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Der Zusammenhang zwischen Kursschwankungen und Risiko

Es stimmt, dass man ohne Risiko an der Börse keinen Gewinn machen kann. Als Risiko wird im Allgemeinen die Unsicherheit von Merkmalen, Ereignissen, Zuständen oder Funktionen bezeichnet. Beim Investieren bezeichnet Risiko die Unsicherheit das eingesetzte Kapital mit ausreichend Gewinn zurückzubekommen. Allerdings hat sich in der Finanzwelt eine andere sehr eingeschränkte Bedeutung des Begriffs ‚Risiko‘ entwickelt. Er wird gleichgesetzt mit der Kursschwankung eines Wertpapiers – der Volatilität. Auch wenn es eine Beziehung zwischen den Kursschwankungen und dem Investitionsrisiko gibt, ist der Zusammenhang nicht hinreichend. Die Unsicherheit über die Kursschwankung spielt ausschliesslich für den Spekulanten eine Rolle.

In dem Ausmass, indem ein Investor in langfristige Anlagen investiert, wird er mit ziemlicher Sicherheit immer wieder mit Kursschwankungen konfrontiert sein. Als langfristig orientierter Investor sollte man diese Tatsachen kennen und sich sowohl finanziell als auch mental darauf vorbereiten. Nicht nur auf die Kursverluste, die schmerzen, sondern auch auf mögliche Kursanstiege, die einen Inverstor leicht zu einer spekulativen Einstellung und Verhaltensweise verführen. Es ist einfach zu sagen, dass man nicht auf Kursveränderungen spekuliert, wesentlich schwieriger ist es dies auch umzusetzen. Bei einer Investition geht es in erster Linie um regelmässige Einkünfte – nicht ausschliesslich um die Gewinne aus Preisveränderung.

Da Aktien stets Kursschwankungen ausgesetzt sind, sollte man sich als wertorientierter Inverstor überlegen, ob man von den Ausschlägen profitieren kann. Der Weg des Spekulanten läuft über Timing, also die Kursbewegungen am Aktienmarkt vorherzusehen: Zu kaufen, wenn die Kurse wahrscheinlich steigen werden und zu verkaufen, wenn die Kurse vermutlich fallen werden.

Dem gegenüber sollte der Investor den Weg des Preises wählen. Der Investor kann den wechselnden Preis nutzen, um sich an Unternehmen unter ihrem fairen Wert zu beteiligen und diese über ihrem fairen Wert wieder zu verkaufen.  Also günstig zu kaufen und teuer zu verkaufen.

Sollte der Preis nach seinem Kauf weiter fallen, freut er sich darüber noch günstiger zu kaufen. Denn der Kaufpreis bestimmt die Rendite. Dies ist mitunter einer der wichtigsten Sätze des wertorientierten Investors und man sollte sich ihn fest einprägen. Je höher der Kaufpreis, desto niedriger die Rendite und je niedriger der Kaufpreis, desto höher die Rendite. Der Ankaufkurs bestimmt die Rendite und auch das Risiko. Verkauft man zu einem hohen Preis, weiss man, dass man auch bei weiter steigenden Kursen, alles richtig gemacht hat, da die Rendite der regelmässigen Einkünfte und auch das Risiko der Anlage nicht mehr stimmen.

3 Kommentare
  1. Michael C. Kisgig sagte:

    Sehr richtig, Till. Besonders herausstreichend sollte man, dass sich Investoren keine Aktien kaufen, sondern an Unternehmen beteiligen. Denn [b]das[/b] ist der fundamentale Unterschied, der die Unterscheidung zwischen Wert und Preis (Aktienkurs) erst relevant macht. Ansonsten ist man nur ein Spekulant. Der größte Feind des Investors ist der Zweifel. Hat man sich nämlich einen fairen Wert eines Unternehmens erarbeitet spielt die Börse meistens ja nicht mit. Nicht selten notiert der Aktienkurs über diesem fairen Wert. Dann abzuwarten, obwohl man ja ein aussichtsreiches (nur eben zu teures) Unternehmen im Fokus hat, ist schwierig. Und dann… dann sackt der Aktienkurs tatsächlich ab und notiert unter dem fairen Wert. Ein Warren Buffet freut sich nun und ist ganz aufgeregt, weil er endlich, endlich zugreifen kann. Der normale Investor hingegen denkt nun, das etwas mit dem Unternehmen nciht stimmt, denn sonst würde der Kurs ja nicht so abstürzen. Oder dass er noch warten sollte, weil er die Aktien ja vielleicht noch billiger bekommt. Greife nie in ein fallendes Messer ist eine der meistzitierten Börsenweisheiten, die allerdings für Investoren keinesfalls hilfreich ist! Denn wenn ein Aktienkurs einbricht, ohne dass es hierfür handfeste (!) Gründe gibt (drohende Insolvenz, Atomeplosion im Vorgarten o.ä. Gravierendes), dann sollte man einfach zugreifen, wenn der Kurs unter den fairen Wert fällt. Und wenn er dann noch weiter fällt? Na und? Wer nicht auf reines Zocken mit Aktien aus ist, den sollte es nicht belasten, wenn der Kurs nochmals 10 Prozent oder mehr nachgibt. Der [b]Wert[/b] des Unternehmensanteils hat sich hierdurch nicht verändert. Sicher, man hätte für das gleiche Geld 110 statt 100 Aktien bekommen, aber auf lange Sicht ist das kaum entscheidend. Man muss nur langfristig investieren – oder frei nach Warren Buffet: es kommt nicht so sehr darauf an, zu welchem Kurs man einsteigt, sondern darauf, möglichst lange engagiert zu bleiben. Dadurch erzielt man die Rendite (Stichwort Zinseszinseffekt).

  2. A.N. sagte:

    Danke, das war ein sehr erhellender Artikel und ein wirklich informativer Kommentar, der zeigt wie das Verständnis vieler Leute gegenüber der Börsen/Aktien sind – nämlich falsch. Denn in erster Linien stehen hintern den Aktien Anteile an Firmen.

  3. Dr. Jürgen Nawatzki sagte:

    Mit der Börsenregel Greife nie in ein fallendes Messer ist das so eine Sache. Schließlich gibt es auch die Regel Buy on bad news – Kaufe bei schlechten Nachrichten. Dann kann man unter Umständen zu günstigen Kursen einsteigen. Börsenregeln ohne eine nähere Betrachtung der Umstände helfen also nicht immer weiter. Wenn eine Aktie fällt, muss man schon genauer nach den Ursachen schauen.

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