Insolvenz Praktiker

Praktiker steht vor der Insolvenz

Das Worst-Case Szenario ist eingetreten. Praktiker ist pleite und wird in irgendeiner Form abgewickelt. Nach dem verregneten Sommerbeginn und einer daraus folgenden Verzögerung der hohen Umsätze im Baumarktgeschäft, braucht der Praktikerkonzern Liquidität. Da diese nicht gewährt wird, muss Praktiker den Weg zum Insolvenzverwalter gehen.

Als Insolvenzgrund ist neben der Zahlungsunfähigkeit auch die Überschuldung angegeben, welche ich in dieser Situation aber für zweitrangig halte. Die wieder aufgenommenen Rabattaktionen „20 % auf alles“, die Verzögerung bei den Mietzahlungen und der gescheiterte Verkauf der luxemburgischen Tochtergesellschaft Bâtiself S.A. als angegebener Insolvenzgrund deuten darauf hin, dass es vor allem an Cash gemangelt hat.

Auch wenn der Vorstand prüfen wird, für welche Gesellschaften der Unternehmensgruppe Insolvenzanträge zu stellen sind und er die Sanierung für erfolgsversprechend hält, sehe ich keine grosse Hoffnung für die Fortführung des Konzerns, wie zum Beispiel bei der Pfleiderer AG, sondern eher eine Abwicklung à la Schlecker. Die einzige Unbekannte ist das Konsortium um Isabella de Krassny. Dieses besitzt neben einem nicht unbedeutenden Aktienteil (Alain de Krassny 9,95 %; Maseltov Ltd = 9,61 %; Semper Constantia Invest GmbH = 2,88 %) auch einen Kredit, welcher zur Finanzierung der Sanierung Ende letzten Jahres gegeben wurde. Dieser ist unter anderem durch Max Bahr abgesichert.

Nachdem die Anleihe gestern um 24 % gefallen und heute vom Handel ausgesetzt ist, können Kleinanleger weder verkaufen noch kaufen. Dies ist bei Anleihen von insolvenzgefährdeten Unternehmen normal und kommt relativ häufig vor. So wurde der Handel der Praktikeranleihe seit ich sie im Depot habe bereits zwei Mal vom Handel ausgesetzt. Auch wenn meine Investmentidee mit der Praktikeranleihe keinen grossen Gewinn mehr verspricht, bin ich nicht unglücklich mit meiner Entscheidung.

Auf den ersten Blick mag es so aussehen, als ob ich mich vor zwei Jahren falsch entschieden hätte, aber im Gegensatz zu meinen grössten Verlust, habe ich diesem Szenario eine relativ hohe Wahrscheinlichkeit eingeräumt. Jetzt bin ich gespannt, inwieweit meine Liquidierungsrechnung stimmt. Vor der Kapitalerhöhung in diesem Jahr lag mein kalkulierter Wert bei 23 %. Dies ist ein Wert von dem ich weiterhin ausgehe. Da mein Einkaufskurs bei 35,87 % liegt und ich zwei Ausschüttungen in Höhe von 5,875 % bekommen habe, gehe ich von einem Verlust von ca. 3 % [(23+5,875+5,875) / 35,87] aus. Durchaus akzeptabel für die Chance, die ich eingegangen bin. Natürlich besteht weiterhin das Risiko eines Totalausfalls. Dann muss ich detailliert auf Fehlersuche gehen.

Ich freue mich immer über zahlreiche Kommentare hier im Blog. Was haltet ihr von der derzeitigen Situation bei Praktiker? Wie beurteilt ihr euer Investment in Praktiker, falls ihr eines getätigt habt?

10 Kommentare
  1. Andreas sagte:

    Ich verfolge schon einige Zeit deine Ausführungen zu Praktika und hoffe nun für dich, dass deine Annahme einer Quote von 23 % stimmt. Ich habe zwar nicht in Praktiker investiert, kann dir aber nur Zustimmen, dass das Chancen/Risiko-Profil bei einem Anleihekurs von 30 % – 40 % durchaus ok war. 3 % Verlust (falls es dazu kommen sollte) sind auf alle Fälle auch zu verschmerzen.

  2. Hans sagte:

    Bin Laie in Sachen Wirtschaft … und werde das auch bleiben. Aber ‚Praktiker‘ wird doch ab August ‚Max Bahr‘. Nur mal so spaßeshalber gefragt: Könnte die derzeit wohl bevorstehende Insolvenz nicht irgendein Trick sein, um noch irgendwelche Werte in die neue Ära rüberziehen zu können, die ansonsten vielleicht verloren gehen könnten??

    • Till Schwalm sagte:

      Ein Laie in Sachen Wirtschaft zu sein, ist nicht unbedingt schlecht, wenn du Wirtschaft = Wirtschaftsstudium setzt. Wichtiger sind gesunder Menschenverstand und eine unternehmerische Ader. Diese scheinst du zu besitzen. Es ist so, dass ein Teil der Praktiker-Märkte (die Profitablen) in Max Bahr umgewandelt wurden – ca. 200 Stück. Diese sind laut ZDF-Nachrichten, welche ich gestern geguckt habe, nicht in der Pfändungsmasse des Konsortiums oder der Banken. Dies war/ist meine Befürchtung, aber es scheint mir logisch, dass man nicht einfach sein Pfand durch Umfirmierung erhöhen kann. D.h. das ein Teil der Praktiker-Märkte von der Insolvenz geschützt ist und in eine neue Ära gezogen werden, ist eine gute Sache für jeden Gläubiger des Praktikerkonzerns. Ein laufendes Geschäft mit Gewinnen wie Max Bahr zu verkaufen bringt vermutlich mehr ein als die einzelnen Geschäfte zu liquidieren.

  3. memyselfandi007 sagte:

    Hallo, ich hatte gestern auf meinem Blog geschrieben, dass m.E. die Recovery einstellig sein wird. Das Problem ist ja, dass Max Bahr schon verpfändet ist. D.h. der funktionierende Teil von praktiker geht an andere Gläubiger. Für die Bonds wird wenig bis gar nichts übrig bleiben. Es werden bei einer Rangfolge nicht alle Gläubiger gleichbehandelt. Wer das nicht weiss, sollte lieber die Finger von solchen Situationen lassen. MMI

  4. Till Schwalm sagte:

    Verpfändet wurden 54 Mio. Euro immaterieller Vermögenswert Max Bahr + 20 Mio. Cash, sowie 18 Mio. Immobilienvermögen. Ausserdem sind die Vorräte mit Eigentumsvorbehalt gekauft worden. Sind die Vorräte verkauft, ein Lieferant ist aber noch nicht bezahlt worden ist er gleichberechtigt wie ich als Anleihebesitzer. Das gleiche gilt auch für die verpfändeten Immobilien und der verpfändete immaterielle Vermögenswert Max Bahr. Pfand bezieht sich immer auf ganz konkrete Werte in der Bilanz. Wenn man also als erstes einmal die verpfändeten Vorräte aus der gesamten Rechnung heraus nimmt, sind nur 92 Mio. Euro verpfändet, dem gegenüber steht nach letzten Zahlen eine Bilanzsumme von 870 Mio. (1 584 Mio. [Bilanz] – 714 Mio.[Vorräte]). D.h. um auf deine einstellige Recovery-Rate zu kommen, gehst du von einem Verkauf der Vermögenswerte zwischen 10-20% aus. Das ist nach meiner Empfindung sehr niedrig. Vor allem wenn man annimmt, dass die Max Bahr Anteil über Buchwert verkauft werden muss, damit das Pfandrecht auf das immaterielle Vermögen greifen kann. Wenn man davon ausgeht, dass Max Bahr einen nicht unerheblichen Teil der Bilanz ausmacht sagen wir mal 30% und dieser mindestens zu Buchwert verkauft werden muss. Kommt man bereits auf eine zweistellige Recovery-Rate für die Anleihebesitzer. Mag sein, dass ich da einen Denkfehler habe. Wenn ja bitte ich um Aufklärung.

  5. memyselfandi007 sagte:

    Ja, sehr großer Denkfehler. Du gehst von einer konsolidierten Bilanz aus. Tatsächlich sind aber die Anteile an der Max Bahr Tochter inkl. aller darunter hängenden Vermögesngegenstände verpfändet. d.h. bevor der Anleihegläubiger den erstenn Cent sieht, wird Max Bahr inkl. aller vorraäte etc. esrtmal aus der Insolavenzmasse herausgelöst. Das was dann bleibt, dürfte im niedrigen einstelligen Prozentsatzbereich sein. Zusätzlcih werden dann in der Insolvenz noch Massekredite etc. kommen, die alle vorrangig sind. In einer Liquidation ist eine konsolidierte Bilanz nicht relevant, hier geht es einzig und allein um die Konzernstruktur und wer auf welcher Ebene Rechte hat. Je weiter von der wertvollen Tochter entfernt desto schlechte. Der Max Bahr Anteil wird im übrigen gar nicht verkauft, sondern geht einfach in das Eigentum des Darlehensgebers über. Die anderen Gläubiger müssten dann erstmal klagen. mmi

    • Till Schwalm sagte:

      Du willst mir also sagen, dass eine Firma die ca. 500 Mio. Wert ist (Max Bahr) und zu 54 Mio. Euro verpfändet für einen Kredit in Höhe von 60 Mio. Euro umsonst an die Darlehnsgeber geht? Also ich verstehe Pfand so, dass ich es versuche zu verkaufen, dann wird erst das Pfand abbezahlt (54 Mio. bzw. wenn der ganze Kredit 60 Mio.) und der Rest wandert an die restlichen Darlehensgeber…

  6. memyselfandi007 sagte:

    ähh, wie kommst Du auf die Idee dass Max Bahr 500 mio wert sein sollte ? Die haben 2011 und 2012 Verlust gemacht und 700 mio Umsatz. Wie das 500 Mio wert sein sollte erschliesst sich mir nicht. Ich vermute mal Du rechnest irgendwie Assets vor liabilites oder so. Aber mAx Bahr nimmt selbstevrständlich die eigenen Liabilites mit, die gehen ja nicht in Insolvenz. Rein technisch werden die Max Bahr Gläubiger vermutlich erst einen Kapitalschnitt bei Max Bahr machen, und dann das Darlehen gegen Sacheinlage einbringen. Als Resultat wirden dann die Gläubiger 99% oder mehr an Max Bahr halten. Das verbeibende Prozent an MAx Bahr geht dann in die Insolvenzmasse für Anleihe und Co. Das ist Standardvorgehensweise. Ich glaube an der Stelle lasse ich es mal gut sein….

  7. Till Schwalm sagte:

    Schade, aber vielen Dank für deinen Input. Meine Berechnung findest du in meinem neusten Artikel: [url=http://www.sfg-value.de/ressorts/investieren/93-die-praktiker-pleite-was-anleger-jetzt-tun-koennen]Die Praktiker-Pleite: Was Anleger jetzt tun können [/url] Dir weiterhin viel Erfolg!

  8. werner sagte:

    Das Thema „Praktiker“ ist sehr interessant. Von dem man viel lernen kann. Ich verfolge es schon seit einiger Zeit und finde immer mal gute Artikel auf Finance Magazin. Falls jemand Interesse hat, hier ist der Link: [url=http://www.finance-magazin.de/themen/praktiker/]Finance Magazin[/url] Also ich muss sagen, dass ich diese Situation schon ganz früh geahnt habe. Denn so starke Rabatt-Aktionen werden oft gefahren, wenn das Unternehmen liquider werden muss. Das Problem ist, dass dies zwar kurzfristig funktioniert doch auf langer Sicht nicht tragbar sein kann. Praktiker hätte von dieser Rabattaktion weg gehen müssen und mehr auf Service und Qualität setzten müssen. Gruß

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