Deutscher Energieversorger E.On

Update Analyse: E.On SE

Nachkauf eines strauchelnden Giganten, nachdem dieser eine Gewinnwarnung ausgegeben hat.

Ich habe am 14.11.2012 E.On SE zu einem Stückpreis von 14,18 EUR nachgekauft, nachdem die Aktie am Tag zuvor um mehr als 10 % einbrach. Der Grund des hohen Preisverfalls war eine Gewinnwarnung für die kommenden Jahre. Der Energieversorger kann keine Prognose für die Zukunft abgeben. Finde ich persönlich sympathisch, die meisten Analysten nicht.

Analysten und Banken haben Probleme ohne klare Zahlen

Für viele Banken und ihre Bewertungsmodelle sind klare Zahlen für die Zukunft wichtig. Sonst müssen sie selbst nachdenken, welche Zahlen sie für ihre Berechnung nutzen. Wichtiger als die genaue Berechnung der Zukunft, erscheint mir aber das Geschäftsmodell der Unternehmen und hier habe ich leider tatsächlich eine schlechte Nachricht auf Spiegel-Online gelesen.

Wirklich schlechte Nachricht

Laut einer Studie des Umweltministeriums droht der Hälfte aller Kraftwerke in Nordrhein-Westfalen das aus. Immerhin das einwohnerreichste Bundesland Deutschlands. Die erneuerbaren Energien und der Wertverfall des Stroms machen den konventionellen Energieproduzenten zu schaffen.

Warum man E.On trotzdem braucht

Wie ich aber schon in meiner vorherigen Analyse gesagt habe: „Auch wenn die deutsche Politik von einer dezentralen Energieversorgung durch viele Klein- und Kleinstproduzenten träumt, werden die Verteilung und der Handel in Zukunft weiterhin von den grossen Konzernen kontrolliert und gesteuert. Der milliardenschwere Netzausbau ist ohne die grossen Energieversorger in Deutschland aus meiner Sicht nicht zu meistern. Die Investitionen können auf den Stromkunden umgelegt werden. Dies eröffnet neben dem politischen Risiko und den aussergewöhnlichen Belastungen im letzten Jahr vor allem eine Chance auf die Rückkehr zu vergangen Erträgen.“

Aus der Gerüchteküche

Des Weiteren gibt es konkrete Gerüchte, dass E.On in den türkischen Energiemarkt einsteigt. Ein Tauschgeschäft in Milliardenhöhe mit dem österreichischen Konzern Verbund soll dies rasch ermöglichen. Gegen eine 50%-Beteiligung an Enerjisa soll E.On laut Handelsblatt Wasserkraftwerke in Deutschland und Österreich abgeben. Finde ich aus Diversifizierungsgründen prinzipiell nicht schlecht.

Fazit

An meiner Bewertung hat sich nichts geändert, deshalb der Nachkauf.

5 Kommentare
  1. Michael C. Kissig sagte:

    Moin Till, ich muss zugeben, dass mich der Kurssturz bei Eon auch gereitzt ht, aber ich komme zu einer deutlich negativeren Einschätzung der Zukunftsaussichten als Du. Das Problem von Eon ist, dass die Kraftwerke nicht ausgelastet sind, weil zu oft zu billiger Strom über die Strombörse angeboten wird. Das trifft nicht nur Eon, sodnern auch die anderen großen Versorger mit eigenen Kraftwerken. Und zwar nicht nur die KOhleraftwerke, sondern auch zunehmend – zugegeben – ältere Gaskraftwerke. Insofern ist diese Entwicklung schon existenzberdrohend für Eon. Wo Du falsch liegst, ist in Bezug auf die Netze. Diese sind nach Deutschen Recht strikt vom Vertrieb/der Erzeugung zu trennen (sog. Unbundling). Auch wenn es ein Unternehmen sein sollte, das beides betreibt, so dürfen Gewinne und Verluste der Bereiche nicht miteinander verrechnet werden. Und die Erträge aus dem Netzgeschäft werden staatlich strikt reguliert durch die Regulierungsbehörde – es werden immer nur nachgewiesene Kosten der Vergangenheit als Erlösobergrenzen für die Zukunft (5 Jahre Regulierungsperiode) genehmigt und dann auch noch um mehrere Prozent abgeschmolzen. Die Renditen in diesem Bereich haben sich in den vergangenen Jahren vaporisiert, das kann ich Dir als Aufsichtsratsmitglied bei einem regionalen Energieversorger mit eigenem Netz (aber ohne eigenes Kraftwerk) aus erster Hand beschreiben. Der bürokratische Aufwand für ein Klein-Stadtwerk ist übrigens der selbe wie für Eon, was die Netznutzungsentgelte bzw. deren Regulierung betrifft. Des Weiteren gebe ich zu bedenken, dass die großen Energieversorger in Deutschland ihre Netze teilweise auch bereits verkauft haben (z.B. an Tennet). Diese – geschmolzenen aber sicheren – Einnahmen haben sie dann natürlich nicht mehr. Ich würde daher auf absehbare Zeit nicht in deutsche Versorger investieren, weil die Risiken sich in den letzten zwei Jahren deutlich erhöht, während die Chancen sich nicht gerade gebessert haben. Die Kursabschläge sind daher aus meiner Sicht keine (Nach-)Kaufkurse, sondern verständliche Abwertungen auf den Unternehmenswert.

  2. Roman sagte:

    Hallo Michael, Tennet ist Pleite. Also so sicher (wenn auch geschmolzen) sind die Einnahmen aus dem Netzbetrieb dann wohl auch nicht. Fakt ist und bleibt das ohne Eon und RWE Deutschland still stehen würde. Natürlich sind beide keine Optimalen Investments, aber eine gewisse Preissetzungsmacht kann man schon feststellen. Desweiteren wurden erst vor kurzem die unlukrativen Gas Verträge neu verhandelt. Aber du hast natürlich Recht, es gibt enorme Unsicherheiten bezüglich der Versorger. Die Aktien scheinen billig, aber zu hoch sollte man sie dann auch nicht gewichten. Aber machen kann man das auf jeden Fall.

  3. Michael C. Kissig sagte:

    [quote]Hallo Michael, Tennet ist Pleite. [/quote] Moin Roman, das wäre mir neu. Tennet ist ja ein Unternehmen des niederländischen Staates und die machen nur ein paar Milliarden EUR Umsatz pro Jahr, deshalb können die nicht (alleine) die Zig Miiliarden EUR investieren, die für die Netze in der Nordsee und die Landanbindung nötig wären. Die sind nicht pleite, die sind schlicht zu klein, um sowas zu stemmen. Und Fremdkapital bekommen die auch nicht zur Zeit, weil eben nicht geklärt ist, wer haftet, wenn die Windparks nicht rechtzeitig angeschlossen werden und stillstehen. Dann bekommen die Windparkbetreiber nämlich Entschädigungen und die müssen irgendwo herkommen. Im Zweifel von den Netzbetreibern, weil die eigentlich verpflichtet sind, die Netze zur Verfügung zu stellen. Bleibt jedoch das Risiko bei denen, bekommen die von keiner Bank der Welt mehr Kredite. Daher auch das Rumgeeiere der Bundesregierung wegen der möglichen Haftungsfreistellung der Netzbetreiber (und dann müssen das ggf. die Verbraucher über die Strompreise bezahlen). Wenn man unbedingt in die Versorger will und das in Europa, könnte man sich ja auch eine ENI oder ENEL aus Italien anschauen oder eine EdP aus Prtugal. Die sind niedrig bewertet, haben eine hohe Dividendenrendite und die Märkte per se einiges Aufholpotenzial. Und – aus Börsensicht – nicht das Problem wie die Deutschen Versorger, dass sie von einem Erneuerbare Energiengesetz defacto an den Rand des Ruins getrieben werden.

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