Pfleiderer AG

Mein prozentual grösster Verlust

Mein Portfolio sieht auf den ersten Blick gut aus. Allerdings wurde ich Ende letzter Woche gefragt, wie ich meine Verluste bei Wacker Chemie aushalte? Gute Frage.

Von erfolgreichen Menschen kann man lernen. Man sollte ihr Verhalten studieren und dieses kopieren. Von gescheiterten Menschen kann man lernen. Man sollte ihr Verhalten studieren und dieses vermeiden. Mein bisher grösster Anlagefehler war die Pfleiderer AG. Ich habe ihn nicht korrigiert und über 90 % meines eingesetzten Kapitals verloren.

Für diejenigen, die Pfleiderer nicht kennen.

Die Pfleiderer AG ist ein holzverarbeitendes Unternehmen mit Schwerpunkt Flachpressplatten (Spanplatten). Sie ist einer der drei weltweit führenden Hersteller in diesem Bereich. Am 28. März dieses Jahres stellte sie einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens. 2011 wurden die Altaktionäre schon quasi enteignet. Ein Restrukturierungsplan mit Kapitalerhöhung, bei der Schulden in Eigenkapital umgewandelt wurden, hat zu einer massiven Verwässerung der Aktien durch die neuen Gläubigeranteile geführt.

War Pfleiderer eine Anlage à la Warren Buffett?

Sicher nicht. Aber ich habe aus meinem Fehler gelernt. Das ist der Grund, warum ich meine Anlageentscheidung von damals mit euch teilen möchte. Gekauft habe ich irgendwann Ende 2008 / Anfang 2009. Wir haben uns auf dem Höhepunkt der Krise befunden und alle Aktien waren günstig. Ich war zu dem Zeitpunkt schon Value-Investor und habe meine Anlagen durchdacht. Pfleiderer hat ein Geschäftsmodell, welches ich verstand. Ich hatte sogar als Kunde mit ihren Produkten zu tun, denn ich habe ein halbes Jahr in den USA Häuser aus Holz gebaut und diese bestanden grösstenteils aus Spanplatten. Meine Überlegung war, der Einbruch Pfleiderers liegt hauptsächlich an der schwachen Baubranche. Die Überproduktion habe ich auch gesehen, damals aber als einfach zu lösen abgetan. Als einer der grössten Player am Markt sollte Pfleiderer eigentlich über Kostenführerschaft an Marktanteil gewinnen. Was ich unterschätzt habe, war die Schuldenlage. Pfleiderer ist der grössten Player geworden, weil es durch überteuerte Akquisition (hauptsächlich Pergo AB) gewachsen ist. Pfleiderer war überschuldet, obwohl es operativ eigentlich hätte arbeiten können. Lange Geschichte kurz: Pfleiderer war pleite. Die Gläubiger haben die Altaktionäre quasi enteignet. Nach meiner Meinung gerechtfertigt!

Was habe ich gelernt.

Untersuche die Bilanz. Bei Überschuldung/Verlusten/schlechtem Geschäftsmodell gehe ich dem Unternehmen aus dem Weg oder auf die Seite der Gläubiger. Wenn man auf einen Turn-Around-Kandidaten setzt, dann nur mit Anleihen. Hier kann man die Verluste zu einem gewissen Grad kontrollieren und man hat bei einem Scheitern, die Möglichkeit Eigner zu werden. Sollte der Turn-Around gelingen, dann profitiere man am Kursgewinn (wenn auch nicht so sehr wie die Aktionäre, die auf einen geglückten Turn-Around gesetzt haben). Eine Umsetzung dieses Verhaltens seht ihr im Kauf meiner Praktiker Anleihe.

Sehe ich Probleme bei Wacker Chemie AG?

Ja, diese habe ich auch in meinem Eintrag angesprochen: Solarbranche und Zykliker. Allerdings ist Wacker Chemie nicht vergleichbar mit Pfleiderer. Wacker Chemie ist nicht überschuldet, wächst hauptsächlich organisch und macht keine Verluste. Allerdings bleibt eine entscheidende Frage offen:

Wie halte ich meine Verluste aus?

Wenn ich bei 66 Euro die Aktie für kaufenswert halte, was passiert mit meiner Bewertung bei 55 Euro, was mit meiner Bewertung bei 44 Euro? Es ändert sich nichts. Ich kann mit meiner Bewertung falsch liegen. Bei einigen Bewertungen, die ich hier veröffentlich habe, wird das auch so sein – vielleicht auch bei Wacker Chemie. Ich glaube aber nicht. Bisher habe ich im Schnitt ein positives Ergebnis in meinem Anlegerleben erzielt, auch mein jetziges Portfolio liegt im Plus. Ich halte Verluste aus, wenn ich meiner Bewertung vertraue. Das heisst, ich modifiziere meine Anlagestrategie nur, wenn ich Fehler entdecke. Ich würde mich freuen, wenn man mich auf fundamentale Fehler hinweist.

3 Kommentare
  1. Rene sagte:

    Hallo Till, zunächst einmal Glückwunsch zu Deinem Blog. Ich bin der Meinung, dass es gut ist, wenn man Vorbilder hat. Sie dienen als eine Art Leitplanke. Was man aus meiner Sicht allerdings nicht tun sollte, sich mit den Ergebnissen dieser Vorbilder zu messen. Ich tendiere mehr dazu, dass man in seinem persönlichen Entwicklungsprozess fortschreitet und seine Ergebnisse mißt und diese sukzessive verbessert. Ich denke, dass hier ein Art bessere Motivation statt findet, ohne an den großen Vorbildern zu zerbrechen. Ich selbst betreibe Positionstrading, Trendfolge und das Akkumulieren von Dividenden-Aktien mit einer mit Monatlichen Dividendenzahlung. Bezüglich Trading und Investieren verfolgt man aus meiner sicht zwei unterschiedliche Wege. Einerseits ist das Ziel Kursgewinne und andererseits ist das andere Ziel das Schaffen eines Passiven Einkommensstroms. Durch diese Kombination von Trading & Investment streue ich letztlich Risiken und versuche somit Overtrading zu verhindern. Wenn Du Dich mit Trendfolge einmal beschäftigen solltest, wirst Du erstaunt sein, was für gute CRVs entstehen können und wie entspannt Trading auf Wochencharts sein kann. Ich bin auf weitere Beiträge von Dir gespannt, viele Grüße und weiterhin Erfolg – René

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  2. Frank sagte:

    Hallo, habe Wacker bei 60 Euro gekauft.Da ich die Firma aktuell immer noch kaufen würde bleibt sie im Depot.Viele Wettbewerber streichen die Segel, Wacker investiert sogar, nutzt geringe Energiepreise in den USA (2-3 cent pro kwh). Da ich weiterhin an Solarstrom glaube und die Company langfristig denkt(in Familienbesitz),das Eigenkapital mehr ist als der Börsenwert wirds mittelfristig wieder aufwärts gehen denke ich.

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  3. Michael C. Kissig sagte:

    Till, so ein Seelen-Striptease ist mal nett zu lesen, denn normalerweise behalten Menschen ihre Fehleinschätzungen ja für sich. Pfleiderer hatte ich auch auf der Watchlist, aber ich bin nicht eingestiegen, weil an der Börse die Holding gelistet war, die Werte aber in den Tochtergesellschaften steckten – und daher die Insolvenz der Holding leicht zu verschmerzen war für die Gläubiger. Wacker Chemie macht nach wie vor Gewinne, ist also nicht mit Pfleiderer oder Praktiker zu vergleichen. Die haben ein (großes) Standbein in der Solarbranche und die wrackt gerade mächtig ab. Daher leidet das Ergebnis von Wacker Chemie, da ja auch eine Menge Solarkunden pleite gehen und für die Branche viele weitere Insolvenzen in den nächsten Wochen prognostiziert werden. Ich habe den Wert trotzdem auf meiner Watchlist, denn solange Wacker Chemie solide Ergebnisse im (Spezial)Chemiebereich bringt und unter dem Strich keine größeren Verluste auflaufen, bietet die Aktie perspektivisch Potenzial – sobald sich abzeichnet, dass die Soalrbranche einen Boden ausbildet, also konsolidiert und nicht mehr weiter abstürzt. Aktuell ist jedoch eines der größten Risiken die Subventionspolitik: einerseits klagen die Europäer gegen die Subventionen der Chinesen, andererseits haben diese gerade angekündigt, auf die US-Strafzölle mit zusätzlichen Subventionen für ihre Solarfirmen zu reagieren. Leidtragende werden wohl die europäischen und hier besonders die deutschen Solarwerte sein, so dass ich da momentan noch kein Licht am Horizont sehe. Und dem entsprechend sollte Wacker Chemie seitswärts bis abwärts tedieren, weil auch der Geschäftsverlauf nicht besser aussehen wird in den nächsten Monaten. Da das Unternehmen grundsätzlich solide ist, würde ich auch nicht (mehr) verkaufen. Eher etwas Liquidität bereithalten, um zuzukaufen, wenn sich die von mir genannte Konsolidierung im Solarsektor abzeichnet. Dann kann Wacker Chemie ein tolles Value-Investment werden – und man sollte seine Positionen eh immer vom aktuellen Standpunkt aus bewerten und nicht von seinem Einstiegskurs. Für den kann ja niemand was, außer man selbst… ^^

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