Ein Kommentar zum letzten Monat

Anmerkung des Autors: Diesen Text habe ich in erster Linie zur Einordnung für mich selbst geschrieben. Ich freue mich über jede Rückmeldung von Ihnen, die mir hilft, die aktuelle Situation besser zu verstehen.

Der Tenor des Sommers zieht sich weiter durch den August: Das Wetter ist heißer und deutlich trockener als in der Vergangenheit und ein Nachrichtensommerloch gibt es nicht.

Grundsätzlich war die Marktentwicklung im August im Rahmen der üblichen Schwankungen, wenn auch wieder mit negativen Vorzeichen. Was außergewöhnlich war, und ich hatte dies schon im vorherigen Newsletter angerissen, ist die Entwicklung der Energiepreise in Europa. Die europäischen Gas- und Strompreise zeigen momentan Kurskapriolen, wie Kryptowährungen – mit dem Unterschied, dass die gesamte Wirtschaft von ihnen abhängig ist.

Im letzten Monat habe ich geschrieben, dass die europäischen Gaspreise ungefähr 7x so hoch sind wie die amerikanischen. Seitdem ist der Preis noch einmal um +50% gestiegen. Das Thema Energiepreise war damit auch das dominierende Thema bei den Hamburger Investoren Tagen, die ich Mitte August besucht habe. Neben den Gesprächen mit diversen Gesellschaften (wie AS Création Tapeten, home24 oder Netfonds) war vor allem der Austausch mit anderen Investierenden interessant.

Kurz zusammengefasst: Panik herrscht bei den Investierenden noch nicht. Und kein Unternehmen hat eine Ahnung, wie der Winter aussehen mag und wieviel man für Energie zahlen muss. Beide Dinge lassen mich zu der Schlussfolgerung kommen, dass wir den Boden wahrscheinlich noch nicht erreicht haben und man das Portfolio so aufstellen sollte, dass man unbeschadet durch eine Energiekrise kommt. Vorsichtig sollte man bei energieintensiven Unternehmen sein und bei Gütern außerhalb des täglichen Bedarfs, z.B. Autohersteller.

Bei meinen Gesprächen hat mich eigentlich am meisten schockiert, dass keiner richtig weiß, wie der Winter aussehen wird. Und ich meine nicht die Investierenden, die in der zweiten Reihe stehen, sondern die Unternehmen, die die Energie primär verbrauchen. Die meisten haben ihre Preise bis Ende des Jahres festgezurrt, aber was danach kommt weiß man nicht und keiner von denen, die ich gefragt habe, traut sich, zu den heute hohen Preisen für das nächste Jahr einzukaufen. Alle konzentrieren sich darauf, wie man den Winter 2022/2023 „überlebt“, die meisten Maßnahmen sind kurzfristig. Implizit scheint jeder zu glauben, dass alle Probleme im Frühjahr 2023 verschwinden werden. Es gibt Gründe, die dafürsprechen, aber es gibt auch Gründe, die dagegensprechen: Dafür spricht z.B., dass man momentan eine hohe Unsicherheit hat, dass man mit dem deutschen Staat einen Akteur hat, dem der Preis egal ist, dass die Wirtschaft auf eine Rezession zusteuert und dass man die Abhängigkeit von Russland in den nächsten Monaten reduzieren kann. Dagegen spricht, dass man auch nächstes Jahr noch von Russland abhängig sein wird, dass man wieder die Speicher für den Winter 23/24 füllen muss und dass man mit der Klimaerwärmung den europäischen Kraftwerkspark nicht so nutzen kann, wie ursprünglich geplant.

Im letzten Punkt liegt ein entscheidendes Problem, welches nicht innerhalb einiger Monate zu lösen ist. Neben den hohen Gaspreisen haben wir in Europa damit noch ein zweites gewaltigeres Problem und das sind die hohen Strompreise. Natürlich gilt auch hier, dass diese enorm hohen Börsenpreise nicht vollständig durchschlagen, da die Mehrheit der Energie in langfristigen Verträgen bereits verkauft wurde. Aber wer heute absichern möchte oder dessen Vertrag ausläuft, muss sich am sogenannten Spot-Markt zu den Preisen eindecken. Neben dem Russland-Ukraine-Krieg, der die sogenannte Brückentechnologie „Gas“ sehr teuer gemacht hat, liegt das Problem in der extremen Trockenheit. Die Wasserkraftwerke in Europa und die französischen Atommeiler produzieren viel weniger als geplant. Letztere wohl auch weil sie während der Covid-Pandemie nicht so gewartet wurden, wie sie hätten sollen.

Eine weitere Beobachtung, die ich gemacht habe, ist, dass viele Unternehmen, aber auch Privatpersonen, noch gar nicht oder nur teilweise von den Preiserhöhungen bei Strom und Gas getroffen wurden. So haben mir mehrere Unternehmensvertreter gesagt, dass die Preise mit einer Verzögerung von 2-3 Monaten weitergegeben werden. D.h. wenn wir eine 2-3-stufige Lieferkette haben, werden sich die Preiskapriolen, die wir heute an den Engeriemärkten sehen, anders als bei Lebensmitteln und Benzin, erst in 4-9 Monaten in der Inflation widerspiegeln. Man kann also davon ausgehen, dass auch 2023 realwirtschaftlich noch ein Krisenjahr sein wird.

20 Minuten Unternehmensbewertung

Cash is trash

Wir befinden uns in einer sehr interessanten Marktphase. Von der Entwicklung her ähnlich wie 2000 mit etwas Inflation aus den 70er Jahren. Aber ich bin optimistisch was die Zukunft angeht.

In meinem aktuellen „Value Investing Brief“ gehe ich detailliert auf die aktuellen Entwicklungen und Krisen ein. Die Berichtssaison zu Q1 ist abgeschlossen und es gibt zahlreiche Unternehmensupdates. Des Weiteren gibt es ein Blue Chip als Investmentidee des Monats sowie die aktuelle Markteinschätzung von mir.

Hier ist der Einleitungstext aus dem aktuellen Brief:

Cash is trash.

Die aktuelle Situation bleibt sehr schwierig. Trotzdem bin ich optimistisch, was die Zukunft betrifft. Wir befinden uns in einer sehr interessanten Marktphase. Von der Entwicklung her ähnlich wie 2000. Die Hyperwachstums- und Meme-Aktien gemessen am ARK Invest ETF liegen bei -70% von ihren Höchstkursen. Der NASDAQ ist -25%, S&P 500 dagegen nur -13% und der DAX sogar nur -8% (alles gemessen in EUR zum 30.05.2022). Wir befinden uns mit unserem Portfolio mit -15% irgendwo dazwischen.

Der Hintergrund dieser Divergenz zwischen Wachstums- und Value-Aktien könnte sein, dass wir uns im letzten Tanz eines Bullenmarktes befinden. In der Breite haben die Investierenden ihre riskanteren Anlagen abgestoßen und sind in weniger riskante Anlagen gewechselt. Man hat sozusagen seine Shopify Aktien gegen Coca Cola Aktien getauscht. Auch bei uns fällt diese Entwicklung im Portfolio auf.

In was für einer Krise befinden wir uns?

Wir befinden uns aber noch nicht in einem Bärenmarkt. Die Musik spielt noch. Das heißt fallende Kurse über alle Anlageklassen, Regionen und Segmente gibt es noch nicht. Wachstums-/Technologieaktien haben weitaus mehr verloren als klassische Value-Aktien und einige Sektoren wie S&P Oil & Gas (immerhin 10% des S&P 500) sind in diesem Jahr um über 40% gestiegen, dies gilt auch für die Rohstoffklassen und Energieaktien.

Man muss sich also die Frage stellen, was passiert, wenn die Musik vollständig stoppt, wie 2002 oder 2009. Rein technisch betrachtet sind wir noch etwa 12-18 Monate und -40% von den Tiefstwerten damals im Aktienmarkt entfernt. Allerdings, anders als 2007-2009, sehe ich momentan keine Finanz- und Bankenkrise und damit eine Systemkrise. Gleichzeitig, ähnlich wie in dem Corona-Crash, ist der aktuelle Absturz sehr schnell. Die All-Zeit-Hochs der Indizes waren zwischen Ende November und Anfang Januar. Das heißt, auch wenn sich die Geschichte reimt, wiederholt sie sich nicht.

Offensichtlich gibt es eine politische Krise mit einem großen Krieg in Europa, aber auch eine realwirtschaftliche Krise ausgelöst durch Corona mit den Lieferkettenengpässen und der zeitweisen Beendigung einer globalen Arbeitsteilung. Zudem spielt im Hintergrund die Inflation eine gewaltige Rolle für den Kapitalmarkt. Diese betrifft nicht in erster Linie Besitzende von Eigenkapital, aber Gläubiger und Menschen mit viel Cash. All jene, die rein finanzielle Anlagen besitzen, gehören zu den Verlierern, auch wenn es vielleicht bald wieder Zinsen auf dem Tagesgeldkonto gibt. In einem inflationären Umfeld ist Cash = Trash. Aktien gehören nicht zu den rein finanziellen Anlagen. Es sind reale Unternehmen, die wir besitzen. Aus diesem Grund und aufgrund der Zusammensetzung unseres Portfolios bin ich entspannt.

In was investieren wir?

Wir haben den Mai weiter dazu genutzt, uns taktisch besser für eine hohe Inflation aufzustellen. Kurzfristig wären Rohstoffe die beste Anlageklasse, um von hoher Inflation zu profitieren. Allerdings verzichtet man mit Rohstoffen auf reales Wachstum. Es ist eine reine Absicherung gegen Inflation. Die mittelfristige Renditeerwartung, wenn die erwartete Inflation eintritt, ist null. Aus diesem Grund kaufe ich vermehrt Unternehmen mit realen Wachstumsraten über der Inflationsrate, die nach Möglichkeit keine großen Investments brauchen.

Unternehmen mit teuren Anlagen profitieren zwar kurzfristig auch enorm von der Inflation, da sie Preisanhebungen durchführen können ohne dass die Abschreibungen steigen, sodass der Gewinn deutlich höher ausfällt als ursprünglich erwartet. Mittelfristig müssen sie diesen höheren Gewinn aber vollständig in den Erhalt und den Ersatz der teuren Anlagen stecken, sodass es viel schwieriger einzuschätzen ist, ob die Aktionäre zu den Gewinnern oder Verlieren hoher Inflation gehören – Preisstabilität ist für alle langfristigen Investitionen das beste Umfeld.

Land und Immobilien sind natürlich auf den ersten Blick auch ein guter Schutz gegen Inflation, aber insbesondere bei letzterem spielt das Zinsumfeld eine ebenso große Rolle, sodass auch bei Immobilien nicht klar ist, ob sie zu den Gewinnern oder Verlieren gehören. Das reale Wachstum von Land und Immobilien liegt in Verpachtung und Vermietung, welche relativ streng geregelt ist und Preisanhebungen deutlich über der Inflationsrate eigentlich nicht zulässt. Gleichzeitig ist die Bewertung eine Funktion aus den Zinsen, die man für die Darlehen bezahlt. Immobilien werden fast immer mit hoher Verschuldung gehalten, sodass steigenden Zinsen zu fallenden Preisen führen können.

Worauf achte ich außerdem?

Zinsen spielen eine große Rolle. Nicht nur beim Kauf und Verkauf von Immobilien. Mit steigenden Zinsen gibt es für Anleger und Anlegerinnen wieder Alternativen zu Aktien: Anleihen. Man muss sich anschauen, wie die Entwicklung hier weitergeht. Erst einmal scheint der längste Bullenmarkt aller Zeiten zu enden. Zinsen sind 40 Jahre lang gefallen und damit die Preise für Anleihen gestiegen. Die allgemeine Verschuldung (Staat, Private & Unternehmen) in den USA ist vom historisch langfristigen 1,1-fachen GDP 1985 auf das 2,5-fach GDP heute angewachsen. Was passiert, wenn die Zinsen weiter steigen? Zinsen und Inflationserwartungen sind eng miteinander verbunden. Trotzdem denke ich, dass ein Großteil der aktuellen Inflation nicht mit höheren Zinssätzen bewältigt werden kann, da es nicht die ausgegebenen Kredite sind bzw. eine dadurch ausgelöste hohe Nachfrage, die diese Inflation getrieben haben. Es ist die Globalisierungs- und Lieferkettenkrise, also ein zu niedriges Angebot. Wird das von den Notenbanken genauso gesehen? Ich weiß es nicht. Es hängt stark davon ab, ob wir in eine Inflationsspirale kommen oder die aktuellen Ereignisse eine Vielzahl von Einmalschocks darstellen.

Hierfür beobachte ich:

  • Tarifabschlüsse: Werden diese über der Inflationsrate abgeschlossen? Wenn ja, erhöhen sich die Kosten für Produkte und damit auch die Preise. Der Effekt ist aus meiner Sicht aber einer der mildesten, auch wenn oft von einer Lohn-Preis-Spirale gesprochen wird.
  • Personalmangel: Wie sieht der Arbeitsmarkt aus? Mittelfristig haben wir in großen Teilen der Welt nicht genug Arbeiter (China & westliche Welt). In Zeitarbeitsfirmen herrscht jetzt schon ein Mangel genügend qualifiziertes Personal zu finden. Die USA haben Vollbeschäftigung. Und in fünf bis sieben Jahren werden die Babyboomer in Rente gehen. Insgesamt eine Gemengelage, die höhere Löhne, weniger Angebot und damit höhere Preise nach sich ziehen wird. Diesen Effekt halte ich für wesentlich stärker als die Tarifabschlüsse, da es auch die Kapazität in der Wirtschaft betrifft.
  • Preissetzung: Was haben die Unternehmen hinsichtlich Preissetzung gelernt? Wird es „normal“ Preise halb-jährlich zu erhöhen oder reicht der Wettbewerb aus, um Preise niedrig zu halten? Hier habe ich wenig Sorge, wenn es genügen Angebot gibt.
  • Wettbewerb: Gibt es noch genug Wettbewerb? Durch Corona wurden Onlinehändler (Amazon) und Supermarktketten, die zuvor schon stark waren, noch einmal gestärkt. Gibt es noch genügend Wettbewerb im Einzelhandel oder können einzelne Händler Preise diktieren? Auch hier halte ich den Effekt für überschaubar, auch wenn man vorsichtig sein muss, dass keine Quasi-Monopole entstehen.
  • China: Lockert China seine Corona-Maßnahmen in den nächsten Monaten und ändert die Strategie hinsichtlich Covid? Ansonsten fällt China als zuverlässiger Zulieferer weiter aus und die Lieferketten werden immer wieder unterbrochen, was das Angebot knapphält und Preiserhöhungen vereinfacht.
  • Russland: Kommt genug Gas nach Europa? Ein Abdrehen der Gaslieferungen würde zu höheren Preisen führen. Nicht nur würde Energie generell teurer. Eine weitere Verknappung würde zu Produktionsengpässen führen, das Angebot für viele Produkte weltweit verknappen und damit einen noch größeren Effekt auf die Preise haben als die reinen Kosten für Gas.
  • Ausbau Erneuerbare und Militär: Wie schnell werden die angekündigten Regierungsprogramme umgesetzt? Zusätzliche Ausgaben für Militär und Infrastruktur erhöht die Nachfrage und damit auch die Preise. Hier wäre insbesondere eine an die allgemeine Wirtschaftssituation angepasste Fiskalpolitik zu wünschen. Öffentliche Projekte ausarbeiten, die in kürzerer Zeit aktiviert werden können, wenn sich die Privatwirtschaft abkühlt. Allerdings halte ich das für unwahrscheinlich. Das heißt, die aktuelle Ausgabenpolitik beschleunigt die Inflation.
  • Wirtschaftliche Abkühlung: Gibt es eine wirtschaftliche Abkühlung? Momentan befinden wir uns noch in einem wirtschaftlichen Aufschwung aus dem Coronatief. Das ist in der Hinsicht bemerkenswert, da alle Signale auf Krise stehen. Sollte sich die Wirtschaft abkühlen, würde das die Nachfrage senken und damit auch den Druck auf die Preise.

Was heißt das für unser Portfolio?

Zunächst schaue ich mir einzelne Aktien im Technologiesektor an. Einige Unternehmen sind billiger als 2019, haben ein besseres Geschäft, wachsen und werden wachsen, auch mit Raten deutlich über der Inflation. Seit Anfang des Jahres rotiere ich unser Portfolio von Value-Aktien zu Wachstumswerten zu einem vernünftigen Preis (ich möchte immer voll investiert sein – egal, was der Markt sagt).

Value Investing Brief:

Dieser Text stammt aus meinem monatlichen „Value Investing Brief„.

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GameStop

GameStop – ein Drama in drei Akten?

Dieser Text stammt aus dem Monatskommentar meiner Beteiligungsgesellschaft. Er stellt keine Handlungsempfehlung zum Kauf oder Verkauf dar, bitte beachtet auch den Disclaimer am Ende des Textes.

Was für ein Monat! Große Hedgefonds müssen gestützt werden, Broker lassen einen ausschließlich verkaufen, obsolete Geschäftsmodelle werden zu Milliarden bewertet und ein Trading-Mob zwingt einen zum Nachdenken. Vielen von euch, die sich nicht tagtäglich mit dem Finanzmarkt beschäftigen, wird entgangen sein, dass wir diesen Januar einen der ungewöhnlichsten Monate seit Jahrzehnten hatten. Schon in meinem letzten Schreiben habe ich in einer Fußnote auf das auffällige Verhalten von Nutzern sogenannter Trading-Apps/Neobrokern, wie Robinhood oder in Deutschland Trade Republic, hingewiesen. Was diesen Monat passiert ist, hat mich trotzdem überrascht. Auch wenn der Unterhaltungsfaktor groß ist, sollten wir als Gesamtgesellschaft überlegen, ob wir über diese Entwicklung nicht in einem breiteren Kontext diskutieren müssen. Aber beginnen wir von vorne:

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Oldenburg in Stellenbosch

Südafrika

Ich war mit meiner Familie im Februar in Südafrika und versuche euch einen Urlaubsbericht aus Sicht eines Investors zu schreiben.

Fiebermessung bei der Einreise

Interessant war bereits die Einreise. Anders als bei meinen früheren Reisen wurde jeder Passagier bereits am Flughafen in Kapstadt auf Fieber getestet – Corona sei Dank, wird dies auf allen internationalen Flughäfen in ganz Afrika gemacht. Die Befürchtung ist, dass der Virus einmal in Afrika angekommen, anders als in China, zu lange unentdeckt bleibt und eine Epidemie auslöst. Bisher ist zum Glück noch kein offizieller Fall in Südafrika bekannt. Hier übrigens eine gute Übersicht von der Johns Hopkins Universität mit den offiziellen Zahlen.

Reisebüro und Expedia ist kein Wiederspruch

Nach unserer Ankunft in einer Boeing-Maschine, haben wir uns bei Hertz unseren VW Multivan abgeholt. Wir waren nämlich inklusive meiner Frau, ihren Eltern und unseren zwei Töchtern zu sechst unterwegs. Da wir unsere Reise vollständig individuell zusammengestellt haben, war der Multivan für uns der ideale Reisebegleiter. Hier übrigens eine Erfahrung, die ich als Investor spannend finde. Wir haben die Reise zusammen mit dem lokalen Reisebüro von DER hier in Oldenburg geplant. Überraschenderweise wurden die Buchung unserer Unterkünfte vollständig über Expedia abgewickelt und nicht über eine Reisebüroplattform, wie ich es erwartet hätte. Die Preise sind dieselben, die ich auch bei eigener Recherche bei Expedia oder ähnlichen Plattformen bezahlt hätte, mit der zusätzlichen Erfahrung der Reisebüromitarbeiterin. Die Bezahlung des Reisebüros erfolgt dann über eine Provision von Expedia. Natürlich lohnt sich so ein Service nicht für ein verlängertes Wochenende. Für eine 3 wöchige Reise entlang der südafrikanischen Garden Route oder ähnlichen Reisen, kann ich aber nur empfehlen zu einem Reisebüro eures Vertrauens zu gehen.

Loadshedding eigentlich ein Fall für Aggreko

Als wir dann in unserem ersten Haus in Camps Bay/Kapstadt mit Blick auf den Tafelberg angekommen sind, gab es die zweite Überraschung für mich als Investor: Loadshedding! Was so viel bedeutet wie: jeden Tag immer zu unterschiedlichen Zeiten wird für 1,5 Stunden der Strom in unterschiedlichen Bezirken/Städten abgestellt. Südafrika hat es leider nicht geschafft, die Stromversorgung in gleichem Maß auszubauen, wie der Strombedarf in den letzten Jahren gewachsen ist. Die Gründe dafür kenne ich nicht.

Die Auswirkungen für die Wirtschaft sind aber katastrophal. Unternehmen haben zwei Optionen:  Entweder sie stellen sich ein Generator hin oder sie produzieren um den Stromausfall herum. Beide Fälle kosten Produktivität. Für mich eine spannende Urlaubserfahrung. Da wir uns mit zwei kleinen Kindern zum größten Teil selbstversorgt haben und in der ersten Unterkunft einen Elektroherd hatten, musst man sich tatsächlich darauf einstellen. Für drei Wochen okay, aber länger auch nicht.

Als Investor habe ich kurz an eine meiner alten englischen Beteiligungen „Aggreko“ gedacht und überlegt ob ich denen nicht einmal eine Mail schreibe. Da ich aber nicht mehr investiert bin, überlasse ich dies anderen. Aggreko ist darauf spezialisiert, temporären Strom zur Verfügung zu stellen, dass können im kleineren Rahmen für Öl- und Miningexpeditionen, größere Bauprojekt oder Großveranstaltungen Generatoren sein, aber auch ganze Kraftwerke im MW-Bereich über mehrere Jahre bis man entsprechende Infrastruktur errichtet hat. Das ist zwar relativ teuer, aber Loadshedding ist aus meiner Sicht nicht günstiger, die Kosten nur weniger sichtbar.

Entwicklungsland Deutschland

Daneben ist mir das herausragend gute Mobilfunknetz aufgefallen. Hier könnte sich Deutschland eine Scheibe abschneiden. Leider keine neue Erfahrung. Ich versuche gerade daran zu denken, ob ich jemals auf Reisen ein schlechteres Handynetz als in Deutschland hatte. Mir fällt kein Land ein und ich bin überdurchschnittlich viel unterwegs. Für die 3 Wochen habe ich mir für rund 18 EUR eine Prepaid SIM-Karte von MTN mit 6 GB Datenvolumen geholt, was sich zum Ende des Urlaubs also überdimensioniert herausgestellt hat. Zur Alternative stand auch eine weiteres englisches Unternehmen vodafone, welche eine ebenso gute Netzabdeckung haben soll. Wie gesagt, als deutsche Mobilfunknutzer ist man wahrscheinlich auch mit allen anderen Netzen gut dabei.

Das „Florida“ von Südafrika

Nach Kapstadt ging die Reise weiter für eine Wochen nach Knysna, von wo aus wir Tagesausflüge unternommen haben, in ein Game Reserve nach Great Brake River (das Highlight des Urlaubes, siehe Bilder) und auf dem Rückweg mit einem Stopp in Stellenbosch, der Weinregion Südafrikas. Auf der ganzen Reise sind mir die Menschen positiv aufgefallen, die unglaublich freundlich und hilfsbereit zu uns waren. Vielleicht hängt dies mit dem guten Wetter zusammen, welches tagsüber zwischen 25-30° war und nachts durch das Meer angenehm abgekühlt ist. Außerdem ist mir die gute Wasserversorgung positiv aufgefallen, man kann an den meisten Orten das Leitungswasser problemlos trinken. Ebenso die grundsätzlich gute Infrastruktur: gut ausgebaute, saubere Straßen, ausreichende Supermärkt, Tankstellen, Geschäfte, etc. Diese Erfahrung lässt sich sicher nicht auf das ganze Land übertragen, da wir aus Überzeugung keine Slum-Tourismus machen, ist mein Einblick hier eingeschränkt. Aber im „Florida“ von Südafrika war kein Unterschied zu der sogenannten entwickelten Welt festzustellen. Einzig der ÖV wäre ausbaufähig, aber auch hier kein Unterschied zu z.B. den USA.

 

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Meine Beteiligungen in Südafrika

Abschließend kann ich sagen, dass es ein wunderbarer Urlaub war und ich jedem das Land wärmstens ans Herz legen kann. Als Aktionär hat mich gefreut, dass ich den ein oder anderen Bagger und Stampfer von Wacker Neuson gesehen habe. Dies hat mich dahingehend überrascht, weil ich es nicht als Vertriebsland von Wacker verordnet hatte. Zudem hat eine weitere Beteiligung von mir, Cewe Color, über die individuellen Postkarten an uns verdient.

Vergleich Beiersdorf und Procter & Gamble

Eigenkapitalforum Frankfurt 2018

Letzte Woche war es wieder soweit. Das jährliche Get-Together von kleinen und mittelgroßen börsengelisteten Unternehmen und Investoren in Frankfurt, das. Eigenkapitalforum (#EKF2018) der Deutschen Börse, fand statt. Alle Unternehmen im regulierten Markt haben bestimmte Transparenzpflichten zu denen gehört mindestens einmal jährlich außerhalb der Pressekonferenz zum Jahresabschluss eine Analystenveranstaltung zu besuchen. Das EKF ist für Unternehmen eine der günstigsten Alternativen dieser Pflicht nachzukommen, d.h. man trifft auch viele Unternehmen, bei denen aus verschiedenen Gründen (z.B. großer Ankerinvestor) die Kapitalmarktkommunikation stiefmütterlich behandelt wird. Dies macht dieses Treffen besonders spannend.

Daneben ist vor allem der Austausch mit anderen Investoren viel wert. Dieses Jahr bin ich das erste Mal selbstständig und damit unabhängig von einer namenhaften Fondsgesellschaft dagewesen. Was den Austausch aber nicht geschadet hat. Im Gegenteil, der Austausch auch durch die Veröffentlichung meines Buches war super und ich habe ununterbrochen sehr gute Gespräche geführt. Ein besonderen Dank geht an Tilman von ValueDACH, der die Value Investing Szene in Deutschland stätig weiter vernetzt.

Das wichtigste ist jedoch neue oder altbekannte Unternehmen zu treffen und einen Eindruck von dem Management zu bekommen. Sehr gute Präsentation oder 1-one-1 Gespräche habe ich mit folgenden Unternehmen geführt:

  • CeWe Color
  • EQS Group
  • Basler AG

Alle drei Unternehmen sind auf meiner engeren Watchlist.

Fazit:

Das EKF lohnt sich für alle Investoren, die sich mit anderen Investoren austauschen möchte und mit Firmen in Gespräch kommen wollen.

Italienkrise

Gedanken zum Monatsende Mai 2018: Italien

In den letzten 72 Jahren, seit dem zweiten Weltkrieg, hatte Italien 66 Regierungen. Die 67te lässt derzeit auf sich warten. Allerdings hat der ständige Regierungswechsel in Italien wohl Methode, ohne dass es allzu chaotisch zu geht. So hat sich über einen langen Zeitraum eine relativ kleine Polit-Clique immer wieder abgewechselt. Am längsten war Berlusconi mit mehr als 9 Jahren an der Macht. Für mich wirken die ständigen Regierungswechsel und Neuwahlen trotzdem befremdlich.

Italien ohne Regierung

Allerdings sind diejenigen, die jetzt versucht haben eine Regierung zu bilden, sehr unerfahren, was das Regieren betrifft. Sollte es zu Neuwahl kommen, ist nicht ausgeschlossen, dass die europafeindlichen Parteien Lega (will die Abspaltung Norditaliens von Süditalien) und die Fünf-Sterne-Bewegung (Anti-EU-Partei des Kabarettisten Beppo Grillo) noch mehr an Stimmen gewinnen. Die Nachrichten tendieren zu der Aussage. Wobei Wahlprognose einer höheren Ungenauigkeit unterliegen, als sie häufig den Anschein geben.

Die Unsicherheit keine Regierung zu haben, sollte für die meisten Unternehmen und damit auch für Investoren in Italien eigentlich keine Rolle spielen. Es gibt sehr gute italienische Unternehmen, wie zum Beispiel De’Longhi, die mit der Unsicherheit durch Regierungswechsel seit Jahrzehnten leben. Auch wenn man die Unsicherheit im letzten Jahr in Deutschland bei der Regierungsfindung betrachtet, konnte man keine Auswirkung auf die Börsen feststellen.

Europa- und Eurokrise

Dagegen wird die EU-Feindlichkeit in Kombination mit hohen, nationalen Sozialversprechen von vielen Marktteilnehmern negativ gesehen. In abgeschwächter Form ist es die gleiche Rhetorik, die auch den BREXIT geprägt hat. Diesen halte ich für Europa und zu einem größeren Grad für Großbritannien für extrem schädlich. Und an alle Befürworter der EXIT-Lösungen: Die Versprechen, die die EU-Gegner hinsichtlich der Einsparungen und Sozialgeschenke in England gegeben haben, können voraussichtlich nicht eingelösten werden.

Durch das Verhalten des europafreundlichen Staatspräsidenten Sergio Mattarella, die Regierung nicht zustanden kommen zu lassen, könnte Italien mit noch stärkeren europafeindlichen Parteien in einen Austritt aus der EU oder des Euros taumeln. Ein ITAL- oder ITEXIT wäre aus meiner Sicht das Ende eines vereinigten Europas und ein Rückschritt in unserer zivilisatorischen Entwicklung.

Der Grundgedanke der EU ist nicht schlecht

Ich halte das Überwinden von Nationalstaaten und eine Organisation in starken Regionen mit übergeordneten, staatsähnlichen demokratischen Instituten für ein erstrebenswertes Ziel. Ähnlich wie in der Schweiz zwischen Kantonen und Bund muss aber das Machtverhältnis klar definiert sein. Dies ist in der EU derzeit nicht der Fall, was es einfach macht, diese zu kritisieren und sich ihre Abschaffung zu wünschen.

Erstrebenswert wäre eine enge Zusammenarbeit mit entsprechender Arbeitsteilung und auch Risikoausgleich zwischen den Regionen mit klaren übergeordneten Regeln hinsichtlich Rechtsstaatlichkeit, Handel, Finanzen und Sicherheit. Ohne Hass und Gewalt. Mit gleichzeitig hoher Autonomie, wenn es um die konkrete Ausgestaltung auf regionaler Ebene geht.

Der Grundgedanke der EU geht in diese Richtung, deswegen sollten wir uns daran machen, die EU weiterzuentwickeln, anstatt zu versuchen, sie abzuschaffen.

wertorientiertes Investieren

7 Vor- und Nachteile von Value Investing

Einfach, aber nicht leicht

  1. Value Investing ist einfach zu verstehen. Der Grundsatz des Value Investing ist weniger zu bezahlen, als man bekommt. Wenn man diesen Grundsatz nicht nur auf den Buchwert bezieht, gilt dies übrigens für jede Art der Investition. Zumindest kenne ich niemanden, der sagt, ich investieren in XY, da XY mehr kostet, als es wert ist. Schlichtes Value Investing nach dem obigen Prinzip kann auch einfach als Investieren bezeichnet werden. Nach diesem Verständnis gibt es keinen Widerspruch zwischen Growth Investing und Value Investing. Der Value Investing Chronicle hat dies einmal sehr schön dargelegt. Wenn man einen Gegensatz zum Value Investing sucht, ist es eher das technische Investieren oder Spekulieren, bei dem man den Wert eines Objektes nicht kennt, sondern rein nach Regeln und Verläufen des Wertpapierkurses sein Geld versucht anzulegen.
  2. Value Investing ist nicht leicht, hat aber einen hohen Lerneffekt. Leider ist Value Investing zwar einfach zu verstehen, aber nicht leicht umzusetzen. Um den Wert eines Objektes besser zu verstehen, muss man viel Wissen, Erfahrung und ausreichend Zeit mitbringen. Die meisten Anleger scheitern, weil sie nicht ausreichend Wissen und Erfahrung besitzen und nicht die Geduld mitbringen, die ein guter Investor braucht, um zu lernen.

Immer gegen den Strom schwimmen

  1. Professionelle Investoren haben beim Value Investing keinen oder nur einen marginalen Vorteil gegenüber privaten Investoren. Value Investing ist langfristig ausgerichtet. Die Finanzbranche wir jedoch jährlich, quartalsweise, monatlich, täglich gemessen. Wer als Fondsmanager über einen relativ kurzen Zeitraum nicht performt, verliert Anlegergelder und Ultimo Ratio seinen Job. D.h. professionelle Investoren können nur in seltenen Fällen eine Schwächephase aussitzen und sind viel stärker Situationsgetrieben.
  2. Value Investoren müssen sich oft gegen die Meinung der Mehrheit der Investoren stellen. Um in ein unterbewertetes Unternehmen zu investieren, muss die Mehrheit der Investoren anderer Meinung sein als man selbst. Dies macht Value Investing emotional aufreibender und schwieriger, als zum Beispiel Momentum- Investing.

Aufwand, Missverständnisse und Voreingenommenheit

  1. Value Investing ist mit relativ großem Aufwand verbunden. Zwar sind die direkten Kosten, aufgrund von relativ wenigen Transaktionen und keinen laufenden Gebühren relativ günstig. Im Vergleich zu passiven ETF-Portfolien, beschäftigt man sich aber viele Stunden mit einzelnen Unternehmen, um deren Geschäftsmodell und ihren Wert besser zu verstehen. Man braucht viel Zeit, um die Geschäftsberichte zu lesen, das Unternehmen zu analysieren und sein Portfolio aufzubauen. Insbesondere Privatanleger mit einem Vollzeitjob haben hier einen Nachteil gegenüber professionellen Investoren.
  2. Value Investing wird oft falsch verstanden. Insbesondere, wenn man das erste Mal mit Value Investing in Kontakt kommt, wird es oft als Investieren nach dem Buchwert beschrieben. Dies liegt zum einen an Grahams Beschreibung von Net-Net-Aktien. Aktien, die zu weniger als ihr Umlaufvermögen gehandelt werden. Dies passiert regelmäßig an der Börse. Im Gegensatz zu Grahams Zeiten ist bei den meisten Net-Net Unternehmen heute aber der Wurm drin. Zum anderen wird in der weitverbreiteten Finanzmarkttheorie «Three-Factor-Modell» von Fama und French einer der Faktoren «high (Buch-Marktwert-Verhältnis) minus low» oft als Growth minus Value Faktor bezeichnet, so dass ein niedriger Buchwert mit einem Value Investment gleichgesetzt wird. Dies ist falsch. Philp Fischer, Charlie Munger und Warren Buffett haben das Value Investing weiterentwickelt, wobei die Frage bleibt, ob Value Investing nicht einfach nur Investieren ist.
  3. Value Investing verleitet zu Voreingenommenheit und Fehlverhalten. Value Investoren, bzw. aktive Investoren, sehen sich als besser an als der Durchschnitt. Das kann aber für die Mehrheit der aktiven Investoren nicht sein. Aus diesem Grund müssen sich viele aktive Investoren selbst belügen. Ansonsten wäre die logische Schlussfolgerung und damit das richtige Verhalten in passive ETFs zu investieren.
Suizid des Westens

Gedanken zum Monatsende April 2018: Suizid des Westens

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Weltpolitik und ein Baby in England haben im April 2018 für Schlagzeilen gesorgt. Von wirtschaftlicher Seite war der Nachrichtenfluss eher unspektakulär, obwohl die Berichtssaison gestartet ist. Neben der Veröffentlichung meines Buches und der kompletten Neugestaltung meiner Seite, welche mich im April am meisten beschäftigt haben, macht mir eine Tendenz in der Welt Sorgen. Diese Tendenz wird ganz gut im neuen Titel des Autoren Jonah Goldberg wiedergeben: „Suicide of the West: How the Rebirth of Tribalism, Populism, Nationalism, and Identity Politics is Destroying American Democracy”.

Ich habe das Buch nicht gelesen, aber mir einige Interviews mit dem Autor angesehen. Er gibt mit seinen Aussagen über die völkische Gruppenbildung, Populismus, Nationalismus und die identitäre Bewegung meine Sorgen wieder. Übertragen auf die Wirtschaft heißen diese Begriffe Protektionismus, Zölle und Einfuhrbeschränkung. Das Säbelrasseln von Trump gegenüber China, der EU und anderen Handelspartnern ist eine Ausprägung davon.

Errungenschaften der letzten 300 Jahre

Das Gegenstück zu der obengenannten negativen Entwicklung bilden globaler Kapitalismus, Bürgerrechte, Demonstrationsrechte, Pressefreiheit, Reisefreiheit und dass das Individuum souverän gegenüber dem Staat ist. Dies sind Errungenschaften der letzten 300 Jahre (in Deutschland der letzten 70 Jahre), die wir nicht leichtfertig aufs Spiel setzen sollten. Dass die Regierung für uns arbeitet und wir nicht für die Regierung, ist ein wichtiger Teil davon. Zurzeit scheinen wir diese Errungenschaften zu verlieren, weil wir die linken als auch besonders die rechten Extreme stärker werden lassen. Allen moderaten und liberaldenken Menschen muss dies große Sorge bereiten.

In unserer Natur liegt die Angst vor Fremden

Ein wichtiger Punkt von Jonah Goldberg ist, dass wir uns in unserer Natur in den letzten 10 000 Jahren nicht verändert haben. Was sich geändert hat, sind unsere Werte, unsere kulturellen Normen und unsere Institutionen. Angefangen vor ein paar tausend Jahren durch Religion, die fremden Menschen Würde und Respekt zugesprochen hat. Unser natürlicher programmierter Zustand ist laut Goldberg jedoch: Habe Angst vor Fremden! Fremde sind gleichzusetzen mit Feinden.

Die Lösung sind Diskussionen, Argumenten, Fakten

Die Idee der Aufklärung ist es, andere Leute überzeugen zu können. Trumps „Fake News“ Kampagne ist das Gegenteil davon. Wenn er mit Argumenten, die nicht in sein Weltbild passen, konfrontiert wird, verleugnet er sie. Er nennt sie dann gefälschte Tatsachen.

Sich immer wieder zu hinterfragen, sein eigenes Weltbild in Frage zu stellen, ist anstrengend. Insbesondere als Investor sollte man diese Fähigkeit aber mit sich bringen und auch trainieren. Beim Investieren geht es auch darum, sein eigenes Bild eines Investments immer wieder zu hinterfragen. Es herauszufordern und, wenn besseren Daten, Fakten und Argumenten vorliegen, zu verändern.

Hier ein sehr inspirierendes Interview geführt von Trevor Noah mit Jonah Goldberg:

Grundlagen des Value Investing

Ich verrate allen meine Anlagegeheimnisse…

Es mag überraschen, dass einer der am häufigsten gelesenen Artikel dieses Blogs im April 2012 entstanden ist: Erklärung des „Easy Buffett“ mit Unternehmensanalyse: Coca Cola Company. Es ist eine detaillierte Beschreibung meines damaligen Bewertungsmodells. Fast genau 5 Jahre später wird der Artikel immer noch gelesen. Man kann also sagen, dass es da draußen Leute gibt, die sich für Coca-Cola oder Unternehmensbewertung interessieren. Da ich beim Begriff Coca-Cola irgendwo im Google-Page-Ranking 1000+ laufe, sind es wohl die Unternehmensanalyse, über die die Leser etwas wissen wollen. Weiterlesen

Was Investoren aus dem Facebook-Skandal lernen können

Gedanken zum Monatsende März 2018: Was Investoren aus dem Facebook-Skandal lernen können

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Facebook ist zur Gefahr für die Demokratie geworden. Das soziale Netzwerk bezeichnete sich selbst lange als Plattform ohne Verantwortung. Es herrscht Angst vor Regulierung und eine Einschränkung des Geschäftsmodells. Facebook ist aufgrund der aktuellen Situation ein schwieriger Investment-Case. Trotzdem können Investoren durch den Skandal ein paar allgemeine Probleme besser verstehen: Die Problematik von Filterblasen, Fake News und Informationsbetrug.

Wir lassen uns gerne unsere Meinung bestätigen

Investoren bewegen sich oft in einem eher homogenen Umfeld und suchen sich Informationen, die sie in ihrer Auffassung bestätigen. Value Investoren unterhalten sich am liebsten mit Value Investoren. Dividenden Investoren unterhalten sich am liebsten mit Dividenden Investoren. Options- und Day-Trader am liebsten mit Options- und Day-Tradern. Der Mensch ist so gestrickt, dass er sich seine eigene Filterblase schafft. In unserer Filterblase fühlen wir uns wohl. Wir lassen uns gerne in unserer Meinung bestätigen. Facebook hat dies erkannt und sein Geschäftsmodel darauf aufgebaut.

Der Algorithmus bei Facebook, basierend auf dem was man in der Vergangenheit gelesen, kommentiert und gelikt hat, präsentiert einem immer ähnliche Inhalte. So beginnen sich Echokammern und Filterblasen aufzutürmen: eine Welt ohne Widersprüche entsteht, in der die eigene Meinung wieder und wieder bestätigt wird. Eine gefährliche Dynamik, vor der auch Investoren nicht geschützt sind. Sie müssen aktiv nach Widersprüche in ihrem Investment-Case suchen. Jeder gute Investor muss sich ständig fragen, was bräuchte es, damit die Investition den Bach runtergeht? Ein eher unschöner Gedanke, den viele Investoren bewusst oder unbewusst aus dem Weg gehen.

Fake News oder welche Interessen hat der Urheber einer Information?

Ähnlich verhält es sich mit Fake News und Informationsbetrug, der auf Facebook anscheinend weit verbreitet ist. Man muss als Investor seine Informationsquelle immer hinterfragen und prüfen. Welches Interesse hat der Urheber daran, die Information zu verteilen? Viele vermeintlich seriöse Quellen sind es nicht. Dazu zähle ich sowohl manch etablierte Medien als auch Blogs. Schwierig wird es, wenn der Urheber selbst investiert ist, in irgendeiner Form für den Artikel vergütet wurde oder einem etwas verkaufen möchte. Es ist bei einigen Verfassern von Investment-Newslettern leider gängig, ihre Mailinglisten aufzuteilen und den unterschiedlichen Gruppen unterschiedliche Voraussagen zu schicken, sodass sie mit dem Teil, der gut gelaufen ist, anschließend Geld machen können.

Ich lese gerade Guy Spiers sehr erhellendes Buch «Die Lehr- und Wanderjahre eines Value-Investors: Mein ganz persönlicher Weg zu Reichtum und Weisheit» [Wenn ihr hier drauf klickt und das Buch kauft, erhalte ich eine kleine Provision 🙂 ], der so weit geht, dass eine seiner acht Investmentgrundregeln lautet: «Wenn Ihnen jemand etwas verkaufen will, kaufen Sie es nicht».

Informiert euch in alle Richtungen

Der Facebook Skandal um Cambridge Analytica hat einem die Tatsache von Filterblasen, Fake-News und Informationsbetrug deutlich vor Augen geführt. Und wem die Problematik vorher noch nicht bewusst war, der sollte sie spätestens in den letzten Wochen verstanden haben.

Bei Informationen auf Facebook werden die eigenen politischen, gesellschaftlichen und sozialen Meinungen nicht mehr hinterfragt, wenn man immer nur Echos dieser zu sehen bekommt. Beim Investieren können einem durch eine Filterblase Risiken und Probleme entgehen, die einem vor schlechten Investitionen geschützt hätten.

Aus diesem Grund plädiere ich an alle Leser. Informiert euch breit.

Dies gilt sowohl auf der Facebook-Ebene: Lest ab und zu die taz, den Spiegel, die Süddeutsche, die Welt, die FAZ und die Bild-Zeitung. Von links nach rechts oder von rechts nach links – nur bleibt eurer Meinungswelt nicht treu, sondern hinterfragt sie täglich. Beim Investieren gilt dasselbe. Hinterfragt eueren Investment-Case, euren Investmentstil und wenn ihr langfristige Buy-And-Hold Investoren seid, wie ich, guckt euch auch einmal das Daytrading an und fragt euch, wie man damit Geld verdienen kann und welchen Nutzen es hat.