der Artikel immer noch gelesen. Man kann also sagen, dass es da draußen Leute gibt, die sich für Coca-Cola oder Unternehmensbewertung interessieren. Da ich beim Begriff Coca-Cola irgendwo im Google-Page-Ranking 1000+ laufe, sind es wohl die Unternehmensanalyse, über die die Leser etwas wissen wollen. Weiterlesen

Was Investoren aus dem Facebook-Skandal lernen können

Gedanken zum Monatsende März 2018: Was Investoren aus dem Facebook-Skandal lernen können

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Facebook ist zur Gefahr für die Demokratie geworden. Das soziale Netzwerk bezeichnete sich selbst lange als Plattform ohne Verantwortung. Es herrscht Angst vor Regulierung und eine Einschränkung des Geschäftsmodells. Facebook ist aufgrund der aktuellen Situation ein schwieriger Investment-Case. Trotzdem können Investoren durch den Skandal ein paar allgemeine Probleme besser verstehen: Die Problematik von Filterblasen, Fake News und Informationsbetrug.

Wir lassen uns gerne unsere Meinung bestätigen

Investoren bewegen sich oft in einem eher homogenen Umfeld und suchen sich Informationen, die sie in ihrer Auffassung bestätigen. Value Investoren unterhalten sich am liebsten mit Value Investoren. Dividenden Investoren unterhalten sich am liebsten mit Dividenden Investoren. Options- und Day-Trader am liebsten mit Options- und Day-Tradern. Der Mensch ist so gestrickt, dass er sich seine eigene Filterblase schafft. In unserer Filterblase fühlen wir uns wohl. Wir lassen uns gerne in unserer Meinung bestätigen. Facebook hat dies erkannt und sein Geschäftsmodel darauf aufgebaut.

Der Algorithmus bei Facebook, basierend auf dem was man in der Vergangenheit gelesen, kommentiert und gelikt hat, präsentiert einem immer ähnliche Inhalte. So beginnen sich Echokammern und Filterblasen aufzutürmen: eine Welt ohne Widersprüche entsteht, in der die eigene Meinung wieder und wieder bestätigt wird. Eine gefährliche Dynamik, vor der auch Investoren nicht geschützt sind. Sie müssen aktiv nach Widersprüche in ihrem Investment-Case suchen. Jeder gute Investor muss sich ständig fragen, was bräuchte es, damit die Investition den Bach runtergeht? Ein eher unschöner Gedanke, den viele Investoren bewusst oder unbewusst aus dem Weg gehen.

Fake News oder welche Interessen hat der Urheber einer Information?

Ähnlich verhält es sich mit Fake News und Informationsbetrug, der auf Facebook anscheinend weit verbreitet ist. Man muss als Investor seine Informationsquelle immer hinterfragen und prüfen. Welches Interesse hat der Urheber daran, die Information zu verteilen? Viele vermeintlich seriöse Quellen sind es nicht. Dazu zähle ich sowohl manch etablierte Medien als auch Blogs. Schwierig wird es, wenn der Urheber selbst investiert ist, in irgendeiner Form für den Artikel vergütet wurde oder einem etwas verkaufen möchte. Es ist bei einigen Verfassern von Investment-Newslettern leider gängig, ihre Mailinglisten aufzuteilen und den unterschiedlichen Gruppen unterschiedliche Voraussagen zu schicken, sodass sie mit dem Teil, der gut gelaufen ist, anschließend Geld machen können.

Ich lese gerade Guy Spiers sehr erhellendes Buch «Die Lehr- und Wanderjahre eines Value-Investors: Mein ganz persönlicher Weg zu Reichtum und Weisheit» [Wenn ihr hier drauf klickt und das Buch kauft, erhalte ich eine kleine Provision 🙂 ], der so weit geht, dass eine seiner acht Investmentgrundregeln lautet: «Wenn Ihnen jemand etwas verkaufen will, kaufen Sie es nicht».

Informiert euch in alle Richtungen

Der Facebook Skandal um Cambridge Analytica hat einem die Tatsache von Filterblasen, Fake-News und Informationsbetrug deutlich vor Augen geführt. Und wem die Problematik vorher noch nicht bewusst war, der sollte sie spätestens in den letzten Wochen verstanden haben.

Bei Informationen auf Facebook werden die eigenen politischen, gesellschaftlichen und sozialen Meinungen nicht mehr hinterfragt, wenn man immer nur Echos dieser zu sehen bekommt. Beim Investieren können einem durch eine Filterblase Risiken und Probleme entgehen, die einem vor schlechten Investitionen geschützt hätten.

Aus diesem Grund plädiere ich an alle Leser. Informiert euch breit.

Dies gilt sowohl auf der Facebook-Ebene: Lest ab und zu die taz, den Spiegel, die Süddeutsche, die Welt, die FAZ und die Bild-Zeitung. Von links nach rechts oder von rechts nach links – nur bleibt eurer Meinungswelt nicht treu, sondern hinterfragt sie täglich. Beim Investieren gilt dasselbe. Hinterfragt eueren Investment-Case, euren Investmentstil und wenn ihr langfristige Buy-And-Hold Investoren seid, wie ich, guckt euch auch einmal das Daytrading an und fragt euch, wie man damit Geld verdienen kann und welchen Nutzen es hat.

WIE MAN EINEN GUTEN PARTNER FINDET

Wie man einen guten Partner findet

Ich musste mich in den letzten Monaten mehrfach mit der Frage auseinandersetzen, welche Eigenschaften mir in einer Partnerschaft wichtig sind und welche nicht. Dazu vorweg: ich bin glücklich verheiratet. Aber meine beruflichen Beziehungen haben sich stark verändert und ich musste mehrere alte und neue geschäftliche Beziehungen hinterfragen.

In meinem Veränderungsprozess bin ich auf folgende Charaktereigenschaften gestoßen, dir mir in jeder Beziehung wichtig sind: Aufrichtigkeit und Großzügigkeit. Sie sind für mich fundamentale Voraussetzungen, um die wichtigste Eigenschaft in einer Beziehung aufzubauen: Vertrauen.

Warren Buffett: The Three Things I Look For in a Person

Ich bin nicht der erste, der dieser Eigenschaft eine hohe Bedeutung zumisst. Warren Buffett sucht grundsätzlich Intelligenz, Energie und Integrität in seinen Geschäftspartnern. Wobei er sagt, wenn man die letzte Eigenschaft nicht hat, muss man sich mit den beiden ersten gar nicht erst rumschlagen. Er sieht die ersten beiden Eigenschaften ohne Integrität sogar als gefährlich an, da sie dem Partner die Fähigkeit geben, zu betrügen.

Integrität einer Person bedeutet eine Übereinstimmung zwischen persönlichem Wertesystem und dem persönlichen Ideal mit dem eigenen Reden und Handeln. Oder anders ausgedrückt, aufrichtig zu sein.

Welche Eigenschaft es zu meiden gilt

Persönliche Eigenschaften sind für Warren Buffett wählbar: Man wählt integer zu sein, wie man auch wählt freundlich oder großzügig zu sein. Menschen entscheiden, ob sie zum Beispiel Anerkennung für Dinge, die sie nicht getan haben, bekommen oder nicht.

Das hat wahrscheinlich jeder von uns schon einmal erlebt. Man hat eine gute Idee oder setzt eine Aufgabe gut um und jemand anderes heimst die Lorbeeren ein bzw. stellt sich in den Mittelpunkt. Diese Person gilt es zu meiden.

Menschen entscheiden, ob sie ständig den Spielstand im Leben zählen oder nicht, ob sie neidisch sind oder nicht. Ich rede von all den Menschen, die einem ständig zeigen, wie toll sie sind und wo sie besser sind. Sie beschließen, unehrlich, geizig, unbarmherzig, egoistisch zu sein. All die Dinge, die Menschen bei anderen Menschen nicht mögen. Es ist immer die eigene Entscheidung. Personen, die sich für diese persönliche Haltung entschieden haben, gilt es zu meiden.

Adam Grand: Are you a giver or a taker?

Das führt mich zu Adam Grand und seiner Aufteilung der Menschen in Geber, Nehmer und Geber/Nehmer. Er erläutert dies sehr schön in seinem TED Talk „Are you a giver or a taker?” und kommt zu dem Ergebnis, dass man Organisationen vor den „Nehmern“ schützen muss. Ihr negativer Einfluss ist deutlich größer als der positive Einfluss von „Gebern“. Ganz nach dem Motto: Ein schlechter Apfel verdirbt den ganzen Korb.

Eine gute Unternehmenskultur versucht eine Geber-Mentalität zu kultivierten. Nehmer denken, dass es einen begrenzten kleinen Topf zu verteilen gibt und alles, was der andere Typ aus dem Topf nimmt, bleibt nicht für ihn übrig. Aber genau das Gegenteil ist der Fall. Ganz profan und eigentlich auch logisch: Es gilt Personen in einer Partnerschaft zu meiden, die in erster Linie versuchen, immer mehr für sich rauszuschlagen.

Welche Eigenschaften sucht ihr in einer Partnerschaft?

Was hat das Gefangendilemma mit Trumps Handelskrieg zu tun?

Was hat das Gefangendilemma mit Trumps Handelskrieg zu tun?

Trump hat ein weiteres Versprechen seines aggressiven Wahlkampfes eingelöst: Den Schutz der amerikanischen Stahlindustrie durch Zölle und den Start eines Handelskriegs, der aus seiner Sicht «gut und leicht» zu gewinnen ist. Die Verbalattacken, insbesondere gegen Europa und Deutschland, irritieren all jene mit einem Verständnis für eine liberal-globale Wirtschaftsordnung. Mir ist in den Debatten der letzten Tage am häufigsten ein altes Modell aus meiner Studentenzeit in den Kopf gekommen: das Gefangenendilemma aus der Spieltheorie.

Unter der Prämisse, dass eine globale Arbeitsteilung den Warenkorb insgesamt vergrößert, da es günstiger ist, Weintrauben und Orangen in südlichen Gefilden anzubauen sowie Lachs in nördlichen Gefilden zu züchten, ist ein Handelskrieg extrem schädlich. Zwar können durch Zölle kurzfristige Vorteile für einzelne Nationen entstehen, langfristig verkleinert sich die Wertschöpfung und der damit zu verteilende Kuchen aber für alle. Der Grund ist einfach und hierzu rate ich allen, die für Zölle und Nationalstaaten sind, insbesondere Trump, das Beispiel des Gefangendilemmas zu studieren:

Gefangendilemma

Beim Gefangenendilemma geht es darum, dass zwei Verbrecher, denen man eine kleine Straftat nachweisen kann, von der Polizei gegeneinander ausgespielt werden. Beide werden in separaten Räumen verhört und ihnen wird gemeinsam ein schweres Verbrechen zugeschrieben, welches aber nicht nachgewiesen werden kann. Beiden Gefangenen wird das selbe Angebot gemacht:

  1. Wenn keiner von ihnen aussagt, bekommen beide eine kleine Haftstrafe.
  2. Wenn nur einer gegen den anderen aussagt, bekommt der erste keine Haftstrafe und der zweite die maximale Strafe.
  3. Wenn beide gegeneinander aussagen, bekommen beide eine hohe Haftstrafe.

Die Problematik hier ist: Die dominante Strategie beider ist, auszusagen und damit den größtmöglichen Schaden in diesem Spiel anzurichten. Das ist Trump’s Welt. Der größtmögliche Nutzen würde entstehen, wenn sie sich absprechen könnten und darauf einigten, nicht auszusagen. Dies setzt aber Vertrauen, Kooperation und mögliche Konsequenzen für Fehlverhalten voraus. Das ist nicht Trump’s Welt.

Handelskriegsdilemma

Übertragen auf die Weltwirtschaft stellt das Freihandels- oder Handelskriegsdilemma ein ähnliches Spiel dar. Würde man nur eine Runde spielen, gäbe es keine Möglichkeiten sich abzusprechen und gäbe es keine Konsequenzen für sein Handeln, müsste jede Nation die höchstmöglichen Zölle für Importe festlegen und die Weltwirtschaft hätte den schlechtmöglichsten Zustand. Bisher haben die meisten Ökonomen und zum Glück auch die Regierungschefs dies verstanden. Trump bildet da eine Ausnahme. Auf seine Handelsbarrieren muss Europa mit Gegenmaßnahmen reagieren, um ihm die Konsequenzen für sein Handeln aufzuzeigen.

Gleichzeitig hoffe ich, dass Europa die Fahne des Freihandels weiter hochhält. Europa ist zwar mitnichten ein Musterknabe des Freihandels mit anderen Regionen. Trotzdem ist die Denkrichtung auf dem alten Kontinent eine andere und den Weg, den Trump und Amerika momentan einschlägt, schädlich für die Weltwirtschaft. Europa sollte mit Asien, insbesondere China, wenn auch nicht ein Ort für Liberalität, für jede Barriere die Trump aufbaut symbolisch eine Barriere abbauen!

Über Kommentare von euch zu dem Thema würde ich mich sehr freuen.

Gedanken zum Monatsende Februar 2018: Der Aktienboom und die Korrektur

Die gegenwärtige Aufwärtsphase in der Wirtschaft und damit auch an den Aktienmärkten gehört inzwischen zu der drittlängsten der Geschichte. Gestützt wird die Entwicklung in erster Linie durch die nicht vorhandenen Zinsen, obwohl in den USA inzwischen die Zinswende eingeleitet wurde, nachdem die FED 2016 das erste Mal und im letzten Jahr weitere dreimal den Zins angehoben hat. Für dieses Jahr werden weitere drei Zinsanhebungen erwartet; von der wir die ersten schon gesehen haben. Der 10-jährige US-Staatsanleihen-Zins stieg auf 2,8% und ist damit ein gutes Stück von seinem Tief bei 1,4% 2016 entfernt. Historisch betrachtet sind die Zinsen aber immer noch niedrig und für wenig Investoren eine Alternative zur Aktie.

Hintergrund der steigenden Zinsen ist eine steigenden Inflationsrate und sinkende Arbeitslosigkeit aufgrund der guten Konjunktur und damit eher Rückenwind für die Börse. Sowohl aus Asien, Europa, als auch Amerika waren in letzter Zeit viele positive Töne zu hören. In den USA spricht man aufgrund der Steuererleichterung und dem angekündigten Infrastrukturprogramm sogar schon von ersten Zeichen der Überhitzung. Daneben tritt die Beobachtung ein, dass unter den meisten Anlegern, zumindest in Deutschland, die Aktienanlage noch nicht weit verbreitet ist. Wichtige Investorengruppen sind immer noch in Aktien unterinvestiert.

Aus diesem Grund macht mir der kleine Börsenschluckauf derzeit keine Sorgen. Im Gegenteil, der kleine Rücksetzer deutet darauf hin, dass die Aktienmärkte funktionieren. Steigende Zinsen spielen in dreifacher Hinsicht eine wichtige Rolle für die Attraktivität von Aktien:

  1. Langfristige solide Anleihen stellen die wichtigste Anlagealternative zum Aktieninvestment dar.
  2. Zukünftige Gewinne werden im Rahmen der Aktienanalyse der meisten Banken auf den heutigen Barwert abgezinst. Umso höher der Zins, umso weniger sind zukünftige Rückflüsse wert.
  3. Die meisten Unternehmen haben zinstragendes Fremdkapital aufgenommen, sodass bei einer Refinanzierung mit höheren Zinsen ein schlechteres Finanzergebnis zu erwarten ist.

So gesehen ist der jetzige Börsenrückgang ein Zeichen von Normalität und nicht von Sorge. Wichtig für die Kursentwicklung der nächsten Wochen wird neben der Zinsentwicklung der Konjunkturausblick sein.

10 Jahres-Anleiherendite Europa und USA

Leitzinsentwicklung Europa und USA

Nach der Bitcoin-Blase

In Anlehnung an einen New York Times Artikel von vorletzter Woche, möchte ich meine Gedanken zu Bitcoin & Co fortführen. Abgeschlossen hatte ich den Artikel mit dem Gedanken, dass sich die Technik hinter Kryptowährungen wahrscheinlich durchsetzen wird. Ich mir aber nicht sicher bin, ob diese in eine der heute bereits existenten Kryptowährung schon eingesetzt wird oder erst noch entwickelt werden muss. Dazu muss man vielleicht sagen, dass es bereits jetzt mehrere Generationen Kryptowährungen gibt: Bitcoin 1. Generation, Ethereum 2. Generation, IOTA 3. Generation und die 4. Generation wahrscheinlich auch schon existiert.

Sind Kryptowährungen nur ein kurzfristiger Trend?

Als Investor ohne Kryptowährungen wäre es verlockend, Kryptowährungen als Tulpenmanie abzutun. Macht man dies, wären alle Kryptowährungen nach einem Platzen der Blase nichts mehr wert und eine langfristige Beteiligung unlogisch. Allerdings neige ich eher zu dem Vergleich der Dot-Com-Blase in den 90er Jahre. Hier gab es auch lächerlich hohe Bewertungen von Unternehmen ohne funktionierendes Geschäftsmodell. Die Leute kauften jedes Technologie-IPO, weil die Kurse stiegen. Eine sich selbsterfüllende Prophezeiung, bis sie es nicht mehr taten. Das Umfeld zog auch Betrüger an. Trotzdem waren nicht alle Unternehmen wertlos. Amazon ist zum Beispiel in dieser Zeit entstanden – heute eines der wertvollsten Unternehmen der Welt.

Der Einfluss des Geldes

Der Einfluss des vielen Gelds hat die Entwicklung des Internets vorangetrieben, wie es sich wahrscheinlich auch die größten Internetjünger der 90er Jahre nicht vorstellen konnten. Die damals entwickelten Technologien haben heute fast jeden Bereich unseres Zusammenlebens, unserer Informationsaufnahme und unserer Wirtschaft verändert. Nimmt man diese Zeit als Grundlage für Kryptowährungen, kann man die Veränderungen heute nur schwer abschätzen. Bitcoin & Co sind die Demonstration von funktionierenden dezentralen Vertrauensnetzwerken, welche Inhalte einer Datenbank fälschungssicher speichern und verwalten, ohne dass jemand dafür allein verantwortlich wäre. Das System funktioniert, weil es einen monetären Anreiz für die Pflege der Datenbank in Form von neuen Bitcoins oder Tokens gibt (Tokenisation).

Eine Gefahr für viele etablierte Unternehmen

Eine Gefahr stellen diese Systeme für alle Geschäftsmodelle und Institute da, die Daten verwalten und als zentrale Kontrollinstanz gelten. Mit der Technologie von Kryptowährungen sind Transaktionen und Veränderungen einer Datenbank ohne die traditionellen Institutionen, auf die wir vertrauen, um Vertrauen aufzubauen, möglich. Offensichtlich ist die Anwendung bei Bezahlsystemen, insbesondere dort wo wenig Vertrauen herrscht (illegale Geschäfte und Entwicklungsländer) und Überweisungen verhältnismäßig teuer sind (große internationale Überweisungen und Microbezahlungen, z. B. 10 Cent um einen Blogartikel zu lesen), und als digitales Gold. So werden Kryptowährung heute auch schon von den meisten Leuten gesehen. Meistens entweder sehr kritisch oder sehr positiv. Neben Banken, Versicherungen, Kreditkartenanbietern sind durch die Tokenisation aber auch Behörden, Notare oder Soziale Medien gefährdet. Dies ist den meisten nicht bewusst.

Eine mögliche Utopie

Erst einmal vorweg: Ich weiß nicht, wie wahrscheinlich dieses Szenario ist. Das Wort „Utopie“ in der Überschrift soll ausdrücken, dass ich es für positiv, aber eher unwahrscheinlich halte.

Kryptoverzeichnisse könnten die Antwort auf ein Internet mit Datenmonopolen, wie Google, Amazon, Facebook und Tencent, sein. Die Idee sind offene, dezentrale und sichere Datenbanken, die eine Alternative zu dem winner-takes-it-all Modell der jetzigen Internetgiganten sind. Mithilfe von Kryptoverzeichnissen könnten Identität in einem freizugänglichen Netzwerk geschaffen werden auf die jede Art von Informationen sicher gespeichert werden könnte. Informationen wie: Namen, Aufenthaltsort, Interessen, Einkaufs- sowie Suchverhalten, Kontakte und alle anderen personenbezogenen Daten. Diese Daten wären nicht unter der Kontrolle von Konzernen wie Google, Amazon, Facebook und Tencent. Auf Basis dieser Identität könnte man andere Suchanbieter, Marktplätzen und Sozialen Plattformen nutzen ohne die Vorteile des Netzwerkeffektes zu verlieren. Gleichzeitig sind diese Daten verschlüsselt für alle sichtbar, nach heutigem Stand nicht zu hacken und nicht zu manipulieren, solange man weniger als 50% des Netzwerkes kontrolliert.

Um es einfach zu halten, nehmen wir das Senden von Kurznachrichten. Ich nutze WhatApp, meine Frau Threema, mein Bruder Telegram. Wenn alle drei Anbieter an das gleiche Kryptoverzeichnis/-protokoll angeschlossen wären, könnten wir uns gegenseitig Nachrichten schicken ohne 3 Programme installieren zu müssen. Der App-Anbieter stellt nur die Oberfläche zur Verfügung, die Nachrichten (personenbezogene Daten) werden im Kryptoverzeichnis gespeichert. Ähnlich des Senden von E-Mails, nur dass die Daten in einer dezentralen Datenbank gespeichert werden. Wechsel ich den Anbieter der Oberfläche, ziehen meine persönlichen Daten mit mir um.

Wieso könnte das funktionieren?

Die moderne Internetarchitektur beruht auf riesigen zentralverwalteten Datenbanken. Daten in Datenbanken müssen richtig verteilt werden und kosten Geld. Bisher vertrauen wir auf Facebook & Co diese Daten zu verwalten, vor Angriffen zu schützen und bezahlen den Service über Werbung mit Informationen über uns.

Kryptowährungen lösen diese Probleme auf andere Weise. Auf der einen Seite durch Verschlüsselung und auf der anderen Seite dadurch, dass das Bereitstellen der Daten durch Token belohnt wird. Es gibt einen Anreiz durch Kryptowährungen die Leistung der Datenbank bereitzustellen und zu nutzen. Das ist die eigentlich bahnbrechende Idee von Kryptowährungen. Meistens wird hier der Vergleich von Peer-to-Peer (P2P) Netzwerken, wie BitTorrent gezogen, die nach einem ähnlichen Prinzip, wie das Bereitstellen der Daten innerhalb einer Kryptowährung funktionieren. Bei P2P funktioniert der Austausch aber auf freiwilliger Basis. Die Nutzer des P2P-Netzwerkes stellen die Datei während sie sie herunterladen gleichzeitig zur Verfügung. Für ein gut funktionierendes P2P-Netzwerk müssen sie die Daten auch nach dem Download freiwillig zum Upload anbieten. Bei Kryptowährungen wird der Anbieter der Daten mit Tokens bezahlt.

Um bei meinem Beispiel von vorhin zu bleiben: Im Moment haben alle drei Nachrichten-Apps für ihre Nutzer eine kritische Masse. Keiner ist bereit auf ein freies Protokoll eines Kryptoverzeichnis zu wechseln. Nehmen wir aber an, die Nutzer eines neuen Kurznachrichtenprotokolls auf Basis einer Kryptowährung würden mit Token bezahlt, die an Börsen in traditionelle Währungen getauscht werden oder direkt zum Einkaufen genutzt werden können, dann wäre ein Anreiz zum Wechseln gegeben. Wie bei Bitcoin würden die Token immer weniger großzügig verteilt werden, umso populärer das Kurznachrichtenprotokoll wird. Am Anfang würde ein Entwickler einer neuen Kurznachrichten-App auf Basis dieses Protokolls und seinen experimentierfreudigen Nutzern möglicherweise mit vielen Token belohnt. Umso mehr Nutzer das Protokoll nutzen, umso reicher werden die ersten Nutzer und Entwickler.

Wird das Kurznachrichtenprotokoll beliebter, würde es Spekulanten anziehen, die mit Geld den Wert der Token nach oben treiben würde, dieses würde wiederum mehr Nutzer dazu animieren das Protokoll zu nutzen, was mehr Entwickler anziehen würde und wieder mehr Kunden. Bis zu einer Masse, die es auch für WhatsApp, Threema und Telegram interessant macht auf das Protokoll zu wechseln.

Die neue ökonomische Ordnung

Wenn das System auf einem Kryptowährung-basierenden Kurznachrichtenprotokoll funktioniert, wäre das Ergebnis ein wettbewerbsfähiger, aber gleichzeitig gerechtere Kurznachrichtenmarkt. Anstatt ein Großteil der Wertschöpfung bei einigen großen Unternehmen zu sehen, wäre er verteilt zwischen den Entwicklern, Nutzern oder Spekulanten. Der Profit in der Ökonomie von Kryptowährungen liegt nicht im Besitz der Datenbank, sondern im Nutzen, Bereitstellen und Verbessern des Protokolls und der Produkte. Die Grenzen zwischen Gründern, Investoren und Kunden sind weit unklarer als in traditionellen Unternehmensmodellen; die Anreize sind explizit darauf ausgerichtet, kein winner-takes-it-all Ergebnis zu haben. Und doch hängt das ganze System von einer anfänglichen spekulativen Phase ab, in dem Außenseiter daraufsetzen, dass der Wert des Tokens steigt.

Bitcoin & Co

Ohne in Bitcoin, Ethereum, Ripple oder eine der vielen Kryptowährungen investiert zu haben, werde ich jetzt auch etwas zu dem Thema schreiben. Hauptsächlich weil es spannend ist, mein Umfeld und mich beschäftigt und ich meine Gedanken zu dem Thema sortieren möchte. Der extreme Kursanstieg im Dezember mit entsprechendem Verfall befeuert die Faszination um alle Kryptowährungen. Anscheinend suchen Anleger im niedrigen Zinsumfeld und einer allgemeinen Skepsis gegenüber dem Finanzsystem nach Alternativen für ihr Geld. Journalisten und Medien springen mit Heißhunger auf den Zug auf. Allerdings sind Kryptowährungen aus meiner Sicht kein Investment sondern Spekulation.

Kryptowährungen sind ein klassisches Spekulationsobjekt

Kryptowährungen können für sich selbstgenommen keinen Ertrag erwirtschaften, sie sind daher als echtes Investment ungeeignet. Um Geld mit ihnen zu verdienen, muss man jemanden finden, der bereit ist, mehr dafür auszugeben als man selbst. Dies gilt übrigens für alle Währungen, Rohstoffe und Gegenstände ohne Ertrag, wie Liebhaberautos, -immobilien, Kunstwerke oder ähnliches.

Kryptowährungen sind als sicheres Geldsystem gestartet worden

Die Idee hinter Kryptowährungen ist die Schaffung eines sicheren, dezentralen Geldsystems, dessen Geldmenge nicht durch staatliche Einrichtungen (wie die Notenbanken) kontrolliert oder vergrößert werden kann. Damit sind Kryptowährungen, wie der Bitcoin, am ehesten vergleichbar mit Gold. Allerdings müssen sich Kryptowährungen erst einmal beweisen, ob sie als sicheres Wertaufbewahrungsmittel taugen. Bisher haben Kryptowährungen noch keine Krise überstanden. Im Gegensatz dazu hat Gold schon mehrere Tausendjahre als Tauschmittel auf dem Buckel und kann zudem praktisch in der Industrie und Schmuckverarbeitung eingesetzt werden.

Staatliche Eingriffe

Weil die Kontrolle und die Zulassung eines neuen Zahlungsmittel, welches in Konkurrenz zum gesetzlichen Zahlungsmittel (in Deutschland der Euro) unmissverständlich beim Staat liegt, halte ich aktuell existierende Kryptowährungen als Idee für universelle Zahlungsmittel und Ersatz der existierenden Zahlungsmittel nicht für tragfähig. Bitcoins oder Kryptowährungen sind laut BaFin Rechnungseinheiten, welche in „multilateralen Verrechnungskreisen“ eingesetzt werden können, und damit als Finanzinstrument im Sinne des § 1 Abs. 11 Nr. 7 KWG gelten könnten. Erlaubnisfrei ist die Schaffung von Kryptowährungen und ihrer Werteinheiten. Die Nutzung, sobald sie in Konkurrenz zum gesetzlichen Zahlungsmittel tritt, steht dagegen unter erlaubnisvorbehalt.
Finanzprodukte sind mit gutem Grund reguliert. Finanzprodukte können nicht nur für das Individuum, sondern auch für die Gesellschaft großen Schaden anrichten, wie die Vergangenheit gezeigt hat. Unser aktuelles System ist sicher nicht perfekt, wie sich auch in der Finanzkrise 2007 gezeigt hat. Trotzdem gibt es für viele Regeln, auch für Währungen, gute Gründe und eine vollständig Abkehr von diesen halte ich für ein sehr gewagtes Experiment.

Sind Kryptowährungen schon Zahlungsmittel?

Wenn wir die größte Kryptowährung Bitcoins nehmen, muss die klare Antwort „Nein“ lauten. Die Akzeptanz von Bitcoins ist verhältnismäßig niedrig, auch wenn die Bitcoin Community etwas anderes suggeriert. Unter den Top 500 E-Commerce Händlern (angeführt von Amazon, Apple und Wal-Mart) in den USA akzeptieren laut Morgan Stanley derzeit nur 3 Bitcoins. Zudem ist die Transaktion in Bitcoins inzwischen sehr teuer, da die Handelsgebühren insbesondere für kleine Transaktionen verhältnismäßig kostspielig sind. Insgesamt ist der tägliche Kaufumsatz selbst in den positivsten Berichten bei ein paar 100 Mio. USD pro Tag. Zum Vergleich: allein VISA wickelt Geschäfte von ca. 17 Mrd. USD pro Tag ab.

Hinzukommt, dass der Stromverbrauch für das Bitcoin-Netzwerk und seine Transaktionen inzwischen lächerlich hoch ist. Eine Transaktion ist zudem noch sehr langsam. Als Zahlungsmittel ist der Bitcoin im derzeitigen Zustand damit ungeeignet.

Bitcoins, Kryptowährungen und ihr Wert

Kryptowährungen sind faszinierend. Die Technik dahinter wird sich wahrscheinlich durchsetzen und Wert schaffen. Das enorme Vermögen, wenn auch im Verhältnis zu anderen Anlageklassen noch klein, wird zu einer schnellen Entwicklung von Kryptoverzeichnissen und ähnlichem führen. Allerdings müssen das nicht die heute existenten Kryptowährungen sein und sicherlich nicht alle Kryptowährung. Auszuwählen, welche Kryptowährung sich durchsetzt, dazu sehe ich mich außerstande. Aus diesem Grund werde ich auch weiterhin von der Seitenlinie fasziniert zuschauen. Weiterlesen über die Anwendungsmöglichkeiten der Technologie hinter Kryptowährung.

Der aktuelle Boom ist der drittlängste der modernen US-Geschichte

Ich bin Anfang der Woche auf einen tollen Tweet zum Thema „Länge des aktuellen Wirtschaftsbooms“ gestoßen. Ich habe mich natürlich auf die Suche nach den Daten gemacht und bin über Wikipedia mit den Daten des National Bureau of Economic Research (NBER) fündig geworden.

Der aktuelle Boom ist der drittlängste der modernen US-Geschichte

Als Länge des wirtschaftlichen Aufschwungs wird dabei die Zeit zwischen zwei Rezessionen in den USA gemessen (nicht die Aktienkursentwicklung). Dabei wird eine Rezession als „a significant decline in economic activity spread across the economy, lasting more than two quarters which is 6 months, normally visible in real gross domestic product (GDP), real income, employment, industrial production, and wholesale-retail sales“ definiert. Eine Rezession ist also ein Rückgang im BIP, des Realeinkommens, der Industrieproduktion, des Handels sowie ein Anstieg der Arbeitslosigkeit über mehr als zwei Quartale.

Welche Rückschlüsse lassen sich daraus ziehen?

  • Nur zwei Phasen des Aufschwungs in der modernen Geschichte der USA waren länger.
  • Bis zur längsten Phase zwischen der Rezession 1990 und dem Platzen der Dotcom-Blase haben wir noch 18 Monate.
  • Keine der vergangenen Phasen war begleitet von so niedrigen Zinsen und Inflation wie heute.
  • Trotz des fortgeschrittenen Zyklus wird die Wirtschaft weiter angekurbelt: kaum Zinserhöhung, massive Steuersenkungen und Erleichterung der Regulierung.
  • Die Prognose der großen Wirtschaftsinstitute für 2018 und 2019 sind positiv.

Eigentlich kann alles so weitergehen…oder?