Analyse zur Metro AG

Unternehmensanalyse: Metro AG

„Zum Handeln geschaffen.“ ist das Leitmotiv der Metro Group. Gilt es auch für Anleger?

Nach einer Gewinnwarnung ist der Aktienkurs stark unter Druck geraten.

Heute analysiere ich die Metro AG. Die Metro Group ist eine Dachgesellschaft mehrerer Gross- und Einzelhandelsunternehmen. Neben den Cash&Carry-Märkten „Metro“ kennt man vor allem „Real“, „Galaria Kaufhof“, „Saturn“ und „MediaMarkt“ als Marken des Konzerns.

Die Metro AG ist schon länger auf meiner Watchlist. Mehrere Eigenschaften machen sie für mich attraktiv:

  • Schwer zu kopierendes Geschäftsmodell (Metro)
  • Solide Gewinne (trotz kürzlicher Gewinnwarnung)
  • In Familienbesitz (Otto Beisheim 9,97 %, die Franz Haniel & Cie. GmbH 34,24 % und die Familie Schmidt-Ruthenbeck 15,77 %)

Dem gegenüber stehen einige Probleme:

  • Onlinekonkurrenz für MediaMarkt und Saturn
  • Unattraktivität von grossen Kaufhäusern (Galaria Kaufhof)
  • Gesättigter Markt (Gross- und Einzelhandel)

Die grössten Konkurrenten sind echte Schwergewichte, sowohl international (Carrefour und Tesco), als auch auf dem deutschen Markt (Edeka, Rewe Group, Lidl und Aldi). Trotzdem kann sich ein Investment in Metro lohnen.

Internationales Geschäft und Historie

Die Metro Group ist ein Handelsunternehmen, welches 1963 im Ruhrpott gegründet wurde. In den folgenden 50 Jahren entwickelte es sich von einem regionalen zu einem nationalen und schliesslich zu einem der grössten Handelskonzerne Europas mit über 2.200 Standorten in 32 Ländern Europas, Afrikas und Asiens. Insgesamt hat die Metro AG rund 280.000 Mitarbeiter.

Das operative Geschäft ist aufgeteilt in Grosshandel, Lebensmitteleinzelhandel, Non-Food-Fachmärkte und Warenhäuser. Um Synergien zu nutzen, übernehmen Querschnittsgesellschaften konzernweite Aufgaben, wie Logistik, IT oder Werbung.

Keine Strategie?!

Eine klar erkennbare Strategie gibt es nicht! Eine Ansammlung von BWL-Schlagwörtern soll dies auf der Homepage und im Geschäftsbericht kaschieren: Kundenmehrwert, Transformieren, Wachsen, Optimieren, Expandieren, Innovationen treiben, Nachhaltigkeit soll die grosse Metro-Strategie sein. Ich hoffe für alle Altaktionäre, dass ein Praktikant und keine Unternehmensberatung diese Wortreihe zusammengestellt hat.

Aus dem Geschäftsbericht und diversen Nachrichten kann man allerdings eine strategische Entscheidung für den Markteintritt in Osteuropa und Asien herauslesen. Metro versucht hier zu wachsen. Die Heimatmärkte sind gesättigt und stagnieren.

Ausserdem versuchen MediaMarkt und Saturn ihre Online-Präsenz aufzubauen – dies könnte man auch als strategische Entscheidung werten. Allerdings weiss ich nicht, warum MediaMarkt und Saturn online erfolgreich sein sollen. Persönlich habe ich die Erfahrung gemacht, dass es eBay-, Amazon- und Google-Shopper im Internet gibt. Letzter sucht jedes Mal den billigsten Onlineshop. Um Marktanteile zu gewinnen, würde ich Metro raten, ihre Produkte auch auf anderen Plattformen anzubieten. Die Marge muss dann aber mit eBay oder Amazon geteilt werden. Allerdings ist dies besser, als Kunden gegenüber der Onlinekonkurrenz endgültig zu verlieren. Denn diesen Trend sehe ich zurzeit dominant.

Besitzverhältnisse

Die grössten Aktionäre der METRO AG sind Haniel, Schmidt-Ruthenbeck und Beisheim. Unter anderem die Gründer der Metro Cash&Carry-Märkte. Insgesamt halten sie 59,98 % der Stimmrechte (Otto Beisheim 9,97 %, die Franz Haniel & Cie. GmbH 34,24 % und die Familie Schmidt-Ruthenbeck 15,77 %). Die übrigen Anteile halten eine Vielzahl nationaler und internationaler Investoren im Streubesitz. Insgesamt machen US-amerikanische und britische Anleger den größten Teil des Streubesitzes aus, gefolgt von französischen und deutschen Investoren.

Rentabilität

Der Umsatz und EBIT hat sich 2011 wie folgt auf die einzelnen Geschäftsbereiche verteilt:

(in Mio.) Metro Cash & Carry Real Media-Saturn Galeria Kaufhof Umsatz (netto)
Umsatz

31.155

11.230

20.604

3.450

66.702

EBIT

1.148

134

542

121

2.372

Umsatzmarge 2011

3,68%

1,19%

2,63%

3,51%

3,56%

Umsatzmarge 2010

3,55%

1,15%

3,01%

3,85%

3,59%

Umsatzmarge 2009

3,06%

0,46%

3,09%

3,36%

3,09%

Auffällig ist hier der Margenverlust bei MediaMarkt und Saturn, der allerdings durch die Metro- und Real-Märkte ausgeglichen werden konnte. Eine grosse regionale Abhängigkeit besteht nur gegenüber Deutschland. Die südeuropäischen Länder sind nicht Kerngeschäft der Metro Group. Insgesamt zeigt das Geschäftsmodell und das Unternehmen Metro AG, dass es sich um ein grösstenteils konjunkturunabhängiges, krisenfestes und kurz- wie langfristig sehr stabiles Geschäft handelt. So konnte die Metro AG selbst in den Krisenjahren 2008 und 2009 Gewinn einfahren.

Rentabilität (in Mio.)
 Jahr Gewinn Eigenkapital EK-Rendite

2011

631

6364

10%

2010

850

6308

13%

2009

383

5754

7%

2008

403

5820

7%

2007

825

6255

13%

2006

1056

5830

18%

2005

531

5107

10%

2004

827

4739

17%

2003

496

4161

12%

2002

443

4141

11%

2001

401

4170

10%

2000

359

4064

9%

1999

234

3832

6%

Durchschnitt

11%

Ausschüttungsquote

Die Dividende konnte in den letzten Jahren kontinuierlich gesteigert werden. Wird die Dividendenhöhe aufrecht erhalten, ist die derzeitige Dividendenrendite 6,6 %. Allerdings auf Kosten einer sehr hohen Ausschüttungsquote. Diese ist bei einer niedrigen Eigenkapitalrentabilität und niedrigen Wachstumsraten aber durchaus angebracht.

Ausschüttungsquote
Jahr Gewinn pro Aktie Dividende Ausschüttungsquote

2011

1,93

1,35

70%

2010

2,60

1,35

52%

2009

1,17

1,18

101%

2008

1,24

1,18

95%

2007

2,55

1,18

46%

2006

3,26

1,12

34%

2005

1,64

1,02

62%

2004

2,55

1,02

40%

2003

1,53

1,02

67%

2002

1,37

1,02

75%

2001

1,24

1,02

82%

2000

1,11

1,02

92%

1999

0,72

1,02

141%

Durchschnitt

74%

Sicherheit – Kurz vor Ramschniveau?

Moody’s und Standard & Poor haben nach der Gewinnwarnung von Metro die Kreditwürdigkeit auf „BBB-“ herabgestuft. Die Eigenkapital-Quote ist aber stabil über die letzten Jahre und eine Gewinnwarnung heisst immer noch Gewinn. In den letzten Jahren sind viele Händler Pleite gegangen: Schlecker, Arcandor, Neckermann. Oder kämpfen ums Überleben: Praktiker. Trotzdem sehe ich Metro als Konzern als ein sicheres Investment. Probleme werden die Töchter MediaMarkt und Saturn bereiten. Diese tragen ungefähr 25 % zum Ergebnis bei. Diese Sicherheitsmarge sollte man mindestens beim Kauf berücksichtigen.

Eigenkapital-Quote
Jahr Verbindlichkeiten Eigenkapital EK-Quote

2011

27550,00

6364,00

23%

2010

28607,00

6308,00

22%

2009

27675,00

5754,00

21%

2008

27751,00

5820,00

21%

2007

27363,00

6255,00

23%

2006

26101,00

5830,00

22%

2005

23454,00

5107,00

22%

2004

23146,00

4739,00

20%

2003

22231,00

4161,00

19%

2002

18677,00

4141,00

22%

2001

18078,00

4170,00

23%

2000

18187,00

4064,00

22%

1999

18380,00

3832,00

21%

Fazit

Als Dividende-Investment à la Deutsche Telekom kann ich mir Metro gut vorstellen. Allerdings besitzt es nicht die gleiche monopolistische Stellung: Metro hat weder eine herausragende Marke, noch die notwendige Infrastruktur. Aber sie besitzt eine hinreichende Infrastruktur im deutschen Grosshandel. Damit meine ich, wenn man in Deutschland telefoniert, kommt man um die Deutsche Telekom nicht herum – egal welchen Anbieter man hat. Wenn man in Deutschland einkauft, dann verdient wahrscheinlich auch Metro mit – allerdings nicht zwangsläufig.

Easy Buffett:
aktueller Kurs

20,35

Buchwert

19,64

aktueller Gewinn

2,16

Einstandsrendite

10,61%

ØEigenkapitalrendite

11%

Ausschüttungsquote

75%

EK-Wachstum

3%

Jahre n

10

Buchwert in n Jahren

25,75

Gewinn in n Jahren

2,83

KGV

14

Kurs in n Jahren

39,66

∑Dividenden in n Jahren

18,72

Rendite

11,12%

Erklärung zum Easy Buffett

Wer wegen der Eurokrise Angst um sein Geld hat, auf keinen Fall in Anleihen investieren will, nicht genug Geduld für Land und Immobilien besitzt und Gold für Schwachsinn hält, der kann sein Geld in Metro anlegen oder dort seine Liquidität parken. Da ich schon in der Deutschen Telekom und in Rhön Klinikum investiert bin, werde ich keine Position in Metro aufbauen.

Lustig – Kein Metro für Microsoft

Wegen eines möglichen Markenkonfliktes mit Metro hat Microsoft den Namen für einen zentralen Teil seines neuen Betriebssystems Windows 8 geändert. Statt der eingängigen Bezeichnung „Metro“ heisst die grafische Benutzeroberfläche jetzt „Windows 8-style UI“. Ich glaube „Metro“ wird sich aber trotzdem für die Benutzeroberfläche durchsetzen.

Vergleich mit Carrefour und Tesco

Was mich noch interessiert, wie werden zurzeit Carrefour und Tesco bewertet? Hat jemand gute Artikel?

Tesco Artikel auf dem Blog „TomB’s Comments“

6 Kommentare
  1. Alex sagte:

    Hi, was noch erwähnenswert ist: Die Immobilien alleine haben ungefähr den Momentanen Aktienwert (Die Schulden habe ich hierbei nicht abgezogen) Die vielen Insiderkäufe vom neuen Chef machen Mut (meines Wissens nach keine Optionen/Pflichtkäufe…) Auf jeden Fall ein interessanter Wert, wenn auch ich nicht ins schwärmen verfalle, Probleme gibt es natürlich auch

  2. Michael C. Kissig sagte:

    Moin Till, eine sehr gute Analyse, prima! Da aktuell auch Tesco und Carrefour erhebliche Probleme, insbesondere in ihren Stammmätkten haben, scheint dies ein Branchenproblem zu sein, zumindest bei den großen Platzhirschen. Und alle meinen, künftig im Internet ihr Heil suchen zu wollen/müssen. Das habe ich ähnliche Bauchschmerzen mit, die Du ja auch angesprochen hast… Ich denke, man sollte bei den Werten abwarten, ob die operativ die Kurve kriegen. Dann kann man immer noch – wenn auch zu höheren Aktienkursen – in den Turnaround investieren, greift aber nicht unmittelbar ins fallende Messer. Die Metro und Tesco habe ich auch sporadisch immer mal wieder auf der Liste, sehr jedoch erstmal noch keinen Handlungsbedarf. Aber zu etwas anderem: Dein Konzept, Liquidität in Aktien, wie Rhön Klinikum, zu parken, kann ich nicht nachvollziehen. Wenn Du an das Geld ran musst/willst, weil Du endlich ein lohnendes Investment gefunden hast, haben nicht nur die Spesen für An- und Verkauf negativ zubuche geschlagen, sondern unter Umständen musst Du auch noch einen Kursverlust realisieren – oder die andere Chance sausen lassen. Du bist halt abhängig davon, wie der Markt bzw. die Aktie gerade steht. Und der Hinweis auf die Dividende ist auch fraglich, weil die ja nur einmal jährlich fließt und dann auch noch versteuert werden muss. Um das Risiko zu verringern bzw. von den Dividenden zu profitieren, wären dann nicht weningstens Unternehmen mit Quartalsdividenden zu bevorzugen? Abgesehen davon, dass z.B. börsennotierte Unternehmensanleihen auch ganz attraktive Renditen abwerfen und man da ja für die Haltedauer Stückzinsen bekommt. Das hielte ich für eine bessere Alternative als eine Aktie. Zumal man für Tagesgeld ja auch rund 2% erhält, so dass die Aktie hier als Liquiditätsreserve irgendwie gar nicht punkten kann.

  3. Till S. sagte:

    Hi Michael Danke für deinen Kommentar. Zu meinem Konzept: Meine monatlichen Ausgaben sind sicher gedeckt. Das mit den regelmässigen Dividenden habe ich noch nicht ganz verstanden. Geht es nicht in erster Linie um die Höhe der Dividenden bzw. der Sicherheit des Geschäftsmodells? Es gibt in Kanada Ölexplore-Unternehmen, die monatliche Dividende zahlen, solang sie auf immer neue Ölquellen stossen, dass halte ich aber nicht für sicher. Du hast ja gerade über die Telekom geschrieben, auch wenn die Dividende nicht gedeckt ist, halte ich sie vom Geschäftsmodell für sicher. Das hat mir an deiner Analyse ein wenig gefehlt. Kann man der dt. Telekom ihr Netzmonopol streitig machen? Gleichzeitig habe ich zurzeit eine Cash-Quote von 25% meines frei verfügbaren Kapitals – 99% in Euro. Das ist mir im Zuge der Krise und den für mich nicht abschätzbaren Folgen zu viel. Fragt man mich, ob es den Euro in fünf Jahrne noch gibt. Meine Antwort: Wahrscheinlich, aber nicht sicher! Und mein Geld in USD oder CHF zu halten erscheint mir riskanter als Aktien. Flexibel bin ich noch mit 5-10%. Dann kann ich immer noch jederzeit in eine gute Aktie investieren und mehr als 10% sollte ein Posten in meinem Portfolio nicht haben. Grössere Anschaffungen wie ein Haus oder ähnliches muss ich in den nächsten 3-5 Jahren nicht tätigen – bin noch Student und weiss noch nicht mal so genau, was bzw. wo ich arbeiten werde. Dieses Konzept ist aber wirklich abhängig von der Lebenssituation und dem freiverfügbaren Kapital. Darauf werde ich das nächste mal wenn ich über Liquiditätskäufe schreiben hinweisen. Gruss, Till

  4. Michael C. Kissig sagte:

    Till, wenn Du Dein Geld parkst, muss es doch irgendeine Rendite abwerfen. Das können (bei Aktien) also Kursgewinne und/oder Dividenden sein. Bei Rhön kommt die Dividende hährlich, also hast Du keine Erträge auf das Kapital bis zu dieser Zahlung – und dann folgt der Dividendenabschlag. Daher halte ich das Modell für fragwürdig, auch wegen des Kursverlustrisikos zu genau dem Zeitpunkt, wenn Du das Geld benötigst. Besser halte ich amerikanische Aktien mit quartalsweiser Ausschüttung – öfter kleinere Erträge und kein EUR-Risiko. Was ja eines Deiner erklärten Ziele ist. Allerdings wären Anleihen wohl die bessere Wahl. Da kannste Dir auch amerikanische oder schweizer Unternehmensanleihen aussuchen, dann biste auch weg vom Euro. Du erhältst aber für die gesamte Investzeit Stückzinsen, nicht nur beim Zinstermin. Und zur Deutschen Telekom: ja, die haben ein Quasi-Leitungsmonopol, aber das nützt ihnen wenig. Denn die staatliche Regulierungsbehörde hat das Entgelt hierfür festgesetzt und die Telekom MUSS jeden Konkurrenten in ihr Netz lassen zu diesen festen Entgelten. Einer von Buffetts No-Gos ist eine staatliche Regulierung und der Substanzverzehr ist nur ein zusätzlicher Malus. Aber wie ich mich gerade erinnere, haste die Telekom in Deinem Depot. 😉

  5. Michael C. Kissig sagte:

    Kurze Ergänzung noch zu Deiner Depotübersicht: Du solltest noch die Dividenden mit einpflegen, denn die gehören zum Anlageerfolg ja mit hinzu. Gerade bei der Telekom haste ja seit Deinem Einstieg 2,96 EUR Dividneden erhalten, was die Performance deutlich anders aussehen lässt, wenn man sie mit berücksichtigt.

  6. Till S. sagte:

    Update zu Metro 02.05.2013: Der Handelskonzern Metro ist in den ersten drei Monaten von der schwachen Konjunktur gebremst worden. Wegen der Einbußen in seinem wichtigen Großhandelsgeschäft sank der Umsatz konzernweit um 0,9 Prozent auf 15,5 Milliarden Euro, wie der Konzern am Donnerstag mitteilte. Dagegen konnte sich die Metro operativ verbessern. Das Betriebsergebnis (EBIT) stieg auf 1 Million Euro, nachdem im Vorjahr noch ein Verlust von 8 Millionen Euro angefallen war. Ohne Sondereffekte aus dem Konzernumbau legte das EBIT sogar auf 14 Millionen Euro zu. Unter dem Strich wies der Konzern nach Anteilen Dritter einen Fehlbetrag von 16 Millionen Euro aus. Im Vorjahr hatte das Minus bei 80 Millionen Euro gelegen. Zur Verbesserung trug unter anderem ein Steuerertrag bei.

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