Meine 1-jährige Tochter, die Aktionärin

Meine 1-jährige Tochter, die Aktionärin

Viele kennen das Sparbuch von unseren Großeltern, welches zur Geburt von uns Enkelkindern eingerichtet wurde. Zu jedem Geburtstag und jedem Weihnachten wurde ein kleiner Betrag eingezahlt. Und zum 18. Geburtstag hat es dann den Führerschein oder das erste Auto finanziert. Bei mir war es zumindest hinsichtlich des Führerscheins so.

Ich bin im letzten Jahr Vater geworden. Und es stellte sich in der Familie die Frage, ob und wenn ja, wie man heutzutage für seine Kinder/Enkelkinder sparen sollte. Ein Sparbuch kommt nicht mehr in Frage. Das erklärt sich bei den aktuellen Zinsen von selbst, wobei man ehrlicherweise sagen muss, dass sich ein Sparbuch über 18 Jahre Anlagezeitraum verglichen mit Aktien selten gerechnet hat.

Wir haben uns also für ein Aktiendepot entschieden. Anders als meine Großeltern, die für mich angespart haben, hat unsere kleine Tochter direkt eine größere Summe zur Geburt bekommen. Trotzdem stellte sich die Frage, soll man seinem Kind das Geld bereits schenken oder besser abwarten, um zu sehen, wie es sich entwickelt? Ich denke da ähnlich wie mein Blogger-Kollege Nico von Finanzglück. Es geht darum, den Kindern finanzielle Verantwortung beizubringen, deshalb sollten sie auch das Geld haben. Anders als Nico investiere ich aber nicht in einen ETF-Sparplan.

Das liegt zum einen daran, dass wir nicht einen Teil des Kindergeldes investieren, sondern das Geld bereits da ist. Und auch wenn sich die Märkte 2017 auf Rekordkursen befunden haben, ist ein Sparplan der Einmalanlage unterlegen, wenn die mittlere Rendite im Anlagezeitraum positiv ist. Dies war zumindest beim DAX über 18 Jahren bisher immer der Fall, wie ein Vergleich des klassischen Renditedreieckes zum Sparplandreieck zeigt.

Die nächste Frage, die wir uns gestellt haben: Einzelaktien oder ein breiter ETF? Und hier bin ich nach meinem Bauch gegangen: Einzelaktien. Im vollen Bewusstsein wahrscheinlich Rendite links liegen zu lassen und ein größeres Risiko einzugehen. Manchmal ist es wichtig, auf diese irrationale Überzeugung in unserem Inneren zu achten.

Ich möchte meiner Tochter neben der finanziellen Verantwortung auch etwas über Aktien und Kapitalismus, der über die pure Gewinnmaximierung hinausgeht, beibringen. Ich möchte, dass sie irgendwann versteht, dass Aktien Unternehmensbeteiligungen sind und in diesen Menschen für einen arbeiten, und keine abstrakten Wertpapiere. Ich möchte, dass sie sich später mit ihrem Portfolio identifizieren kann. Ich möchte, dass sie im Supermarkt, beim Shoppen oder wenn sie am Computer sitzt, ihre Firmen wiedererkennt. Das geht nicht mit einem ETF.

Also habe ich mich der Herausforderung gestellt, zehn Einzeltitel in zwölf Monaten zu finden. Ich glaube bis zu ihrem ersten Geburtstag zehn Unternehmen gefunden zu haben, die in 18 Jahren noch existieren und nicht zu teuer waren. Eine spannende Aufgabe.

Alle Kaufabrechnungen habe ich ausgedruckt und in ihrem Ordner abgelegt, sodass wir, wenn sie alt genug ist und anfängt sich dafür zu interessieren, mit ihr darüber sprechen können. Dividenden werden selbstverständlich reinvestiert, sobald eine entsprechende Summe zusammengekommen ist. Voraussichtlich das erste Mal zu ihrem dritten Geburtstag. Dann können auch neue Titel dazukommen und später möchte ich diese mit ihr zusammen auswählen.

In diesem Sinne, mein Schatz, ist dieser Blogeintrag in erster Linie für dich und als Erinnerung für mich geschrieben.

Alles Liebe,
dein Papa (oder derzeit «dada»)

Das Ei des Kostolany

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Gemessen an der Volatilität hat es nach einem sehr ruhigen Aktienmarkt 2017 mit auf breiter Front steigenden Kursen seit Anfang des Jahres einige Unruhe mit fallenden Kursen gegeben. Ein Phänomen, welches in mir die Erinnerung an das „Ei des Kostolany“ hervorgerufen hat. Es ist aus meiner Sicht eines der eindrücklichsten Schaubilder hinsichtlich der zyklischen Bewegung von Aktienmärkten

André Kostolany (1906 – 1999) geht von drei Phasen aus, die sich wiederholen: der Überreibung, dem Stimmungsumschwung und der Korrektur. Diese drei Phasen gibt es sowohl in der Aufwärts- als auch in der Abwärtsentwicklung des Marktes. Wenn man weiß, in welcher Phase sich der Markt befindet, kann man je nachdem verkaufen, abwarten oder kaufen.

Der Börsenzyklus im Ei des Kostolany

Kostolany unterteilt dabei in umsatzstarke und -schwache Märkte. Zusätzlich stellt die Ei-Spitze hohe Börsenkurse dar und der Ei-Boden tiefe Kurse. Dabei sind je Börsenphase nach seiner Beobachtung die zittrigen oder die hartgesottenen Anleger am Werk. In der Übertreibung der Aufwärtsphase kaufen zittrige Anleger voller Euphorie. Danach bröckeln die Kurse bei niedrigen Umsätzen in denen in erster Linie die Hartgesottenen verkaufen. Gefolgt von einem langen Stimmungsumschwung. Anschließend gibt es Panikverkäufe der zittrigen Anleger und eine Übertreibung der Abwärtsphase. Dieser folgt eine Phase sich leicht erholenden Kurse mit niedrigen Umsätzen, in der nur noch wenige Hartgesottene kaufen. Gefolgt von einem weiteren langen Stimmungsumschwung. Und das Ei des Kostolany beginnt von vorne.

Das Ei des Kostolany

*aus „Der grosse Kostolany: Börsenseminar – Börsenpsychologie – Die besten Geldgeschichten

Wie ordne ich meine Finanzen?

Ich wurde letzten Monat von einer Freundin angesprochen. Sie wollte von mir wissen, wie sie für das Alter vorsorgen soll? Bzw. wie ich denn spare? Sie hat einen Bausparvertrag, eine betriebliche Altersvorsorge, ein Tagesgeldkonto und kein Depot, dafür aber irgendeinen Dachfonds, abgeschlossen bei irgendeinem Strukturvertrieb à la tecis, swiss life, Deutsche Vermögensberatung etc. Sicher weil Dachfonds das non-plus-ultra an risikoadjustierter Rendite darstellen und nicht, weil man dort die höchsten Abschlussgebühren bekommt… Dazu kommen noch ihre staatliche Rente, auf die sie sich nicht verlassen möchte, und diverse Versicherungen.

Bisher sind die meisten ihrer Finanzentscheidungen durch Zufall entstanden. Den Bausparvertrag hat ihr vor 10 Jahren die Hausbank aufgeschwatzt. Die betriebliche Altersvorsorge hat ihr die Kollegin aus der Personalabteilung empfohlen. Und der „Vermögensberater“ war ein armer Onkel, der an alle Bekannte und Verwandte den gleichen Dachfonds vertickt hat. Nach dem zweiten Bier wollte sie zusammen mit mir die Sache etwas strategischer angehen.

„Kannst du mich nicht beraten?“

Beraten darf ich sie nicht, aber allgemeine Ratschläge, damit die Altersvorsorge kein Zufallsprodukt bleibt, kann ich erteilen:

1. Überblick verschaffen

Als erstes sollte man sich einen finanziellen Überblick verschaffen. Den Finanzdschungel ordnen. Nur zusammentragen, ohne Wertung. Es ist wichtig, bei seinem Finanzplan die individuelle Einkommens- und Lebenssituation zu berücksichtigen und diese richtig einzuschätzen. Das geht nur, wenn man weiß, wie die eigenen Finanzen aussehen.

Dazu gehört, eine Art Kassensturz zu machen, indem man seine Einnahmen und Ausgaben gegenüberstellt. Je nach Vorliebe kann man sich eine Excel Datei anlegen, ein kleines Büchlein führen oder eine App nutzen. Zusätzlich erstellt man eine Art Bilanz über seinen privaten Besitz. Hier listet man alle Vermögensgegenstände auf und zieht anschließend seine Schulden ab.

Dies muss nicht an einem Nachmittag geschehen. Es reicht, wenn man mit einem kleinen Teil anfängt und sich nach und nach durch den eigenen Finanzdschungel arbeitet. Zum Beispiel listet man als erstes alle Konten auf. Das dauert keine 30 Minuten. Am nächsten Tag listet man alle Versicherungen inkl. Prämien auf und so weiter und so fort.

Am Ende sollten zwei Übersichten existieren: Eine Gegenüberstellung der Ein- und Ausgaben und eine Auflistung der Vermögensgegenstände und Schulden.

Hat man dies geschafft, ist man dem Ziel für das Alter vorzusorgen schon einen großen Schritt näher. Nach meiner Erfahrung wird man durch diese Aufgabe automatisch zu einem sorgsameren und bewussteren Anleger und verschafft sich einen Vorteil gegenüber impulsiveren Anlegern.

2. Kleine und große Ziele festlegen

Als nächstes sollte man sich Ziele setzen. Das können große oder kleine, kurzfristige oder langfristige Ziele sein. Wobei man am besten von den großen, langfristigen Zielen „Im Alter monatlich netto mindestens 2000,- EUR zur Verfügung haben.“ zu den kleinen, kurzfristigen Zielen „In diesem Jahr auf einen durchschnittliche Sparquote von mindestens 150,- EUR pro Monat kommen.“ geht.

Zusätzlich sollte große finanzielle Anschaffung berücksichtigt werden. Zum Beispiel wenn man ein Sabbatical oder einen Hauskauf plant. Auch sollte man ausreichende Puffer für Eventualitäten einbauen. So kann man als erstes Ziel zum Beispiel einen Eisernliquiditätspuffer von 3 Monatsausgaben definieren. Dieser schützt einen zum Beispiel davor bei überraschenden Reparaturen nicht in den Altersvorsorgetopf zu greifen.

3. Nicht den Kopf verlieren: Finanzen und Ziele überprüfen

Zum Schluss sollte man jede Position seiner Finanzübersicht durchgehen und prüfen, ob diese zielführend ist. Hierbei nicht den Kopf verlieren und nicht prokrastinieren.

Fazit

Für das Alter vorzusorgen ist eine gute Sache, aber man muss wissen wie man sie angehen. Einfach ist es nicht. Dem Zufall überlassen, sollte man es auch nicht. Manchmal hilft es, nicht den großen Wurf mithilfe eines befreundeten Finanzanalysten zu machen, sondern alleine Schritt für Schritt vorzugehen. Um eine gute Altersvorsorge zu bekommen, muss man sich selber kümmern. In diesem Sinne:

  • Schritt 1: Bestandsaufnahme.
  • Schritt 2: Ziele festlegen.
  • Schritt 3: Überprüfen, ob Bestände zielführend sind.

Cost Average Effekt: Sinnvoll oder nicht?

Heute möchte ich euch eine neue Seite von mir vorstellen. Es ist ein Onepager über das Thema Cost Average Effekt (Durchschnittskosteneffekt) und Sparpläne. Die Seite soll dem Leser vor allem helfen, die Vor- und Nachteil richtig einschätzen zu können. Der Sparplan hilft in der Krise nicht zu verkaufen. Er hilft dem Anleger investiert zu bleiben. Aus diesem Grund halte ich den Sparplan oder das Nutzen des Cost-Average-Effektes für die meisten Anleger für sinnvoll. Trotzdem muss man sagen, dass der Cost-Average-Effekt bei einem langfristigen Anlagehorizont der Einmalanlage unterlegen ist.

www.cost-average-effekt.de

 

Ich möchte die Seite gerne ausbauen und bin dabei auf eure Untertstüzung angewiesen. Habt ihr Idee und Anregungen rund um das Thema Cost Average Effekt und Sparpläne? Bitte schreibt mir eine E-Mail oder hinterlasst mir einen Kommentar.

Gratis Research

Gratis Research

Mit MIFID II tritt das sogenannte Research Unbundling in Kraft. Personen außerhalb der Finanzbranche sagt dies nichts, für Buy-Side Analysten, Fondsmanger und andere Personen der Branche hat dies aber große Folgen. Vor 2018 war es so, dass Fondshäuser indem sie über bestimmte Broker eine bestimmte Menge Wertpapiere gehandelt haben, gratis mit Unternehmensanalysen versorgt wurden. Die Kosten für die Analysten wurden indirekt durch die Handelsgebühren (Trading-Fees) gezahlt. Ab diesem Jahr muss man die Kosten für die Research gesondert abführen und die Handelsgebühren entsprechend absenken. Ob dies passieren wird, ist noch nicht klar. Aber „gratis“ Research steht den unabhängigen Fondshäuser auf jeden Fall nicht mehr zur Verfügung, nur weil sie mit einer bestimmten Bank Geschäfte macht. Aber es geht auch anderes und dies auch für Privatpersonen!

Seiten mit gratis Unternehmensanalysen

Es ist so, dass man trotzdem gratis an Research kommen kann und dies nicht nur als großer Fondsmanager. Manchmal veröffentlichen Unternehmen direkt auf ihrer Homepage gesponserten Research, wobei es mir um die Suche auf einzelnen Unternehmensseiten nicht geht. Ich habe hier zwei Seiten gefunden auf denen man gesammelt an Research kommt:

Research für japanische Unterenehmen: Shared Research
Research für deutsche Unternehmen: Investor Relations Center

Wichtig ist, zu wissen, dass die Berichte hier im Regelfall von den Unternehmen bezahlt wurden. Das heißt, sie sind nicht neutral. Manchmal liefern sie aber trotzdem eine gute Übersicht.

Kennt ihr ähnliche Seiten? Wenn ja, hinterlasst diese doch in einem kurzen Kommentar!


Willst du mehr zum Thema erfahren?

Willst du mehr zum Thema erfahren?Wenn du offline weiterlesen möchtest, kann ich dir Einfach Investieren – Grundlagen des Value Investing von Till Schwalm empfehlen.

Das Buch zeigt, wie jeder Privatanleger von den erfolgreichen Strategien von Warren Buffett & Co. profitieren kann. Er erläutert die Grundlagen des Investierens, gibt konkrete Tipps und hilft bei den ersten Schritten an der Börse. Die Grundlagen des Value Investing kompakt für Einsteiger aufbereitet.

SimFin Screenshot Startseite

Probiert SimFin!

Vor mehr als einem Jahr habe ich euch die Idee „SimFin“ eines guten Freundes und Mitbegründer des Investment-Clubs „SFG Value“ vorgestellt. Die Idee ist eine Plattform, die alle Bilanzdaten von gelisteten US-Firmen frei zugänglich zur Verfügung stellt und das Ziel hat, Unternehmensdaten aller börsennotierten Firmen der Welt jedem zugänglich zu machen – ähnlich wie die sehr teuren Dienste von Bloomberg oder Reuters.

Beta-Phase ist abgeschlossen!

Von der technologischen Seite ist die Plattform fertig. Jetzt muss sie sich im Alltag etablieren und weiterentwickeln. Neben dem Bot, der im Hintergrund zumindest für US-Titel die Fundamentaldaten zieht und diese bereinigt und standardisiert wiedergibt, hat man auch ein ziemlich coolen Stock Screener eingebaut.

Der Stock Screener

Einfach Kriterien wählen und unter „filter/customise“ anpassen. Die Anmeldung dafür ist lohnenswert und kommt an ein professionelles Screening-Werkzeug heran. Einziges Manko: die Datenbank ist mit knapp über 1.400 Werten zwar nicht winzig, aber im Vergleich zu den 40.000 relevanten Titel bei Bloomberg doch noch überschaubar. Und hier kommt es auf euch an! Die Community kann die Datenbank erweitern indem man neue Titel einträgt. Das geht indem man für Unternehmen, die in der SEC-Datenbank sind, den Bot losschickt und anschließend die Bilanzdaten kontrolliert. Es wird somit in absehbarer Zukunft alle relevanten US-Unternehmen geben.

Die Fundamentaldaten

Wichtiger als der Screener sind aber die Daten zu den einzelnen Unternehmen. Wenn ihr auf SimFin Fuse geht und dort zum Beispiel nach einem US-Unternehmen, wie „Mattel Inc“ sucht, bekommt ihr nach einem Augenblick (der Bot überprüft in der Zeit, ob es neue Financial Statements bei der SEC gibt) die vollständigen historischen Fundamentaldaten. Für mich besonders relevant: sie stehen anschließend zum Download zur Verfügung, sodass man mit ihnen eigene Bewertungsmodelle füttern oder bauen kann. Hierbei kann man über Data Selection (rechts) sich auch die Quartalszahlen ausgeben lassen und so die aktuellsten Zahlen bekommen.

In diesem Sinne würde ich mich freuen, wenn ihr SimFin ausprobiert, unter Umständen Teil der Community werdet und vor allem www.simfin.com mit so vielen Menschen wie möglich teilt!

Was ist eigentlich ein Schneeballsystem?

Ich wurde nach der Veröffentlichung meines Artikels über ein Schneeballsystem im letzten Monat darauf aufmerksam gemacht, dass in ihm teilweise die Darstellung von Fakten zur Taterfüllung „Schneeballsystem und/oder Ponzi-Scheme“ fehlen. Im allgemeinen Sprachgebrauch ist es gängig den Begriff „Schneeballsystem“ für ein Vertriebssystem zu nutzen, das darauf beruht, in erster Linie neue Mitglieder oder Investoren für das System anzuwerben. Nicht der Verkauf von Produkten oder Dienstleistung steht im Mittelpunkt, sondern der Vertrieb selbst. Dabei wird der Begriff als Sammelbecken genutzt, um pyramidenartigen Vertriebssystemen mit illegalem Charakter zu beschreiben.

Rechtliche Abgrenzung

Neben dieser gängigen Bedeutung gibt es auch eine rechtliche Abgrenzung, die den allgemeinen Sprachgebrauch widerspiegelt. In Deutschland im § 16 Abs. 2 Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) zu finden:

 „Wer es im geschäftlichen Verkehr unternimmt, Verbraucher zur Abnahme von Waren, Dienstleistungen oder Rechten durch das Versprechen zu veranlassen, sie würden entweder vom Veranstalter selbst oder von einem Dritten besondere Vorteile erlangen, wenn sie andere zum Abschluss gleichartiger Geschäfte veranlassen, die ihrerseits nach der Art dieser Werbung derartige Vorteile für eine entsprechende Werbung weiterer Abnehmer erlangen sollen, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.“

Schneeballsystem vs. MLM

Abgesehen von dieser Bedeutung gibt es auch eine eingeschränkte Beschreibung, welche ich hier kurz behandeln möchte: das Schneeballsystem in Abgrenzung zu Multilevel-Marketing (kurz MLM), Network-Marketing und Strukturvertrieb, da diese gerne genommen werden um Schneeballsystem als legal darzustellen. In dieser eingeschränkten Beschreibung wird ein Schneeballsystem gleichgesetzt mit einem Vertriebssystem bei dem kein oder kaum Geschäft vorliegt, sondern nur oder überwiegend ein Vertriebssystem.

Ein MLM ist dagegen ein Geschäft, bei dem ein Grossteil des Deckungsbeitrags in einen sehr vertikal ausgerichteten Vertrieb mit vielen Ebenen fliesst. Während jedes Geschäft bei dem keine Dienstleistung erbracht wird oder bei dem kein Produkt verkauft wird ein illegales Schneeballsystem darstellt, können Vertriebssysteme bei denen Produkte oder Dienstleistungen verkauft werden Schneeballsysteme sein oder nicht. Dies hängt vom Grad ab, wieviel Aufwand für Vertriebsmitgliederwerbung zur tatsächlichen Kundengewinnung betrieben wird. Oder anders ausgedrückt, liegt der Fokus auf der Gewinnung von Vertriebsmitgliedern oder Kunden.

Der rosa Elefant

Übrigens hierzu eine interessante Frage: Kann man beweisen, ob es in einem MLM kein Geschäft gibt oder nicht? Die Problematik ist hier eine Negativaussage zu widerlegen. Dies ist unmöglich. Einfaches Beispiel: „Es gibt keine fliegenden rosa Elefanten.“ Diese Aussage kann man nicht als 100% wahr beschreiben. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass es sie gibt, aber nicht ausgeschlossen.

Das gleiche gilt auch für die Aussage: „Diese Vertriebsstruktur hat kein Geschäft, welches diese Renditen ermöglicht.“ Es ist unmöglich dies mit 100%-iger Wahrscheinlichkeit zu sagen. Aber: Wenn man auch auf Nachfrage keine plausiblen Zahlen präsentiert bekommt, geschweige denn überhaupt ein Geschäft, dann ist es sehr unwahrscheinlich, dass es dieses gibt. Ein Geschäft sollte sehr einfach beschrieben werden können.

Was ist ein MLM?

Aber zurück zu der Unterscheidung Mulitlevel-Marketing (MLM) zu Schneeballsystem oder gibt es ein Geschäft hinter dem Vertrieb? Beim MLM ist dies zu bestätigen. Tupperware, Thermomix,  Herbalife, Swiss Life Select (ehemals AWD), Deutsche Vermögensberatung, oder ähnliche Geschäfte sind MLMs, die legal sind und Produkten, wie Aufbewahrungsboxen, Küchengeräte, Nahrungsergänzungsmittel, Versicherungen oder Vermögensdienstleistungen über eine Strukturvertrieb verkaufen.

Allen gemein ist, dass die Produkte relativ teuer sind. Unter anderem weil der Vertrieb relativ teuer ist. Während man beim Direktvertrieb oder über den Einzelhandel normalerweise 1-2  Parteien bezahlen muss (Grosshandel und Handel/Handelsvertreter), gibt es z.B. bei Herbalife 8-10 Ebenen (Distributor, Success Builder, Supervisor, World Team, GET Team, Millionair Team, President Team, Chairman’s Club), die alle bezahlt werden müssen. Dies macht die Produkte entsprechend teuer.

Die Rendite von Hebalife Inc. für den Aktionär, also für das Unternehmen, ist trotz der teuren Produkte übrigens nicht besser als bei Firmen mit vergleichbaren günstigeren Produkten und ohne Strukturvertrieb, wie z.B. Glanbia plc. Ein Grund, warum ich als Value Investor solche Güter oder Dienstleistung ungerne in Anspruch nehme und auch lieber in Unternehmen ohne Strukturvertrieb investiere.

Aber das Geschäft ist legal, weil in letzter Konsequenz Produkte oder Dienstleistungen an Konsumenten verkauft werden. Illegal wäre ein solcher Vertrieb in dem Moment, indem es in erster Linie darum ginge neue Vertreter anzuwerben, anstatt tatsächliche Kunden für die Produkte zu finden. Gibt es diese Produkte oder Dienstleistung hinter dem MLM nicht, ist es ein illegales Schneeballsystem.

Besonderheit Ponzi-Scheme

Eine Besonderheit nimmt hierbei das Ponzi-Scheme ein. Hierbei steht auch der Vertrieb mit Versprechen von hohen Renditen im Mittelpunkt ohne dass tatsächlich Investiert wird. Möchte jemand ausgezahlt werden, wird er mit den Geldern von anderen Kunden bezahlt. Oft aber nicht immer wird ein Ponzi-Scheme mit einer pyramidenartigen Vertriebsstruktur unterlegt. Trotzdem ist es gängig im deutschen Sprachgebrauch auch hier von einem Schneeballsystem zu sprechen, da sowohl die reine Vertriebsstruktur ohne Geschäft, als auch das Ponzi-Scheme ohne Investment von einer exponentielle Anzahl steigender Mitglieder lebt. Stockt die Akquise von Neumitgliedern bricht das System zusammen.

Ich hoffe der Artikel hilft ein wenig weiter bei der Einordnung des Themas. Schreibt mir gerne eure Kommentare, was für euch Schneeballsysteme sind und was sie ausmachen?

 

Ein kurzer Tipp, wie man Gebühren sparen kann

Das Handeln mit Wertpapieren kostet Geld. Ein wichtiges Thema beim Investieren ist die Kostendisziplin. Oft ist es besser ein bisschen Energie in die Senkung der Ausgaben zu stecken, als ausschließlich in die Auswahl der richtigen Anlage. Mit dem folgenden kleinen Trick der weniger als zwei Stunden Aufwand im Jahr bedeutet lässt sich nach meiner Erfahrung indirekt die Handelsgebühren einsparen.

Warnung vor der BizNet Class und Questra World!

Am Donnerstag wurde ich über Facebook von einem gewissen Daniel J. angeschrieben. Dieser hat mich für die BizNet Class (hier Videos) umworben, welche von einem Sven F.  initiiert wurde. Die BizNet Class ist ein klassisches Schneeballsystem bzw. ein Ponzi Scheme. Sie steht in Verbindung zu der Questra World respektive der Questra Holding. Es werden 20-30% Rendite pro Monat versprochen und dass sich die Rendite erhöht, umso mehr „Mitglieder“ man wirbt. Allerdings konnte mir keiner aus der BizNet Class Gemeinschaft die einfache Frage: „Wie verdient ihr Geld?“ beantworten.

Ich bin nicht der Erste, der davor warnt. Neben einigen Anwälten und Homepages, warnen auch mehreren Finanzaufsichtsbehörden (z.B. Belgien oder Österreich) vor der BizNet Class.

Finanzoo

Das Scoring-Modell von www.finanzoo.de

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Nicht erst seit den Erfolgen von Warren Buffet mit Investmentmethoden der fundamentalen Aktienanalyse, beschäftigen sich immer mehr institutionelle und private Anleger mit Fragen der analytischen Auswertung von Unternehmensbilanzen. Bereits Mitte des letzten Jahrhunderts hat Benjamin Graham hierzu eine wissenschaftliche Ausarbeitung in Form seines Buchs Intelligent Investieren (Orginal: The Intelligent Investor) vorgelegt. Im folgenden Artikel wird die Methode der fundamentalen Aktienanalyse beschrieben und ein Ansatz zur Umsetzung über das automatisierte Scoring-Portal www.finanzoo.de aufgezeigt.

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