Unterschied zwischen Aktien und Unternehmen

Unterschied: Aktien und Unternehmen

Viele Menschen denken, es gibt einen fundamentalen Unterschied zwischen Aktien und Unternehmen. Das ist falsch! Aktionäre, die ihre unternehmerischen Pflichten nicht kennen, werden von der Börse getrieben und verschenken bares Geld.

Aktien sind keine reinen Finanzprodukte

Für viele Menschen sind Aktien reine Finanzprodukte, die durch eine abstrakte Preisfindung an der Börse ihren Wert bekommen. Als Value-Investor begrüsse ich diese Unwissenheit, da sie mir ermöglicht, Unternehmen billig zu kaufen und teuer zu verkaufen. Trotzdem möchte ich allen helfen, diesen Irrglauben aus der Welt zu schaffen.

Aktien sind nämlich keine Finanzprodukte sondern Sachwerte. Unternehmensbeteiligungen um genau zu sein. Sie unterscheiden sich nicht fundamental von dem kleinen Betrieb des Handwerksmeisters um die Ecke oder von der Privatpraxis Ihres Hausarztes. Aktien stellen eine Investition dar, die durch eine Tätigkeit einen zukünftigen Ertrag erbringen soll. Nur die rechtlichen Rahmenbedingungen unterscheiden sich ein bisschen.

Mit einer Aktie erwirbt der Aktionär nur einen Bruchteil des Unternehmens, während der Handwerksmeister und Ihr Hausarzt die Unternehmen meistens vollständig besitzen. Gleichzeitig geht der Aktionär nur eine beschränkte Haftung in der Höhe seiner Beteiligung ein, während der Handwerksmeister und Ihr Hausarzt je nach Gesellschaftsform auch mit dem eigenen Privatvermögen haften. Identisch ist, dass Sie wie bei allen anderen Unternehmensformen ein Recht auf Gewinnbeteiligung, ein Recht auf Mitsprache und ein Recht auf einen Teil der Liquidationsmasse haben.

Und darin liegt der wahre Wert einer Aktie. Es ist nicht die abstrakte Preisfindung an der Börse, die durch Emotionen und Herdenverhalten stark beeinflusst wird.

Kaufen Sie ein Geschäft bei Ihnen um die Ecke zum Kassenbestand?

Um zu zeigen, welcher Irrsinn an der Börse herrscht, vergessen Sie für einen Moment den Finanzmarkt. Stellen Sie sich ein lokales Geschäft an einer spärlich befahrenen Nebenstrasse vor. Der Eigentümer betreibt das Geschäft seit Jahren mit einem auskömmlichen Einkommen. Das Geschäft wächst nicht und sollte einmal renoviert werden. Der Eigentümer ist ein vorsichtiger Mensch. Er hat den grossen Teil seiner Einnahmen gespart und keine Schulden.

Nun stellen Sie sich vor, dass Geschäft zu betreten und dem Besitzer weniger als das Geld in der Kasse und das Inventar für sein Geschäft zu bieten. Der Besitzer würde sie auslachen. Genau das ist es aber, was an der Börse regelmässig passiert. Die Börse ermöglicht es manchmal Unternehmen für weniger als den Kassenbestand zu kaufen. Ein solches Angebot würde von jedem Unternehmer als Beleidigung aufgefasst werden, egal wie marginal das Geschäft ist. Doch an den Finanzmärkten werden jeden Tag solche Unternehmen (sogenannte Net-Nets) gehandelt. Und das schlimmste daran ist, dass viele Spekulanten und die Finanzwissenschaft es schaffen irgendwie so niedrige Bewertungen zu rechtfertigen.

Value Investoren stellen sich gegen die Psychologie der Börse.

Im Gegensatz zu deren Meinung, glaube ich, dass man mit solchen Unternehmen langfristig gutes Geld verdienen kann. Entweder indem man sein Mitspracherecht gelten macht und vorschlägt, dass Unternehmen zu liquideren, oder indem man sich an den Dividenden erfreut. Je nachdem in welcher Laune sich die Börse gerade befindet, haben diese Unternehmen ein gutes Chance/Risiko-Verhältnis. Als Value-Investor liegt die wichtigste Aufgabe darin starke Nerven und Durchhaltekraft zu besitzten, um sich nicht der Psychologie der Börse zu unterwerfen.

Als Value-Investor sollte man nicht davon träumen über Nacht zum Millionär zu werden, es ist jedoch möglich mit harter Arbeit und sehr viel Einsatz und Geduld. Wenn man sich an diese Regeln hält, wird man langfristig und seriös zu den Gewinnern zählen.

2 Kommentare
  1. Michael C. Kissig sagte:

    Sehr gut beschrieben, Till. Viele Leute betrachten Aktien so, als wären sie im Casino und würden auf Rot oder Schwarz setzen: eine beinahe 50:50-Cahnce (es spielen ja die Null bzw. die Bankspesen mit). Und das ist der Segen und der Fluch der Börse zugleich, dass man Aktien jederzeit wieder abstoßen kann. Ich denke, das ist ein wesentlicher Grund, weshalb viele Anleger bei der Auswahl ihrer Aktien eine zu geringe Sorgfalt an den Tag legen – wenn man sich geirrt hat, verkauft man eben wieder und realisert einen Verlust. Und die Karavane zieht weiter. Und die Stopp-Loss-Befürworter stoßen ja auch ins gleiche Horn, was ich für grundlegend falsch halte. Wenn man sich einmal für ein Unternehmen entschieden hat, und sich daran beteiligt, sollte man diese Beteiligung so betrachten, als wäre man Partner in diesem Unternehmen geworden. Der eigene Einstandskurs ist, nachdem man gekauft hat, völlig egal. Man sollte sein Augenmerk danach nur noch auf das Unternehmen und sein Geschäftstätigkeit legen. Gegen den Trend zu investieren, das ist die hohe Kunst, die arren Buffett zum Multimilliardär gemacht hat. Bei steigenden Kursen muss man investiert sein und bei abstürzenden Kursen muss man (nach-) kaufen. So entstehen die großen Börsengewinne und langfristiger Reichtum. Hektisches Hin- und Her bringt nur dem Broker Profit.

  2. Andreas sagte:

    Toller Artikel! Leider glauben wirklich zu viele Kleinanleger, dass eine Aktie nur eine Wette auf irgendetwas ist. Das Einzige was eine Aktie eines Unternehmens von einem kleinen Betrieb aus der Nachbarschaft unterscheidet, ist, dass es ständig Kauf- und Verkaufsangebote gibt. Aktien werden immer gehandelt und das zu teils drastisch unterschiedlichen Kursen innerhalb kürzester Zeit. Wenn der Kleinbetrieb auch jeden Tag einen Kaufpreis von verschiedenen Investoren einholen würde, würde er bestimmt auch stark schwankende Angebote bekommen. Als Investor einfach diese Preisschwankungen für sich zu Nutzen und sich nicht von Mr. Market verrückt machen zu lassen, ist die Kunst die eine normale Aktie, dann auch zu einem Anteil an einem normalen Unternehmen macht.

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