Ausblick 2013

Ausblick 2013

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„Wenn zwei Leute über die Zukunft unterschiedlicher Meinung sind, kann theoretisch jeder Recht behalten. Da empfiehlt sich der Abschluss einer Wette.“

Otto Schlecht (*1925), dt. Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium

Nachdem der US-Haushaltskompromiss von den Finanzmärkten gefeiert wird und die Börse fulminant ins neue Jahr gestartet ist, sind sich alle einig. Die Börsenrallye wird anhalten, die Kurse weiter steigen. Meine Heimatzeitung sieht den DAX bereits bei 8’600 Punkten und kein Wölkchen am Himmel. Solch eine Nachrichtenlage sollte Value-Investoren skeptisch machen.

Benjamin Graham sagt in seinem Buch „The Intelligent Investor“ (dt.: „Intelligent Investieren„), dass man die langen Börsenzyklen systematisch nutzen sollte. In einem schwachen (pessimistischen) Markt sollte man kaufen und in einem stärkeren (optimistischen) Markt sollte man verkaufen. Das Prinzip dahinter ist einfach: Kaufe günstig, verkaufe teuer. Die Problematik liegt in der Entscheidung, wann ein Markt von den Anlegern als pessimistisch oder optimistisch bewertet wird.

Mittelwert – langfristige durchschnittliche Rendite

Ich nutze dazu ein für Value Investor doch eher technisches Werkzeug – einen Mittelwert. Für den DAX nehme ich eine durchschnittliche Rendite von 6,5 %. Welche ziemlich willkürlich ist, aber meiner Empfindung entspricht. Mathematisch könnte man diese belegen mit dem Mittel des durchschnittlichen historischen Kursanstiegs von ca. 8,5 % und einem historischen Median von ca. 4,5 %. Alternativ nimmt man eine Vorsteuerrendite von ca. 10 % und einen ziemlich gütigen Steuersatz von 35 %.

Befindet sich der DAX über meinem Richtwert, bin ich vorsichtig und ziehe Verkäufe vor. Befinde sich der DAX unter meiner „Prognose“, sitzt das Geld lockerer und ich ziehe Käufe vor. Im Moment ist mein Richtwert: 7’476 Punkte. Der DAX ist also historisch fair bewertet. Zum Ende des Jahres sehe ich den Dax fair bewertet bei ca. 8’000 Punkten.

Es handelt sich dabei jedoch um einen Richtwert, um meine Emotionen zu kontrollieren, und keine Prognose, um darauf zu wetten.

Alternativ kann man noch die Eigenschaften von Benjamin Graham für einen Bullenmarkt betrachten:

(1) ein historisch hohes Kursniveau – Nein!

(2) ein hohes KGV (DAX KGV = 11) – Nein!

(3) geringe Dividendenerträge im Vergleich zu Rendite von Anleihen – Nein!

(4) viel Spekulation auf Marge – Weiss ich nicht.

(5) viele Erstemissionen von Aktien minderer Qualität – Lässt man Facebook aussen vor, nein!

Auch Benjamin Grahams Eigenschaften sprechen gegen einen überhitzten Bullenmarkt.

Meine Empfehlung für 2013 ist ein eher vorsichtiges Agieren auf dem Aktienmarkt als 2012. Die Vorzeichen sind nicht so gut wie Ende 2011. Die grossen Themen Eurokrise, Zentralbankgeldspritzen, Immobilienspekulation und Inflationssorgen werden den Anleger auch im neuen Jahr begleiten. Als Value-Investor liegt die wichtigste Aufgabe darin, starke Nerven und Durchhaltekraft zu besitzen, um sich nicht der Psychologie der Börse zu unterwerfen. Als Value-Investor sollte man nicht davon träumen über Nacht zum Millionär zu werden, es ist jedoch möglich mit harter Arbeit und sehr viel Einsatz und Geduld. Wenn man sich an diese Regeln hält, wird man langfristig und seriös zu den Gewinnern zählen.

2 Kommentare
  1. Michael C. Kissig sagte:

    Moin Tim, ich teile Deine Auffassung, dass eine zunehmend optimistische Stimmung der Börsenblätter ein Warnzeichen ist. Andererseits sind die Aktien zwar gut gelaufen, aber – wie Du ja selbst schreibst – die Bewertungen sind dabei nicht zu hoch geschnellt. Von dieser Seite aus sind die Aktien also noch nicht teuer. Und man darf nicht vergessen, dass wir in einer handfesten globalen Wirtschaftskrise stecken, so dass die Aktienkurse bei den ersten Anzeichen von Erholung weiteres, und zwar deuutliches, Potenzail haben. Alles in allem also keine Gefahr für die Kurse, auch wenn die Volatilität weiterhin hoch bleiben dürfte. Dazu ist die Unsicherheit über die großen Probleme (US-Defizit, Eurokrise usw.) zu gegenwärtig und die probleme auch zu gewaltig, als dass man sie außer Acht lassen könnte. Eine Anmerkung habe ich noch: erläutere doch noch, weshalb Du den DAX als Vergleichsbasis ausgewählt hast und dann als Performance-Index und nicht als Kursindex (wo die ausgeschütteten Dividenden nicht als wiederangelegt eingerechnet werden).

  2. Till S. sagte:

    Hi Michael Den Performance DAX benutze ich als Vergleichsindex, weil ich mich persönlich mit ihm Messe und das beste Gefühl für seinen Wert entwickelt habe. Der S&P 500 oder ein Worldindex würde wahrscheinlich als Grundlage, die aktuelle Psychologie der Anleger besser widerspiegeln. Allerdings sagt mir eine Bewertung des DAX von 8000 Punkten mehr als ein S&P 500 zu 1500 Punkten. Dies ist auch der Grund, warum ich nicht den Kursindex benutze. Wie ich schon im Artikel gesagt habe, dies ist keine hart-fact fundierte Prognose auf die ich spekulieren möchte, sondern eine Einschätzung um meine eigene Psychologie zu kontrollieren. PS.: Ich heisse Till, nicht Tim.

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