Bitcoin & Co

Ohne in Bitcoin, Ethereum, Ripple oder eine der vielen Kryptowährungen investiert zu haben, werde ich jetzt auch etwas zu dem Thema schreiben. Hauptsächlich weil es spannend ist, mein Umfeld und mich beschäftigt und ich meine Gedanken zu dem Thema sortieren möchte. Der extreme Kursanstieg im Dezember mit entsprechendem Verfall befeuert die Faszination um alle Kryptowährungen. Anscheinend suchen Anleger im niedrigen Zinsumfeld und einer allgemeinen Skepsis gegenüber dem Finanzsystem nach Alternativen für ihr Geld. Journalisten und Medien springen mit Heißhunger auf den Zug auf. Allerdings sind Kryptowährungen aus meiner Sicht kein Investment sondern Spekulation.

Kryptowährungen sind ein klassisches Spekulationsobjekt

Kryptowährungen können für sich selbstgenommen keinen Ertrag erwirtschaften, sie sind daher als echtes Investment ungeeignet. Um Geld mit ihnen zu verdienen, muss man jemanden finden, der bereit ist, mehr dafür auszugeben als man selbst. Dies gilt übrigens für alle Währungen, Rohstoffe und Gegenstände ohne Ertrag, wie Liebhaberautos, -immobilien, Kunstwerke oder ähnliches.

Kryptowährungen sind als sicheres Geldsystem gestartet worden

Die Idee hinter Kryptowährungen ist die Schaffung eines sicheren, dezentralen Geldsystems, dessen Geldmenge nicht durch staatliche Einrichtungen (wie die Notenbanken) kontrolliert oder vergrößert werden kann. Damit sind Kryptowährungen, wie der Bitcoin, am ehesten vergleichbar mit Gold. Allerdings müssen sich Kryptowährungen erst einmal beweisen, ob sie als sicheres Wertaufbewahrungsmittel taugen. Bisher haben Kryptowährungen noch keine Krise überstanden. Im Gegensatz dazu hat Gold schon mehrere Tausendjahre als Tauschmittel auf dem Buckel und kann zudem praktisch in der Industrie und Schmuckverarbeitung eingesetzt werden.

Staatliche Eingriffe

Weil die Kontrolle und die Zulassung eines neuen Zahlungsmittel, welches in Konkurrenz zum gesetzlichen Zahlungsmittel (in Deutschland der Euro) unmissverständlich beim Staat liegt, halte ich aktuell existierende Kryptowährungen als Idee für universelle Zahlungsmittel und Ersatz der existierenden Zahlungsmittel nicht für tragfähig. Bitcoins oder Kryptowährungen sind laut BaFin Rechnungseinheiten, welche in „multilateralen Verrechnungskreisen“ eingesetzt werden können, und damit als Finanzinstrument im Sinne des § 1 Abs. 11 Nr. 7 KWG gelten könnten. Erlaubnisfrei ist die Schaffung von Kryptowährungen und ihrer Werteinheiten. Die Nutzung, sobald sie in Konkurrenz zum gesetzlichen Zahlungsmittel tritt, steht dagegen unter erlaubnisvorbehalt.
Finanzprodukte sind mit gutem Grund reguliert. Finanzprodukte können nicht nur für das Individuum, sondern auch für die Gesellschaft großen Schaden anrichten, wie die Vergangenheit gezeigt hat. Unser aktuelles System ist sicher nicht perfekt, wie sich auch in der Finanzkrise 2007 gezeigt hat. Trotzdem gibt es für viele Regeln, auch für Währungen, gute Gründe und eine vollständig Abkehr von diesen halte ich für ein sehr gewagtes Experiment.

Sind Kryptowährungen schon Zahlungsmittel?

Wenn wir die größte Kryptowährung Bitcoins nehmen, muss die klare Antwort „Nein“ lauten. Die Akzeptanz von Bitcoins ist verhältnismäßig niedrig, auch wenn die Bitcoin Community etwas anderes suggeriert. Unter den Top 500 E-Commerce Händlern (angeführt von Amazon, Apple und Wal-Mart) in den USA akzeptieren laut Morgan Stanley derzeit nur 3 Bitcoins. Zudem ist die Transaktion in Bitcoins inzwischen sehr teuer, da die Handelsgebühren insbesondere für kleine Transaktionen verhältnismäßig kostspielig sind. Insgesamt ist der tägliche Kaufumsatz selbst in den positivsten Berichten bei ein paar 100 Mio. USD pro Tag. Zum Vergleich: allein VISA wickelt Geschäfte von ca. 17 Mrd. USD pro Tag ab.

Hinzukommt, dass der Stromverbrauch für das Bitcoin-Netzwerk und seine Transaktionen inzwischen lächerlich hoch ist. Eine Transaktion ist zudem noch sehr langsam. Als Zahlungsmittel ist der Bitcoin im derzeitigen Zustand damit ungeeignet.

Bitcoins, Kryptowährungen und ihr Wert

Kryptowährungen sind faszinierend. Die Technik dahinter wird sich wahrscheinlich durchsetzen und Wert schaffen. Das enorme Vermögen, wenn auch im Verhältnis zu anderen Anlageklassen noch klein, wird zu einer schnellen Entwicklung von Kryptoverzeichnissen und ähnlichem führen. Allerdings müssen das nicht die heute existenten Kryptowährungen sein und sicherlich nicht alle Kryptowährung. Auszuwählen, welche Kryptowährung sich durchsetzt, dazu sehe ich mich außerstande. Aus diesem Grund werde ich auch weiterhin von der Seitenlinie fasziniert zuschauen. Weiterlesen über die Anwendungsmöglichkeiten der Technologie hinter Kryptowährung.

2 Kommentare
  1. Christopher sagte:

    Hallo Till, ich finde deine Einschätzung über die Kryptowährunge. Nüchtern und kompetent. Die Fähigkeit Zahlungsmittel zu sein, geringe Einstiegsbarrieren für andere Crypto sind definitiv gute Gründe dass die heutigen TOP 10 langfristig gesehen zur Zeit überbewertet sind. Ich persönlich finde die Szene auch faszinierend – und Crazy 😉

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