betriebliche Altersvorsorge

Ist die fondsgebundene Direktversicherung ein Value Investment?

Nachdem ich Ende des letzten Jahres die Petition „Altersvorsorge mit Wertpapierdepots“ unterstützt habe und ich kein Vertrauen in das Umlageverfahren habe, setzte ich mich jetzt mit anderen Möglichkeiten der Altersvorsorge auseinander. Dabei erschien mir die fondsgebundenen Direktversicherung als betriebliche Vorsorge sinnvoll. Ein Grund dafür ist die Steuerverschiebung. Ähnlich dem Vorschlag der Petition sind die Einzahlungen vom Bruttolohn zu tätigen und erst bei der Auszahlung zu versteuern.

Wie funktioniert die fondsgebundene Direktversicherung?

Bei der fondsgebundenen Direktversicherung würde mein Arbeitgeber bis zu vier Prozent der Bemessungsgrundlage der gesetzlichen Rentenversicherung in eine Versicherungspolice einzahlen. Die Versicherung würde das Geld für mich in einen Fonds anlegen und das eingezahlte Kapital gleichzeitig gegen Verluste absichern. Im Todesfall würde ebenfalls das bereits eingezahlte Kapital an meine Erben ausgezahlt. Die Variante, die mir vorgeschlagen wurde, hat eine Laufzeit von 35 Jahren. Keine einfach zu treffende Entscheidung! Nach dieser Zeit kann ich mir das angesparte Kapital einmalig oder in Form einer jährlichen Rente auszahlen lassen. Im Falle eines Jobwechsels könnten die Ansprüche übertragen werden. Der neue Arbeitgeber kann den Vertrag fortführen. Eine Verpflichtung dazu besteht allerdings nicht. Sollte ich arbeitslos werden, kann die Versicherung beitragsfrei gestellt werden. In allen Sonderfällen fallen allerdings zusätzliche Gebühren an.

Der Vorteil

Für mich besteht der Hauptvorteil der fondsgebundene Direktversicherung in möglichen Steuerersparnissen, da das Kapital vor Abzug meiner Rentenversicherung und Steuern vom Bruttolohn eingezahlt wird. Es wird wesentlich mehr eingezahlt als mir netto vom Lohn abgezogen wird. Die höhere Summe wird verzinst und muss erst am Ende der Vertragslaufzeit versteuert werden. Dies erhöht den Zinseszinseffekt und senkt die Steuerlast, sollte man im hohen Alter weniger verdienen.

Der Nachteil

Es fallen sehr hohe Kosten an, insbesondere am Anfang der Vertragslaufzeit. Der Versicherungsvorschlag, den ich mir angeschaut habe, hat eine Kostenquote von mehr als 16 %, d.h. weniger als 84 % werden tatsächlich angespart.

Soll man eine fondsgebundene Direktversicherung eingehen?

Die Frage ist nicht ganz leicht zu beantworten und hängt aus meiner Sicht von zwei Teilfragen ab:

  1. Wie diszipliniert kann man selbst vorsorgen?
  2. Wie viel darf ich maximal im hohen Alter verdienen, damit der Steuereffekt zum Tragen kommt und wie hoch ist eigentlich die Überrendite?

Die erste Frage ist wichtig, weil jemand der selbst keine Disziplin in der Geldanlage besitzt, nicht für sich vorsorgen kann. Er wird das Geld, welches nicht in einer Versicherungspolice gebunden ist, unter Umständen frühzeitig konsumieren. Für mich persönlich gilt: ich kann für mich selbst vorsorgen und ich mag die Einschränkung, die ich durch den Fondszwang entstehen, nicht. Das heisst, die erste Frage ist für mich zum Nachteil der Direktversicherung zu beantworten. Aber vielleicht erreiche ich mit der Direktversicherung und dem Steuervorteil eine Rendite, die ich selbst nicht erreichen könnte. In diesem Fall würde ich mich als Value Investor binden und die starre Konstruktion in Kauf nehmen. Kommen wir zur zweiten Frage, die man auch wie folgt umformulieren könnte, um sie einfacher zu lösen:

Ist eine hohe Bruttolohnanlage (Direktversicherung mit Steuerverschiebung) besser als eine niedrige Nettolohnanlage (private Vorsorgen ohne Steuervergünstigung)?

Um einen fairen Vergleich hinzubekommen, gehe ich davon aus, dass beide Anlagen in die gleiche Anlageklasse investieren – nämlich in Aktien.

In meinem konkreten Vorschlag wird von der Versicherung nicht in einen ETF investiert, sondern in einen gemanagten Aktienfonds. Die zukünftige Rendite wird mit 6 % prognostiziert. Eine Annahme, die sich für den Aktienmarkt historisch bestätigen lässt und die nicht zu hoch gegriffen ist. Privat würde ich allerdings über einen ETF vorsorgen. Im Allgemeinen traue ich Fondsmanagern die gleiche Rendite wie dem Markt zu, zzgl. Fondsverwaltungskosten.

Das heisst, der Fonds und mein privater ETF werden über 35 Jahre eine identische Performance von 6 % haben. Eine Annahme, die man nicht zwingend teilen muss. Da man von meinem konkreten Versicherungsvorschlag Rückschlüsse auf mein Gehalt ziehen kann, habe ich hier ein theoretisches Beispiel auf den Angaben der Versicherungspolice aufgebaut. Alle variablen Kosten sind basierend auf den Angaben der Versicherung von mir angepasst worden, die Fixkosten habe ich gleich belassen. Das Beispiel basiert auf einem Arbeitnehmer der brutto 2‘500,- Euro verdient, davon 100,- Euro in die fondsgebundene Direktversicherung einzahlt und netto 53,37 Euro weniger verdient. Diese 53,37 Euro stehen ihm als Anlage zur Verfügung, wenn er die Versicherung nicht eingeht. Ich gehe in meiner Rechnung von der heutigen Steuergesetzgebung aus. Der ETF wird bei Verkauf mit der Kapitalertragssteuer besteuert. Die Auszahlung der Versicherung wird als sonstiges Einkommen mit meinem individuellen Steuersatz versteuert. Die genaue Rechnung könnt ihr hier herunterladen.

Fazit

Wichtig ist die Steuerdifferenz von meinem Einkommen heute und wenn die Versicherung ausgezahlt wird. Eine Versicherung lohnt sich eher dann, wenn man heute viel verdient und im Rentenalter wenig. Ich bin für die Einfachheit der Berechnung von einer Einmalzahlung mit dem 62. Lebensjahr (Ende der Vertragslaufzeit) ausgegangen. Dabei bin ich zu folgendem Ergebnis gekommen: Wenn man mit 62 einen Grenzsteuersatz von 41,5 % überschreitet, lohnt sich die Versicherung nicht. Dies entspricht einem heutigen Bruttolohn von 55‘000,- Euro (monatlich 4‘584,- Euro). Schneidet der Fonds in der Versicherung nur 0,5 % schlechter ab als der Markt, sinkt der Break-Even-Grenzsteuersatz auf 35,5 %. Dies entspricht einem heutigen Bruttolohn von 38‘000,- Euro (monatlich 3‘167,- Euro).

Die Entscheidung für oder gegen eine fondsgebundene Direktversicherung ist mir nicht leicht gefallen. Insgesamt gehe ich für mich persönlich davon aus, dass wenn nichts Außergewöhnliches passiert, die fondsgebundene Direktversicherung leicht besser abschneidet als ein Investment vom Nettolohn, auch unter Annahme eines zukünftigen persönlichen Grenzsteuersatz von 42 %. Durch die Fixkosten sieht meine persönliche Rechnung ein bisschen besser aus als die oben gezeigte Bespielrechnung. Trotzdem habe ich mich gegen die fondsgebundene Direktversicherung entschieden. Meine Flexibilität in der Anlageentscheidung ist mir mehr wert als die geringfügige Überrendite. Gleichzeitig bin ich mir ziemlich sicher, dass in 35 Jahren viel Unvorhersehbares passiert, welches die Performance der Direktversicherung schmälern würde.

In diesem Sinne ist eine fondsgebundene Direktversicherung für mich kein Value Investment. Wie seht ihr das? Habt ihr eine fondsgebundene Direktversicherung abgeschlossen? Welche Kriterien haben euch bei der Entscheidung am meisten beeinflusst?

3 Kommentare
  1. Raphael sagte:

    Hallo Till, die Sache mit der Entgeltumwandlung hat noch einen weiteren Haken: in D wird auf die Auszahlungen aus der Direktversicherung im Rahmen der bAV der volle Krankenversicherungsbeitrag fällig. Dieser ist vom Rentner allein zu tragen. Außerdem schmälern die wegen der Direktversicherung NICHT ins Umlagesystem geflossenen Rentenversicherungsbeiträge die Höhe der gesetzlichen Rentenansprüche des Betriebsrentners. Beides zusammen genommen macht die bAV für den Arbeitnehmer in den meisten Fällen von vornherein zu einem fetten Minusgeschäft. Vgl. hierzu Monitor vom 13.12.2012: http://www.youtube.com/watch?v=9yOBMtjzioY Deshalb: Glückwunsch zu Deiner Entscheidung, von der bAV die Finger zu lassen!

  2. Dennis sagte:

    Hi Till, ich gehe mit Deiner Betrachtung und auch mit der Betrachtung des Vorposters Raphael völlig d’accord. Ihr vergesst nur einen einzigen Punkt, der mir leider bei diesen Betrachtungen viel zu oft vergessen wird. Vielleicht deshalb, weil ich in meinem Umfeld zwei Fälle kenne von Personen, die unverschuldet in eine Privatinsolvenz geraten sind. Ja gut, jetzt sollte man meinen, wenn man seine Finanzen und sein Leben im Griff hat und zu diesem Personenkreis gehört man normalerweise, wenn man der Überzeugung ist für sich selbst privat sehr gut vorsorgen zu können, dann wird man auch nie in eine Privatinsolvenz geraten können. Nur wie gesagt, das Leben lässt sich schlecht mit 100% Sicherheit planen und es gibt einfach Dinge, gegen die man nicht abgesichert ist, weil man sie gar nie erwarten würde. Außerdem möchte man ja auch vielleicht durchs Leben gehen ohne sich ständig Gedanken über so eine Absicherung zu machen. Da ich mich vor solchen Schicksalsschlägen nicht gefreit fühle, ist die Direktversicherung, so wie auch die Riester-Rente die einzige Absicherungsmöglichkeit für mich mein Geld pfändungssicher anzulegen. Bei jeder anderen privaten Vorsorge, sei es mit privaten Fondsparplänen etc. ist dies nicht gegeben und man nimmt Euch alles… nach der Privatinsolvenz (also nach 6-7 Jahren) beginnt ihr dann wieder 0 EUR mit Eurer Altersvorsorge … Habt Ihr diesen Punkt auch bei der Bewertung bedacht? Wie gesagt, für mich ist das der einzige ausschlaggebende Grund…

  3. Till Schwalm sagte:

    Hi Dennis, diesen Punkt habe ich nicht in Betracht gezogen. Deswegen ein besonders gute Anmerkung. Für mich persönlich ändert dies nichts an meiner Einstellung. Bei deinem Kommentar wäre meine erste Frage, wie man unverschuldet in eine Privatinsolvenz geraten kann? Setzt eine Insolvenz nicht zwingend eine Verschuldung/Schuld voraus? Diese muss bewusst eingegangen sein, solange man keine Schulden aufnimmt, ist es auch schwierig in eine Privatinsolvenz zu geraten. Ausnahme, man ist nicht gegen Schäden/Unfall/Krankheit etc. versichert. Aber da fallen mir günstigere Versicherungen ein, als der Abschluss einer Direktversicherung mit im Schadensfall anschliessender Privatinsolvenz. Würde mich freuen, wenn du mir da mit konkreten Beispielen helfen kannst. Ich kennen nur eine Privatinsolvenz in meinem Umfeld und die war nicht unverschuldet, sondern eine Selbständigkeit auf Kredit. Beste Grüsse, Till

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